Oberallgäuer Tüftler

Stadtarchiv ist der Immenstädter Montgolfiere auf der Spur

Montgolfiere Immenstadt

1784 ließen Johannes Fink und Georg Kennerknecht auf dem Marktplatz in Immenstadt eine „Luftkugel“ in die Höhe steigen. Jetzt sucht das Stadtarchiv nach weiteren Hinweisen auf die Luftfahrt-Pioniere.

Bild: Rapp

1784 ließen Johannes Fink und Georg Kennerknecht auf dem Marktplatz in Immenstadt eine „Luftkugel“ in die Höhe steigen. Jetzt sucht das Stadtarchiv nach weiteren Hinweisen auf die Luftfahrt-Pioniere.

Bild: Rapp

Jetzt sind die Bürger gefragt: Wer weiß etwas vom ersten Heißluftballon im Allgäu? Angeblich kam ein Pionier der Luftfahrt aus Thalkirchdorf.
##alternative##
Von Siegbert Eckel
14.08.2021 | Stand: 16:08 Uhr

Am 4. Juni 1783 präsentierten die Gebrüder Montgolfier in ihrer Heimatstadt Annonay den ersten Heißluftballon – die später nach ihnen benannte Montgolfiere. Ein Freund des Immenstädter Stadtarchivs wies jetzt darauf hin, dass kaum ein halbes Jahr später, am 25. Februar 1784 der Uhrmacher Johannes Fink und der Tonkünstler Johann Georg Kennerknecht auf dem Marktplatz in Immenstadt eben eine solche unbemannte „Luftkugel“ aufsteigen ließen. Dazu bittet das Stadtarchiv jetzt die Bürger um Mithilfe bei der Spurensuche nach den beiden Luftfahrt-Pionieren.

Der Hinweis auf den Flugversuch der beiden Oberallgäuer in Immenstadt findet sich in den „Neuesten Weltbegebenheiten des Jahres 1784“. Das ist eine Zeitung, die als erstes Nachrichtenblatt ab diesem Jahr in Kempten vom Stiftsherren Dominikus von Brentano herausgegeben wurde. Darin heißt es, dass Fink und Kennerknecht – „beide aus dem Reichsgräflich Königsegg’schen Dorfe Kirchdorf gebürtig“ – „einer der glücklichsten Versuche mit einer Luftkugel“ gelang. Das sei „ein neuer Beweis, daß auch die rauesten Alpen an den besten Genien fruchtbar sein können“.

Johannes Fink aus Kirchdorf

Aus der Stadt Schaffhausen (Schweiz) gibt es einen weiteren Nachweis: Dort hatte am 19. April 1784 „unser Publikum das Vergnügen, einen Luftball steigen zu sehen“ – in eine „sehr beträchtliche Höhe“. Der Luftball sei „17 und einen halben Schuh hoch“ gewesen „und hatte 17 im Durchmesser“. Und weiter: „Der Verfertiger desselben ist Herr Johannes Fink von Kirchdorf im Allgäu gebürtig.“

Doch trotz umfangreicher Recherchen ist es dem Stadtarchiv bis heute nicht gelungen, Näheres zu den beiden „Tüftlern“ in Erfahrung zu bringen, die die erste Montgolfiere im Allgäu in die Luft brachten. So befragten die Mitarbeiter Mitglieder der im Westallgäu weit verbreiteten Familie Fink, von der Teile aus dem nahen Bregenzer Wald stammen sollen. Aber auch sie konnten zur Lösung dieses familiären Rätsels nichts beitragen. Die Mutter des Johann Georg Kennerknecht aber war eine geborene Hieble aus der „Thaler Hueb“. Und die Hieble waren eine Uhrmacherdynastie aus Thalkirchdorf.

Uhrmacher in Immenstadt

Um 1800 ist in Immenstadt ein Anton Hieble als Uhrmacher tätig. Vielleicht stammt daher der Bezug zu dem Uhrmacher Johannes Fink? Aus dem Zunftbuch im Immenstädter Stadtarchiv ergibt sich lediglich, dass von Uhrmachermeister Xaveri Liebherr ein Adam Fink aus Riefensberg freigesprochen worden ist. Weil kaum angenommen werden kann, dass Liebherr zwei Uhrmacher mit dem Namen Fink ausgebildete, könnte es sich auch um eine Namensverschreibung handeln. Wer Näheres zu den beiden Flugpionieren sagen kann, soll sich beim Stadtarchiv Immenstadt melden: unter Telefon 08323/7577 (nur mittwochs) oder schriftlich: Stadt Immenstadt, Stadtarchiv, Marienplatz 3-4, 87509 Immenstadt.

Lesen Sie auch
##alternative##
Verkehr in Immenstadt

Freie Fahrt: Die Markierungsarbeiten an der Stadtspange sind abgeschlossen

Lesen Sie dazu auch:

Vor 100 Jahren eroberten die Oberallgäuer die Lüfte