Heimatgeschichte

Statt Friedenslinde ein Kriegerdenkmal in Immenstadt

Vor 150 Jahren erbaut, wurde das erste Kriegerdenkmal Immenstadts 1965 abgerissen und dann nördlich des Krankenhauses verscharrt.

Vor 150 Jahren erbaut, wurde das erste Kriegerdenkmal Immenstadts 1965 abgerissen und dann nördlich des Krankenhauses verscharrt.

Bild: Sammlung Eckel

Vor 150 Jahren erbaut, wurde das erste Kriegerdenkmal Immenstadts 1965 abgerissen und dann nördlich des Krankenhauses verscharrt.

Bild: Sammlung Eckel

Vor 150 Jahren wurde ein Obelisk als Gedenken an die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs in Immenstadt aufgestellt. Das erste Ehrenmal in der Stadt.
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Von Siegbert Eckel
21.09.2022 | Stand: 19:00 Uhr

Im November wird in Trauerfeiern an vielen Orten der Gefallenen und Opfer von Krieg, Vertreibung und Nazi-Verbrechen gedacht. Dabei scharen sich die Bevölkerung und die Veteranengruppen um die „Kriegerdenkmäler“. Doch woher stammen diese Monumente der Erinnerung? Die ersten wurden vor 150 Jahren aufgestellt. So wie das Ehrenmal in Immenstadt, wie Historiker Siegbert Eckel herausfand. Hier seine Ergebnisse.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71 endete am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt. In der Folge wurde 1871 ein deutsches Kaiserreich gegründet und König Wilhelm IV. von Preußen zum deutschen Kaiser ernannt. Noch im selben Jahr wurden überall zum Gedenken an den Sieg über die französische Armee Feiern veranstaltet und „Friedenslinden“ gepflanzt. Träger dieser vaterländischen Feiern waren meist die Veteranenvereine.

Immenstädter verzichten auf Friedenslinde

Die Immenstädter verzichteten auf eine Friedenslinde. Statt derer wurde am 22. und 23. September 1872 mit einem großen Veteranenfest (samt Kinderfest) ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Auf der Südseite waren die Namen und persönlichen Angaben von Armin Frey und Leopold Göhl, beide aus Immenstadt, sowie von Johann Georg Bechteler, Joseph Mösmang und Johann Hagspiel aus Bühl eingraviert. Auf der Nordseite war zu lesen: „Immenstadt und Bühl dem Andenken ihrer heldenmütigen Söhne.“

Dieses Denkmal wurde von der Firma Konstantin Forstenhauser entworfen, hergestellt und auf dem seinerzeit pfarreigenen Platz unmittelbar östlich der katholischen Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichtet. An der Stelle befindet sich heute ein Kreisverkehr. Eine erste Kalkulation von Forstenhauser ergab Kosten in Höhe von 750 Gulden. Dieser Betrag erhöhte sich durch den Bau der gesamten Anlage auf 1100 Gulden. Eine Sammlung ergab den stolzen Betrag von 595 Gulden. Die Gemeinde Bühl stiftete weitere 300 und der Rest kam von der Stadt.

Noch lebende Veteranen erhalten goldene Ringe

Im Rahmen der Festlichkeiten zur Errichtung des Bauwerks bekamen die noch lebenden Veteranen goldene Ringe. Der heutige Kirchplatz erhielt durch das Vorhandensein des Veteranen-Denkmals den Namen „Monumentplatz“. Der eindrucksvolle Obelisk, umgeben von einem Blumenrondell, zählte für die früheren Einwohner Immenstadts zum zentralen Bestandteil des Ortsbilds. Doch aufgrund verschiedener Baumaßnahmen musste er versetzt werden.

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Wenig pietätvoll ging dann die Neuzeit mit dem Ehrenmal um. Weil bei der Ölbergkapelle ein neues Denkmal geplant war und die Kreuzung am Kirchplatz neu konzipiert wurde, musste das alte Ehrenmal schließlich ganz weichen.

Denkmalschutzbehörde stimmt zu

Immerhin hatte die Stadtverwaltung zuvor die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde eingeholt. Die hatte gegen die Beseitigung keinerlei größere Einwände und stufte den Obelisken als „nicht historisch wertvoll und deshalb auch nicht für besonders erhaltungswürdig“ ein.

So fiel der Obelisk, das erste Immenstädter Kriegerdenkmal, am 17. Mai 1965 einem Abbruchkran zum Opfer. Unwürdig wurde es ungefähr an der Stelle der ehemaligen Tennishalle nördlich der Klinik verscharrt.

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