Beeindruckende Sammlung

80-jähriger Walser sammelte über 10.000 Bilder von Steinadlern

Steinadler

Ein ausgewachsener Steinadler in seinem natürlichen Umfeld.

Bild: Otto Baral

Ein ausgewachsener Steinadler in seinem natürlichen Umfeld.

Bild: Otto Baral

Otto Baral fotografiert und filmt leidenschaftlich gern Steinadler. Er hat seit 1998 über 10.000 Bilder angesammelt. Seine Fotos hängen sogar in Brüssel.
05.11.2021 | Stand: 11:34 Uhr

Otto Baral traute seinen Augen kaum, als er Anfang Juni nach einer anstrengenden Klettertour sein Ziel erreicht hatte: einen Adlerhorst im Gemsteltal. Und tatsächlich: Er sah – auf respektvolle Distanz – ein Adlerweibchen, das ein Küken fütterte. Nach sechs Jahren waren die Steinadler wieder da. Jedes Jahr im Frühsommer steigt der Kranführer im Ruhestand in die Höhe, um die majestätischen Vögel zu beobachten, zu fotografieren und zu filmen. Auch noch mit 80 Jahren: „Ich bin fit wie ein junger Hüpfer!“

"Es lag so lange Schnee und der Horst befindet sich in einem gefährlichen Lawinentobel"

Dieses Jahr habe es aber ein Handicap gegeben. „Es lag so lange Schnee und der Horst befindet sich in einem gefährlichen Lawinentobel.“ Da sei der alljährliche Ausflug – teilweise sogar schon im Februar – zu gefährlich gewesen.

Barals Leidenschaft für die großen Greifvögel begann 1998 auf einer Bergtour, als dem Hobbyfilmer ein Paar vor die Kameralinse geriet. Seitdem hat er 13 „Familien“ beobachten können. Oft in einem kleinen Zelt, aus dem er nur das Kameraobjektiv hinaushielt. Warum er in den vergangenen sechs Jahren keinen Adler mehr gesehen hat, kann er nur vermuten. „Adler werden zwischen 20 und 25 Jahre alt, da ist ein altes Paar wohl gestorben.“ Heuer fand sich dann wieder ein Paar ein. „Ganz toll“, freute sich Baral, im Tal als „Adlerkönig“ bekannt.

Ein Adlerküken in seinem weißen Flaumkleid.
Ein Adlerküken in seinem weißen Flaumkleid.
Bild: Otto Baral

Die Steinadler brüten etwa 25 Tage

Zwischen Mitte März und Mitte April legt das Weibchen meistens zwei Eier. Inzwischen gebe es vier Horste hoch oben im Fels. Jedes Jahr bestimme das Weibchen, welcher Horst für die Aufzucht des Nachwuchses dienen soll, weiß der Experte. Vor der Brut wird der Unterschlupf mit frischen Zweigen „renoviert“. Die Eiablage erfolgt dann in einem Abstand von sechs bis acht Tagen. „Etwa 25 Tage wird gebrütet“, hat der Naturfreund festgestellt. Der erstgeschlüpfte Vogel habe dann schon einen Riesenvorsprung vor den Geschwistern. Er zögert nicht lange und wirft das zweite Küken aus dem Nest: „Das steckt einfach in den Genen.“ Die Altvögel sehen dann seelenruhig zu.

Die kleinen Adler fangen im Horst an, wie wild mit den Flügeln zu schlagen

Am 10. Juni seien ihm „ganz tolle Aufnahmen“ gelungen, freut sich Otto Baral. Eine ganze Stunde lang habe das Weibchen das Küken gefüttert – für die Fütterung seien ausschließlich die „Weible“ zuständig. Etwa zweieinhalb bis drei Monate werden den Jungvögeln die Mahlzeiten serviert. Dann fangen die kleinen Adler im Horst an, wie wild mit den Flügeln zu schlagen, um die Muskeln zu trainieren. Die Flügel können eine Spannweite von bis zu 2,30 Metern erreichen. Schließlich werden die Kleinen vom Weibchen einige Tag auf Diät gesetzt, bis sie sich schließlich, vom Hunger getrieben, aus dem Nest stürzen und ihren ersten Flug wagen.

Otto Baral stammt aus dem Kleinwalsertal und fotografiert und filmt Steinadler seit über 20 Jahren.
Otto Baral stammt aus dem Kleinwalsertal und fotografiert und filmt Steinadler seit über 20 Jahren.
Bild: Arno Pürschel

Im Frühjahr wird der junge Adler vertrieben: Er muss sich ein neues Revier suchen

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Der Jungadler in diesem Frühjahr verhielt sich auffällig ruhig, hat Baral beobachtet. Doch innerhalb einiger Wochen hat sich der Kleine berappelt, staunte der „Adlerkönig“. Er konnte beobachten, wie der Greifer einen Spielhahn geschlagen hat. Der Nachwuchs bleibt in der Nähe des Horstes, bis sich die Altvögel – „monogam“ und standorttreu – im nächsten Frühling wieder paaren. Dann wird der junge Adler vertrieben: Er muss sich ein neues Revier suchen, irgendwo in den Alpen. Im Kleinwalsertal ist immer nur eine „Familie“ ansässig.

Inzwischen hat Otto Baral an die 10 000 Bilder „geschossen“, hauptsächlich von den Steinadlern. Aber auch von Steinböcken kann er selten genug kriegen: „Ich weiß immer, wo sie sind.“

Die Bilder sind im ganzen Allgäu zu sehen, sogar in Brüssel: „Da hängen Steinböcke in der Tierschutzbehörde der EU.“

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