Ortsentwicklung

Stillstand in Wertachs „Ortsmitte“

Der Gasthof Engel mit Biergarten ist seit Ende 2020 zu, der Pächter hatte gekündigt.

Der Gasthof Engel mit Biergarten ist seit Ende 2020 zu, der Pächter hatte gekündigt.

Bild: Günter Jansen (Archiv)

Der Gasthof Engel mit Biergarten ist seit Ende 2020 zu, der Pächter hatte gekündigt.

Bild: Günter Jansen (Archiv)

Das Areal des Gasthofs Engel sollte umgestaltet werden in ein Zentrum mit Gastronomie und großem Saal. Dafür müsste die Gemeinde einen hohen Kredit aufnehmen.
09.07.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Wertach Im Februar 2021 suchte Wertach einen Investor für die „Neue Ortsmitte“, einen Bau mit Veranstaltungssaal und Gastronomie. Gemeldet hat sich niemand. Mehr als acht Millionen Euro, so hieß es damals, hätte die Verwirklichung des Siegermodells eines städtebaulichen Wettbewerbs für die „Neue Ortsmitte“ gekostet. Als sich niemand fand, speckte die Gemeinde die Planung nochmals ab. Aber auch dahinter steht ein dickes Fragezeichen. Sogar die Kommunalaufsicht des Landratsamtes warnt die Gemeinde, sich dafür extrem zu verschulden.

Ein Brief vom Landratsamt

Einen zweiseitigen Brief las Hauptamtsleiter Jörg Meyer jetzt im Gemeinderat Wertach vor. Darin ging es um die Genehmigung des aktuellen Haushaltsplans inklusive eines 3,8 Millionen Euro-Kredits. Im Brief heißt es dazu, ob weitere Darlehen künftig akzeptiert werden, „kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht prognostiziert werden“. Die Behörde schreibt auch, die „Neue Ortsmitte“ stelle eine freiwillige Aufgabe der Gemeinde dar, dürfe nur verwirklicht werden, „wenn entsprechende Finanzierungsspielräume vorhanden sind und die Pflichtaufgaben nicht vernachlässigt werden.“

Eine "pflichtnahe Aufgabe"

Ganz einverstanden mit dieser Einschätzung ist Gertrud Knoll, die Bürgermeisterin von Wertach, nicht. Ein Veranstaltungssaal diene der Gemeinde, den Vereinen und somit auch dem sozialen Leben, sagt sie tags darauf auf Anfrage am Telefon. „Das ist eine pflichtnahe Aufgabe.“ In Wertach gebe es viele aktive Vereine, ein aktives Dorfleben. Und das soll auch so bleiben. „Da gehört ein Saal dazu.“ Aber natürlich, schränkt sie ein, brauche die Gemeinde bald auch ein neues Feuerwehrhaus.

Knoll bemühe sich seit ihrem Amtsantritt 2020, die Kosten der „Ortsmitte“ zu reduzieren. Bald sollen nochmals alle Möglichkeiten auf den Tisch. Auch eine Sanierung des Gasthofs Engel. Die war laut Knoll vor etlichen Jahren schon mal Thema. Als es aber hieß, dass eine Sanierung in etwa so viel Geld verschlingen würde wie eine Neugestaltung, entschied sich der Gemeinderat für die Erneuerung.

"Die Kosten waren nie ein Thema"

Es folgte ein städtebaulicher Wettbewerb. Dabei, so erinnert sich Knoll, „waren die Kosten nie ein Thema“. Sie war damals noch CSU-Gemeinderätin. „Es ist seitens des Gremiums immer wieder angemahnt worden, eine finanzielle Obergrenze im Wettbewerb mit anzugeben.“ Die habe das begleitende Planungsbüro aber immer abgelehnt, weil sie als „Hemmschuh für die Kreativität der Architekten angesehen wurde“.

Lesen Sie auch
##alternative##
Einsatz in Wertach

Nichts mehr zu retten: Halle in Wertach brennt ab

Fünf Millionen Euro sollten das Maximum sein, sagt Knoll. Die Verwirklichung des Siegermodells hätte aber 7,5 Millionen Euro verschlungen – zunächst. Laut Knoll lagen 2020 die Schätzungen bereits bei 8,3 Millionen Euro. Dann wurde wieder abgespeckt. Aber das sei alles mit viel Aufwand, Zeit und Absprachen verbunden. Fachplaner mussten beauftragt werden, teilweise seien europaweit Ausschreibungen nötig gewesen.

Im Jahr 2021 – abgespeckt – war die „Neue Ortsmitte“ ein Veranstaltungssaal mit kleiner Gastronomie und Dorfsaal. Dennoch: Ohne Zuschuss wäre das für die Gemeinde nicht zu stemmen gewesen. Um diesen erhalten zu können, musste die Gemeinde beweisen, dass es keine Privatinvestoren gibt. Gesucht wurde ein Investor. Es fand sich niemand.

„Großes Loch von Wertach“

Es sei auch nicht ratsam, jetzt mit dem Bau zu beginnen, wenn man nicht wisse, „ob in Zukunft die Mittel zum Weiterbau genehmigt werden“, sagte Hauptamtsleiter Meyer – und malte das Bild des „großen Lochs von Wertach“ an die Wand. „Am Ende stehen wir unter Zwangsverwaltung“ schlug Knoll in die gleiche Kerbe. Ein „Plan B“ sei nun wichtig. Jetzt müsse das Gremium „intensiv diskutieren, wie es weitergeht“. Der Gasthof Engel mit seinem schönen Biergarten steht bereits seit Ende 2020 leer. In der Corona-Pandemie hatte der Pächter gekündigt.