Sport in der Corona-Krise

Stopp in den Hallen: TSV Sonthofen unterbricht gesamten Betrieb

Allgäu-Sporthalle Sonthofen

Über fünf Wochen nach der endgültigen Öffnung der letzten Sportstätten in Sonthofen – hier die Allgäu-Sporthalle – schließen die Türen fürs Erste für den Trainingsbetrieb wieder. Dabei folgt der TSV Sonthofen nicht einer Anordnung der Stadt, sondern stoppte den Betrieb in vier seiner Abteilungen eigeninitiativ.

Bild: Ronald Maior

Über fünf Wochen nach der endgültigen Öffnung der letzten Sportstätten in Sonthofen – hier die Allgäu-Sporthalle – schließen die Türen fürs Erste für den Trainingsbetrieb wieder. Dabei folgt der TSV Sonthofen nicht einer Anordnung der Stadt, sondern stoppte den Betrieb in vier seiner Abteilungen eigeninitiativ.

Bild: Ronald Maior

Der TSV Sonthofen prescht vor: Vier Abteilungsleiter stellen den gesamten Trainingsbetrieb in ihren Mannschaften ein. Volleyballer lassen Hintertürchen offen.
26.10.2020 | Stand: 18:35 Uhr

Die Unsicherheit wurde zu groß, die Dynamik zu unkontrollierbar. Der TSV Sonthofen, der mit 2000 Mitgliedern größte Mehrspartenverein in der Region, hat den kompletten Betrieb in sämtlichen Abteilungen eingestellt. In einer Funktionärsgruppe haben sich die vier Abteilungsleiter Turnen, Handball, Basketball und Volleyball Sonntagabend auf Initiative der Korbjäger um Abteilungsleiter Torsten Barabas entschieden, das Training in allen Altersgruppen wegen der rasanten Entwicklung in der Corona-Pandemie ruhen zu lassen. Wir haben Reaktionen gesammelt.

Torsten Barabas, 44, Abteilungsleiter Basketball: „Ich habe mir angesehen, wie unsere Trainings ablaufen und diese Eindrücke mit den Vorgaben an den Schulen verglichen, weil wir dort unsere meisten Mitglieder haben. Und wenn ich sehe, wie streng die Durchmischung in der Schule zu vermeiden versucht wird, torpedieren wir mit unserem Trainingsbetrieb all die Bemühungen – obwohl das Training bei unseren strengen Hygienevorschriften sogar noch erlaubt ist. Darum habe ich entschieden, dass wir fürs Erste mit dem Training der Jugend und auch bei den Herren kürzertreten – ich finde, das passt zur Zeit nicht zusammen. Das Gesamtkonzept muss stimmig sein, und das muss mit den Vorstellungen der Schulen annähernd abgeglichen sein. Das ist keine grundsätzliche Lösung – nur ein Beitrag von uns dazu, dem Ganzen ein wenig Zeit zu geben. Und wir überlegen uns selbst neue Methoden für das künftige Training.“

Franziska Dillinger, 29, Teammanagerin AllgäuStrom Volleys Sonthofen: „Die Lage ist zu heiß im Moment, und wir alle üben den Sport freiwillig und nicht hauptberuflich aus, sodass es keine Alternative zu der Pause gibt. Wir haben uns vor dem Erfurtspiel entschieden, dass wir bei einem Inzidenz-Wert von über 50 keine Spiele mehr bestreiten – und ab 70 nicht mehr trainieren. Wir haben das den einzelnen Coaches vorgeschlagen, für die erste Mannschaft gab es dazu keine Alternative – auch, wenn es noch keine behördlichen Anweisungen für den Sport gibt. Wir tun uns nur sehr schwer, weil vom Verband keine konkrete Entscheidung kommt, aber wir wollen das Ding nicht laufen lassen, bis es noch dramatischer wird. Also haben wir das Training selbst ausgesetzt und die Mädels waren sogar recht dankbar, dass man ihnen die Entscheidung abgenommen hat. Auch für das kommende Heimspiel gegen Fürth haben wir um Verlegung gebeten.“

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Martin Lubitzsch, 42, Abteilungsleiter Handball: „Der Spielbetrieb im Handball ruht bekanntlich seit der Entscheidung durch den BHV in der vergangenen Woche. Bis zum 4. November, wenn der Verband entscheidet, unter welchen Bedingungen es weitergehen kann, passiert ohnehin nichts. Und so haben wir uns Sonntagabend entschieden, das Training komplett ruhen zu lassen – mindestens bis zum Ende der Herbstferien, da wir in der Woche ohnehin nicht in die Halle könnten. Erst dann können wir sehen, wie die Lage ist und was denkbar ist. Denn wir haben eine große Verantwortung, als Spieler, als Trainer, alle Verantwortlichen. Uns ist klar, dass das nicht überall Freudenstürme auslöst, weil der Sport das letzte Stück Normalität in dieser Zeit war. Aber alles Andere, als ein Stopp wäre unverantwortlich, und so ist es die vernünftigste Lösung, die wir im Moment finden können.“

Peter Müller, 58, Abteilungsleiter Volleyball: „In der unsicheren Phase hätten wir uns genauere Vorgaben vom Verband gewünscht. So werden wir uns an den Infektionszahlen orientieren, das ist die einzige Linie, an die wir uns halten können. Mit dem Überschreiten von 70 beim Inzidenz-Wert haben wir für die ganze Abteilung das Training abgesetzt. Aber das ist kein kategorisches Verbot: Wir schauen, wie die Entwicklung verläuft und wollen es den Trainern und Kindern so lange offenlassen, ob sie trainieren oder nicht, bis eine behördliche Anordnung etwas anderes festlegt. Heißt: Noch dürfen die Kinder auf freiwilliger Basis trainieren. Aber wir fahren ganz stark runter, es kann auch jederzeit der Punkt kommen, an dem wir komplett zu machen.“

Norbert Just, 56, neuer Abteilungsleiter Turnen mit über 1400 Mitgliedern: „Die Unsicherheit ist auch bei uns ganz stark spürbar, obwohl wir keinen Kontaktsport haben. Deshalb habe ich schon in der vergangenen Woche, als der Inzidenz-Wert über 35 ging, die Seniorengruppen aus dem Programm genommen. Gerade in der Altersgruppe war das Risiko inzwischen zu hoch. Danach haben wir die Trainingsgruppen im Nachwuchsbereich stark reglementiert – die Übungsleiter mussten Masken tragen, es durften nicht mehr als zehn Personen anwesend sein. Für den Trainingsstopp haben wir uns den Wert von 70 als Grenze gesetzt, weil wir nun in einem Bereich angekommen sind, wo wir das Geschehen nicht mehr kontrollieren können. Wir mussten sogar schon ein paar Kinder rausnehmen, weil auch die Lage in den Familien schwer zu überblicken ist. Nun ist bis zu dem Ende der Herbstferien vorerst Pause. Mir bereitet die Lage aber nach wie vor schlaflose Nächte, weil wir für 1400 Leute verantwortlich sind und das Ganze unheimlich brisant ist. Ich hoffe, dass wir für all die Mitglieder im TSV bald wieder den Ausgleich bieten können.“