Maibaum im Oberallgäu

Strammes Programm zur Maibaumfeier in den 1930er-Jahren

NS-Maibaum in Immenstadt - 1

Immenstadt, 1. Mai 1934: Die Nationalsozialisten stellten am „Tag der Deutschen Arbeit“ einen Maibaum auf dem Marienplatz gegenüber des „geschmückten“ Rathauses in Immenstadt auf. Auch am Maibaum wehte das Hakenkreuz.

Bild: Siegbert Eckel

Immenstadt, 1. Mai 1934: Die Nationalsozialisten stellten am „Tag der Deutschen Arbeit“ einen Maibaum auf dem Marienplatz gegenüber des „geschmückten“ Rathauses in Immenstadt auf. Auch am Maibaum wehte das Hakenkreuz.

Bild: Siegbert Eckel

Bereits 1934 gab es einen Maibaum in Immenstadt. Ein Heimatforscher meint, Maibaumfeste seien unter „bayerischer Gesinnung“ im Allgäu Tradition geworden.
01.05.2021 | Stand: 09:51 Uhr

Der Maibaum gilt als Zeichen bayerischer Kultur und gehört zum Brauchtum um den 1. Mai. Dabei wird gerne darauf hingewiesen, dass der Brauch, einen Maibaum aufzustellen, bis in „graue Vorzeit“ zurückreicht. Das bezweifelt jedoch Heimatforscher Siegbert Eckel aus Immenstadt: „Der Maibaum ist in unserer Gegend wohl erst unter dem Einfluss bayerischer Gesinnung zu dem geworden, was er heute ist.“ Und das hat Eckel zum Thema Maibaum sonst noch in den Archiven gefunden:

  • Ehrenmaien: Diese Tradition ist laut Eckel schon sehr früh bekannt. Bereits der Mystiker Heinrich Seuse erinnerte im Jahr 1334 an den Brauch der jungen Burschen in Schwaben, in der Nacht zum 1. Mai in den Wald zu gehen, grünende Bäumchen zu fällen und sie dann mit Blumen geschmückt vor die Häuser ihrer Mädchen zu stellen. Der Baum wird auch heute noch „Mädchenbaum“ oder „Moiele“ genannt und ist vorzugsweise eine Birke.
  • Verbote: Der Brauch der Ehrenmaien nahm aber derart überhand, dass die Obrigkeit Verbote erließ, weil die Baumfällungen die Forstwirtschaft schädigte, schreibt Eckel. In der Grafschaft Rothenfels und in der Herrschaft Staufen wurde im Maiengebot von 1778 das Maienschlagen verboten und mit einer Strafe von einem Gulden belegt. Und heute? Vereinzelt würden solche Maien in Deutschland, speziell aber in Niederösterreich noch gesetzt. Eckel: „Der Liebes- beziehungsweise Ehrenmaien bleibt in der Regel einen Monat lang stehen.“
  • Figurenmaibaum: Maibäume mit Figuren sind wohl seit dem 18. Jahrhundert bekannt. „Die Maybäum, ehe sie gesetzt und aufgestellt werden, tut man zuvor schelen. Man ziehet ihnen die rauhe Haut und Rinden ab damit sie schön glatt und weiß seynd. Sie müssen auch schön grad und hoch seyn, oben her werden sie mit einem grünen Büschlein gleichsam mit einer Cron gezieret“, hat Eckel in einer Beschreibung aus der Zeit gefunden. Von Maibaumkränzen, Figuren und Zeichen gibt es damals aber noch keine Spur.
  • Immenstadt: Die Anfänge des Maibaums sind in der Region wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu suchen, schreibt Eckel. So bildete das Aufrichten des Maibaums den Höhepunkt der traditionellen Immenstädter Maikirchweih. Auf dem Maibaum war ein Brett befestigt, das mutige Kletterer erreichen mussten, um ein Halstuch, ein Fähnlein oder eine Wurst zu erbeuten. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann der Maibaumbrauch unter dem Einfluss des Heimatschutzgedankens an Bedeutung. Ältere Immenstädter erinnerten sich noch an die Gaudi auf dem Marktplatz. Dies scheint dann in Vergessenheit geraten zu sein. Anlässlich des 625-jährigen Stadtjubiläums errichteten die Freiwillige Feuerwehr und der Trachtenverein „D’Älpler“ am 1. Mai 1985 nach langjähriger Pause wieder einen Maibaum.
  • Nationalsozialismus: Der Nationalsozialismus übernahm den als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ im Jahr 1890 eingeführten Maifeiertag und verschmolz ihn mit dem Maibrauchtum zum „Tag der Deutschen Arbeit“, weiß Eckel. Für einen Zusammenhang mit den Baumkulten der Kelten und Germanen gebe es aber keinen stichhaltigen Beleg. Im Dritten Reich habe der Erlass von 1934 eine Maibaum-Inflation hervorgebracht. Hitler selbst „weihte“ im Lustgarten der Reichshauptstadt Berlin 1934 angeblich den größten Maibaum der Welt. Dieser Akt wurde vom Reichssender in ganz Deutschland übertragen. In der Immenstädter Tageszeitung wurde ein strammes militärisches Programm für diesen Tag bekannt gemacht: Demnach war der blaue Arbeitsfront-Anzug und dunkle Straßenanzug Vorschrift. Dazu war ein Hakenkreuzbinde am linken Oberarm zu tragen. Natürlich stand auf dem Marktplatz in Immenstadt auch ein Figurenmaibaum mit Stadtwappen und Reichsadler. Es soll sich dabei um den ersten Maibaum dort gehandelt haben.