Sonthofen

Streik beendet: IG Metall und Voith einigen sich auf Sozialtarifvertrag für Sonthofen

Voith in Sonthofen - Streik beendet: Am Dienstagabend stimmten die Voith-Beschäftigen in Sonthofen über das Ende ihres Streiks und den Sozialtarifvertrag ab.

Voith in Sonthofen - Streik beendet: Am Dienstagabend stimmten die Voith-Beschäftigen in Sonthofen über das Ende ihres Streiks und den Sozialtarifvertrag ab.

Bild: Benjamin Liss

Voith in Sonthofen - Streik beendet: Am Dienstagabend stimmten die Voith-Beschäftigen in Sonthofen über das Ende ihres Streiks und den Sozialtarifvertrag ab.

Bild: Benjamin Liss

Der Streik bei Voith in Sonthofen ist beendet. IG Metall und Voith haben sich nach langen Verhandlungen auf Eckpunkte für einen Sozialtarifvertrag geeinigt.
26.05.2020 | Stand: 20:51 Uhr

Demnach erhalten die Beschäftigten zusätzliche Abfindungsleistungen. Alle Auszubildenden können ihre Ausbildung am Standort Sonthofen bis zum erfolgreichen Abschluss fortführen. Insgesamt 167 Beschäftigte bekommen in einem neuen, tarifgebundenen Büro Allgäu für drei Jahre eine Beschäftigungssicherung. Das Werk wird aber trotzdem geschlossen. Allen Mitarbeitern, die kein Beschäftigungsangebot für das Büro Allgäu erhalten, bietet Voith Turbo an, an einen anderen Voith Standort zu wechseln. Alternativ will Voith bei der Vermittlung an andere Unternehmen in der Region untestützen.

Streik am Voith-Werk Sonthofen mit über 87 Prozent Zustimmung beendet

Am Dienstag haben sich die Gewerkschaftsmitglieder bei einer Urabstimmung mit 87,1 Prozent Zustimmung für den Sozialtarifvertrag und ein Ende des Streiks ausgesprochen. Am Mittwoch arbeiten sie wieder.

Die Sonthofer Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde sagt, der errungene, gute Sozialtarifvertrag gewährleiste, dass niemand in existenzielle Nöte gerät. Aber: „Uns schmerzt ungemein, dass wir unser Werk und unsere Arbeitsplätze nicht retten konnten.“

„Die Beschäftigten haben sich diesen Sozialtarifvertrag hart erkämpft und erstreikt. Sie erhalten nun angemessene Abfindungen für den Verlust ihrer Arbeitsplätze“, betont Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern und Verhandlungsführer. Streikleiter Carlos Gil von der IG Metall Allgäu zeigt sich tief beeindruckt, wie die Voith-Mannschaft bis zuletzt zusammengehalten habe. „Ich ziehe meinen Hut." Gil dankt allen, die sich an dem Arbeitskampf beteiligt und ihn unterstützt haben.

„Wir freuen uns darüber, dass wir gemeinsam gute Lösungen für unsere Kolleginnen und Kollegen in Sonthofen gefunden haben", sagt Dr. Mathias Mörtl, COO von Voith Turbo. "Wir werden uns nun darauf konzentrieren, die anstehenden Veränderungen verantwortungsvoll umzusetzen.“

Voith Sonthofen: Das regelt der Sozialtarifvertrag

Konkret regelt der Sozialtarifvertrag zusätzlich zum bereits vom Gesamtbetriebsrat mit Voith ausgehandelten Sozialplan eine drei Monate längere Transfergesellschaft (bis zu 18 Monate) mit Qualifizierungsmaßnahmen unter Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes. Verlassen Beschäftigte die Transfergesellschaft vorzeitig, fließt das so eingesparte Geld in einen weiteren Fortbildungsfonds. Außerdem wird ein Härtefonds eingerichtet, aus dem IG Metall-Mitglieder zusätzliche Abfindungen erhalten, insbesondere ältere Beschäftigte, Eltern, Alleinerziehende und Lebenspartner, die beide bei Voith arbeiten.

Sollten die Beschäftigten im neuen Büro Allgäu trotz der Beschäftigungssicherung innerhalb von drei Jahren betriebsbedingt gekündigt werden, gilt für sie auch der Sozialtarifvertrag. Dieser legt zudem fest, dass gegen Beschäftigte aufgrund ihrer Beteiligung am Streik keine arbeitsrechtlichen Maßnahmen ergriffen werden.