Kulturgemeinschaft Oberallgäu

Theater in Sonthofen: Lilo Wanders im „Käfig voller Narren“

Travestiestar Lilo Wanders tritt in Sonthofen in der frechen Kömödie "Ein Käfig voller Narren" von Jean Poiret auf.

Travestiestar Lilo Wanders tritt in Sonthofen in der frechen Kömödie "Ein Käfig voller Narren" von Jean Poiret auf.

Bild: Michael Reh

Travestiestar Lilo Wanders tritt in Sonthofen in der frechen Kömödie "Ein Käfig voller Narren" von Jean Poiret auf.

Bild: Michael Reh

Lilo Wanders tritt in Sonthofen auf. Der Travestiestar spielt in der frechen Komödie von Jean Poiret mit. Was die Produktion aus Braunschweig bietet.
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Von Veronika Krull
03.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Die Hauptrolle spielt Ernst-Johann Reinhardt, besser bekannt als „Lilo Wanders“. Der Travestiestar mimt in der Komödie „Ein Käfig voller Narren“ die Drag-Queen „Zaza“, die große Liebe von Nachtclubbesitzer Georges. Dessen Sohn Laurent, bei den beiden Männern aufgewachsen, hat sich verlobt und möchte nun, dass sich die Familien kennen lernen. Georges und Albin gaukeln nun ein heterosexuelles Elternpaar vor, das auf die sehr konservativen Eltern der Verlobten trifft. Man ahnt es schon: Turbulenzen sind da unvermeidlich. Die Kulturgemeinschaft Oberallgäu zeigt das Stück am kommenden Dienstag in einer Inszenierung der Komödie am Altstadtmarkt, Braunschweig. Die Aufführung findet nicht, wie ursprünglich geplant im Immenstädter Hofgarten, sondern im Sonthofer Haus Oberallgäu statt. Regie führte Florian Battermann, mit Co-Regisseur Andreas Werth sprach Veronika Krull.

Das Stück von Poiret ist mehrfach umgesetzt worden – als Film, als Musical. Wie schafft man da eine eigene Inszenierung?

Andreas Werth: Insgesamt sind wir neun Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne, die insgesamt zehn Rollen spielen. Die Geschichte des Theaterstücks unterscheidet sich nicht vom Film, es beschränkt sich nur, wie meist üblich, wenn ein Film zum Theaterstück wird, auf einen Raum, in dem Fall auf das Wohn- und Esszimmer des schwulen Paares Albin und George. Dieser Raum ist Dreh- und Angelpunkt aller turbulenten Handlungen.

Ist es heute einfacher, eine Drag-Queen auf der Bühne zu zeigen als vor knapp 50 Jahren, als Poiret das Stück schrieb?

Werth: Ich würde nicht sagen, „einfacher“, es ist heute viel mehr in unserem Leben verankert, dass Travestie eine wunderbare Form der Unterhaltung ist. Nehmen wir beispielsweise das Pulverfass in Hamburg, wo man früher bis zum Eingang fast mit der Hand vor dem Gesicht ging. Heute gehört es zum guten Ton, selbst auf Kreuzfahrtschiffen, dass man sich eine Show einer Drag-Queen ansieht. Auch die Thematik des queeren Lebens erfährt heute mehr Akzeptanz. Allerdings differiert das bei vielen immer noch zwischen der Bühne und dem wahren Leben, leider.

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Wie groß ist die Gefahr, dass man bei diesem Thema auf Klischees ausrutscht?

Werth: Was ist ein Klischee? Für mich ist ein Klischee die Abbildung von Personen und Geschehnissen, mit denen man etwas assoziiert. Eine gewisse Dosierung, denke ich, schadet nicht. Ich habe auch Co-Regie bei dem Stück geführt, und natürlich gerät man beim Proben auch an Attitüden oder Bewegungen, die der eine oder andere als Klischee abtun würde. Jemand anderes sieht genau in dieser Handlung beispielsweise zwei Männer, die sich innig lieben.

Gibt es auch eine ernsthafte Aussage hinter der Komödie?

Werth: Ich knüpfe direkt an meine Antwort von eben an: Ich bin kein Freund davon, dass jede Geschichte eine Moral haben sollte. Dennoch kann sich jeder Zuschauer etwas mitnehmen. Wie sieht es aus, zum Beispiel gleichgeschlechtlichen Beziehungen mit offeneren und freundlicheren Augen zu begegnen? Oder wie ist mit zwei Menschen, die beide Eltern haben, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Liebe dennoch zueinander stärker ist. Jede Person auf der Bühne hat ihre Ängste, und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das ist auch enorm wichtig, denn sind wir ehrlich, nur wenn die Rollen in Nöte geraten, wird es turbulent, und erst das bringt uns herzhaft zum Lachen.

Sie spielen selbst in dem Stück mit. In welcher Rolle?

Werth: Ich selbst spiele zwei Rollen. Einerseits Mercedes, die ich wohlwollend und liebevoll, auch wenn es politisch unkorrekt scheint, als abgehalfterte Trümmertunte bezeichne, eine Drag-Queen, die, falls sie überhaupt welche hatte, die besten Jahre längst hinter sich hat. Sie neidet der Protagonistin Zaza, gespielt von Lilo Wanders alles, bringt selbst nichts wirklich auf die Beine, außer Kinder zu zeugen. Mehr verrate ich aber nicht über das innerste Seelenleben der „Dame“ Mercedes. Die zweite Rolle ist ein Klatschreporter, der immer auf der Suche nach dem nächsten Skandal ist, und dem der Travestie-Club irgendwie suspekt vorkommt. Deshalb hält er sich in diesen Kreisen auch häufig auf.

Theaterabend: „Ein Käfig voller Narren“ wird am Dienstag, 5. Oktober, um 20 Uhr im Sonthofer Haus Oberallgäu aufgeführt. Karten gibt es beim Allgäuer Anzeigeblatt in Immenstadt und bei der Tourist-Info Sonthofen. Reservierungen per E-Mail über karten100@web.de

Verlegung nach Sonthofen

Kurzfristig musste die Aufführung der Komödie „Ein Käfig voller Narren“ von Jean Poiret am Dienstag, 5. Oktober, um 20 Uhr vom Immenstädter Hofgarten in das Sonthofer Haus Oberallgäu verlegt werden. Das teilt Hartmut Happel mit, der Geschäftsführer der Kulturgemeinschaft Oberallgäu, die diesen Theaterabend veranstaltet.

Wegen eines Lüftungsproblems sei die Hofgarten-Stadthalle in Immenstadt vorübergehend gesperrt worden.

Die Kulturgemeinschaft werde am Theaterabend einen kostenlosen Bus einsetzen, der die Besucher von Immenstadt nach Sonthofen bringt. Abfahrt am Hofgarten ist um

19.45 Uhr, Rückfahrt nach Veranstaltungsende.

Der Travestiestar Lilo Wanders.

Die Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig.

Was die Kulturgemeinschaft Oberallgäu alles bietet.

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