Handwerk

Tradition im Handwerk: 27-Jähriger Polsterer geht auf die Walz

Vincent, der Polsterer, war einige Wochen in Rettenberg bei der Wörz-Raumwerkstatt tätig.

Vincent, der Polsterer, war einige Wochen in Rettenberg bei der Wörz-Raumwerkstatt tätig.

Bild: Sabine Meier

Vincent, der Polsterer, war einige Wochen in Rettenberg bei der Wörz-Raumwerkstatt tätig.

Bild: Sabine Meier

Drei Jahre und einen Tag ist Vincent auf Wanderschaft. Für einige Wochen verstärkte er die „Wörz Raumwerkstatt“ in Rettenberg. Wohin ihn die Reise jetzt führt.
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Von Sabine Meier
29.07.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Als „Fremder Polsterer des Freien Begegnungsschachtes“ war Vincent schon in Stuttgart. Aber die Schwabenmetropole war nicht sein Ausgangspunkt: Der 27-Jährige war im November 2019 aus Grefrath bei Mönchengladbach zur Wanderschaft aufgebrochen und ist jetzt bei seinem achten Ziel in Rettenberg angekommen. Dort hat er bei der Firma „Wörz Raumwerkstatt“ Arbeit und Unterkunft bekommen.

„Ich kann mich noch genau erinnern, als mir beim Trampen Anfang 2020 von Corona erzählt wurde. Da ich keine modernen Medien mit mir führen darf, dachte ich zuerst, die Leute sprechen von einem Bier“, schmunzelt Vincent. „Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie habe er „immer einen Schlafplatz und Arbeit gefunden“.

Ein Polsterer auf Wanderschaft: der 27-Jährige Vincent ist momentan in Rettenberg

Im Frühjahr 2020 hat es Vincent an den Bodensee geführt, wo er eigentlich nur drei Wochen arbeiten wollte. Daraus sind dann pandemiebedingt drei Monate geworden. „Es ist mir nie in den Sinn gekommen, meine Wanderschaft wegen Corona abzubrechen.“ Aber die Mund-Nasen-Bedeckungen begleiten ihn seither auf seinem Weg.

Für den ausgebildeten Polsterer ist die Walz eine Herzensangelegenheit. „Mich hat die Trippelei-Romantik gereizt und so habe ich mir fünf Jahre nach meinem Gesellenabschluss einen Altgesellen gesucht und bin mit ihm losgezogen.“ Die Altgesellen begleiten die walzenden die ersten Monate. Wenn sie der Überzeugung sind, dass ihr Schützling weit genug ist, alleine weiter zu ziehen, trennen sich ihre Wege. Für viele Menschen ist es heutzutage fast unvorstellbar, aber die Wandergesellen sind immer noch – ganz traditionell – ohne moderne Medien in der ganzen Welt unterwegs. „Work and Travel“, also Arbeiten und Reisen, nennt Vincent sein Abenteuer, das ihn sogar nach Helgoland führte. Die Trippelnden dürfen für ihre Beförderung kein Geld ausgeben.

Junger Handwerker auf der Walz: drei Jahre und ein Tag ohne moderne Medien

Der Name „Fremder Polsterer des Freien Begegnungsschachtes“ klingt zwar merkwürdig, ist aber bei den Wandergesellinnen und -gesellen fester Bestandteil ihrer Walz. „Während der drei Jahre und einem Tag, die wir unterwegs sind, geben wir unseren bürgerlichen Nachnamen nicht preis. Das gehört zu unserer Tradition,“ erklärt Vincent.

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Nicht jeder kann einfach so auf Wanderschaft gehen. Die Regeln unterscheiden sich von Gesellenvereinigung zu Gesellenvereinigung, die auch Schächte genannt werden. Grundsätzlich gilt jedoch: Die Gesellen müssen ledig, kinderlos und schuldenfrei sein. Eine weitere Voraussetzung für die Walz ist eine abgeschlossene Lehre im Handwerk. Nachdem Vincent in die „Wörz Raumwerkstatt“ gefunden und dort etliche Wochen mitgearbeitet hat, macht er sich nun auf den Weg nach Wien.

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