Immenstadt

Und immer wieder die Brücke

Unterzollbrücke

Unterzollbrücke

Bild: Eckel/Gronstay

Unterzollbrücke

Bild: Eckel/Gronstay

Historie Seit Jahren beschäftigt der Abriss und Neubau der Überwege die Menschen im südlichen Oberallgäu. Das war bei den Flussübergängen schon früher so. Ein Beispiel aus Immenstadt
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Von Siegbert Eckel
28.11.2019 | Stand: 17:18 Uhr

Erst der Bau der Illerbrücke zwischen Burgberg und Blaichach, dann der Zubringer zur B 19 bei Immenstadt-Stein. Und nächstes Jahr soll die Unterzollbrücke wenige Meter weiter abgebrochen werden. Abriss und Neubau von Brücken beschäftigte aber auch früher die Fachleute und Bürger. So wurde besagte Unterzollbrücke nicht nur einmal abgebrochen – zuletzt übrigens genau vor 50 Jahren. Ein Blick ins Immenstädter Stadtarchiv:

Wann die erste Zollbrücke am nördlichen Stadtrand von Immenstadt entstanden ist, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Vermutlich wurde sie als Flussübergang an der alten Wegekreuzung Tirol/Bodensee und Richtung Kempten-Augsburg erbaut, weil an der Stelle die Iller eng in ihr Bett gezwängt war. So musste nur eine kurze Strecke überbrückt werden. Manche behaupten sogar, dass der Steiner Flussübergang schon zur Römerzeit bestanden hatte, bislang fehlt dafür jedoch jeglicher Beweis. Die beiden Burgen Laubenbergerstein und Rauhlaubenberg wurden zur Sicherung des Übergangs errichtet.   Jahrhundertelang war die Brücke die einzige Querungsmöglichkeit der Iller. Bis 1480/90 Hugo Graf zu Montfort die Zollbrücke bei Rieden errichten ließ und damit den Verkehr und den anfallenden Zoll auf das Gebiet seiner Grafschaft Rothenfels lenkte. Damit wurde den Rittern von Laubenberg gehörig das Geschäft vermasselt. Die Folge: 1517 verkaufte Hans von Laubenberg seinem Verwandten Hans Caspar von Laubenberg „seine freieigene Prugg so unter Laubenbergerstein yber die yller gott mitsammt dem gewohnlichen zoll . . .“

In der Folgezeit taucht der seither „Untere Zollbrugg“ genannte Flussübergang immer wieder als Streitobjekt in Urkunden und Protokollen auf. In einem alten Urbar von 1639 wird berichtet, „dise bruckhen ist von der schwedischen Armee abgebrochen und verbrannt, hernachen anno 1636 von dem Bischoffen in Dillingen wieder erbaut worden“. Der Bischof setzte damals einen Zöllner ein, der den „Bauschilling von 350 Florentiner“ eintreiben sollte.

In den Jahrhunderten danach wurde die Brücke ständig saniert oder neu gebaut. 1815 erfolgte erneut ein totaler Neubau, der rund 2000 Florentiner kostete. Um auf die Bedeutung dieses Flussüberganges hinzuweisen, wurde 1826 vermerkt, dass über sie jährlich 8000 Fässer Salz in Richtung Füssen und Pfronten transportiert wurden.

1878 wurde der Flussübergang erneut umfassend saniert. Und 1892 waren an der Brücke scheinbar schon wieder Reparaturen fällig, denn im November wurde das angefallene Abfallholz in Rauhenzell versteigert. Beim Hochwasser am 14. Juni 1910 wurde der Flussüberweg schließlich fast völlig weggerissen und musste danach neu errichtet werden. Am 30. April 1945 sprengten deutsche Wehrmachtsverbände auf dem Rückzug vor herannahenden französischen Truppen die Holzbrücke. Nur ein Notsteg ermöglichte längere Zeit den Übergang für Fußgänger. Steiner Landwirte klagten, dass sie zur Bearbeitung ihrer Felder auf der Illerostseite den langen Umweg über Sonthofen nehmen mussten. Eine Wiederherstellung der Unteren Zollbrücke gelang erst 1946.

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Bauarbeiten

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Als das Hochwasser am 2. Juli 1954 vormittags die Flutspitze erreichte, wurde sogar der Brückenoberbau überspült. Nur durch den Einsatz einer Zugmaschine mit Seilwinde und 15 Mann konnte das angeschwemmte Treibzeug unter großer Gefahr der Einsatzkräfte beseitigt werden. Die Folgen dieser Flut machten wieder eine umfassende Reparatur der Brücke erforderlich.

Doch 1969 kam dann das endgültige Aus für den hölzernen Überweg an dieser Stelle. Sie wurde überflüssig, nachdem 200 Meter flussaufwärts eine neue Betonbrücke errichtet worden war – die heutige Unterzollbrücke, die nächstes Jahre abgerissen werden soll. Im November 1969 brachen Bürger aus Untermaiselstein die alte Holzbrücke ab.