Corona-Lockerungen an Pfingsten in Bayern

"Konzept- und planlos!" - Wie Allgäuer Hoteliers über Söders Wiedereröffnungspläne denken

Touristiker hoffen darauf, dass Erholungssuchende bald wieder im Oberallgäu ihren Urlaub verbringen können.

Touristiker hoffen darauf, dass Erholungssuchende bald wieder im Oberallgäu ihren Urlaub verbringen können.

Bild: Ralf Lienert

Touristiker hoffen darauf, dass Erholungssuchende bald wieder im Oberallgäu ihren Urlaub verbringen können.

Bild: Ralf Lienert

Urlaub im Allgäu soll in diesem Monat wieder möglich sein. Doch manche Hotel-Besitzer tappen noch im Dunkeln, wie die Wiedereröffnung genau aussehen wird.
07.05.2021 | Stand: 17:58 Uhr

Über eine Öffnungsperspektive für den Tourismus sollte bei der Liberalen Ideenwerkstatt der FDP ursprünglich diskutiert werden (Hier geht's zum Video der Veranstaltung). Doch nach der überraschenden Entscheidung von Ministerpräsident Markus Söder, ab Pfingsten das Beherbergungsverbot unter einem Inzidenzwert von 100 aufzuheben, ging es bei der digitalen Gesprächsrunde um den Neustart. Bei der Diskussion mit Hoteliers, Vermietern, Bürgermeistern und Tourismusvertretern wurde schnell klar: Es sind noch viele Fragen offen und die Kritik an der Staatsregierung nach wie vor groß. (Lesen Sie auch: Allgäuer Touristiker verunsichert)

Schon am 19. Mai öffnen die Betriebe im Kleinwalsertal für Gäste. Der Walser Bürgermeister Andi Haid reagierte bei der Video-Konferenz sichtlich erleichtert, dass jetzt auch die Nachbarn aus Bayern wieder aufsperren dürfen. „Schön, dass es jetzt doch noch einen gewissen Gleichklang gibt“, sagte Haid. „Sonst hätten wir Probleme gehabt.“ Viele Oberallgäuer Gastgeber befürchteten eine Abwanderung von Fachkräften (Lesen Sie dazu: Darf ich jetzt einen Ausflug ins Kleinwalsertal oder Tannheimer Tal machen?) .

"Corona-Inzidenz sollte nicht der einzige Maßstab sein"

Doch um ihren Mitarbeitern eine Perspektive bieten zu können, brauchen die Unternehmer selbst Planungssicherheit, forderte Michael Fäßler, Inhaber des Sonnenalp Resorts in Ofterschwang: „Wir wissen überhaupt noch nicht, unter welchen Bedingungen wir öffnen können.“ Da aber ein großes Hotel mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit brauche, haben die Vorbereitungen dennoch begonnen. „Wir gehen volles Risiko – mit großer Freude“, sagte Fäßler. „Alles ist besser, als geschlossen zu bleiben.“ Dennoch bräuchten Hotels eine langfristige Perspektive. „Die Inzidenz sollte nicht der einzige Maßstab sein“, sagte Fäßler. Dafür trat auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae ein: „Es ist ein zu grober Wert, wir müssen regionale Unterschiede berücksichtigen.“

Müssen Vermieter die Gäste testen?

„Soll ich eine Familie mit Kindern wieder nach Hause schicken, wenn der Wert überschritten wird“, kritisierte Angelika Soyer aus Rettenberg, Vorsitzende von „Urlaub auf dem Bauernhof“. Und die Vermieterin Karin Hagenauer aus Immenstadt stellte infrage, wie Gastgeber kontrollieren sollen, dass ihre Gäste sich testen. „Was passiert mit den Gästen, wenn sie positiv getestet werden?“, hakte Oliver Schwarz nach, der in Oberstdorf eine Ferienwohnung hat. „Gibt es dann auch ein Quarantäne-Hotel wie auf Mallorca?“

„Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, sagte Armin Hollweck, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands zu der Öffnungsperspektive. „Aber man kann ein Hotel auch nicht an- und ausknipsen.“ So müssten jetzt Waren für Wochen im Voraus eingekauft werden. Deutliche Kritik übte der Hotelier Jürnjakob Reisigl. „Wir machen jetzt genauso konzept- und planlos wieder auf, wie wir zumachen mussten.“

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Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King begrüßte die Öffnung an Pfingsten, kritisierte aber, dass die Initiativen der Tourismusorte in München und Berlin nicht beachtet worden seien. „Aber wir freuen uns, dass jetzt ganz Bayern öffnen kann und nicht nur ein oder zwei Modellregionen.“ Dazu wäre das Oberallgäu auf Basis des WM-Hygienekonzepts in der Lage gewesen, so King.

Den Vergleich zu den Nachbarländern zog Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. So habe die Schweiz Übernachtungen erlaubt, Bergbahnen geöffnet und Tourismusorte die Wintersaison mit einem Minus von 15 Prozent abgeschlossen. „Unser Ergebnis liegt 100 Prozent unter dem Vorjahr.“ King ergänzte, dass trotz geöffneter Betriebe die Inzidenz in der Schweiz zurückgegangen sei.

Gäste sagen Fernreisen ab, um ins Allgäu zu kommen

Hotelier Fäßler zeigte sich optimistisch, dass trotz aller Ungewissheit der Neustart in der Region gelingen werde. „Wir wissen aus den Erfahrungen vom letzten Sommer, dass unsere Hygienekonzepte funktionieren.“ Die Resonanz bei den Buchungen sei sehr gut, erzählte Fäßler. „Wir haben Gäste, die Urlaube auf Mallorca oder den Malediven abgesagt haben, weil sie wieder zu uns kommen können.“

Die Meinung des Autors zum Thema lesen Sie im Kommentar zum Tourismus-Neustart: Zu viele offene Fragen und kein Plan

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