ÖPNV-Angebot in Oberallgäuer Tourismushochburg

Urlauber fahren in Oberstdorf kostenlos Bus - Einheimische müssen zahlen

Auch die Linie 1 zwischen Oberstdorf und der Walserschanz wurde jetzt in das Bus-Inklusive-Paket integriert. So können die Oberstdorfer Übernachtungsgäste ab Juli auch kostenlos mit dem Bus zur Söllereckbahn fahren.

Auch die Linie 1 zwischen Oberstdorf und der Walserschanz wurde jetzt in das Bus-Inklusive-Paket integriert. So können die Oberstdorfer Übernachtungsgäste ab Juli auch kostenlos mit dem Bus zur Söllereckbahn fahren.

Bild: Benjamin Liss

Auch die Linie 1 zwischen Oberstdorf und der Walserschanz wurde jetzt in das Bus-Inklusive-Paket integriert. So können die Oberstdorfer Übernachtungsgäste ab Juli auch kostenlos mit dem Bus zur Söllereckbahn fahren.

Bild: Benjamin Liss

Das Inklusive-Angebot für Übernachtungsgäste gilt auch für die Linie zur Söllereckbahn. Auch für die Einheimischen gibt es ein Angebot, das aber etwas kostet.
21.05.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Ab 1. Juli können Übernachtungsgäste in Oberstdorf kostenlos mit dem Bus fahren. Der Gemeinderat gab jetzt mit einer Gegenstimme den Startschuss für das ÖPNV-Inklusive-Angebot, um das in der Tourismushochburg unter dem Nebelhorn, seit über 20 Jahren gerungen wird. Vermieter und Hoteliers fordern schon lange, Urlaubern eine kostenlose Alternative zum Auto anzubieten, um den Verkehr im Ort und den Tälern zu entlasten. Das Angebot gilt für das ganze Gemeindegebiet. Damit wurde die Forderung aus dem Tourismusausschuss erfüllt, auch die Linie zu Söllereckbahn und Walserschanz anzubieten. Mittelfristig ist das Ziel ein grenzüberschreitendes Bus-Inklusive-Angebot für Oberstdorf und das Kleinwalsertal. Die Verhandlungen mit der Gemeinde Mittelberg laufen bereits.

  • Linien Das mit dem Regionalverkehr Allgäu GmbH (RVA) und dem Busunternehmen Brutscher aus Oberstdorf ausgehandelte Inklusive-Paket umfasst jetzt die Linien 1 (Walserschanz), 7 (Fellhorn-Birgsau), 44 (Breitachklamm-Tiefenbach) und 45 (Rubi-Reichenbach-Schöllang). Hinzu kommt ein Abendbus in die Ortsteile Rubi, Reichenbach, Schöllang und Tiefenbach und der Ortsbus (Linie 9), der schon jetzt kostenlos für Übernachtungsgäste ist. „Wir hoffen, dass die Gäste das Angebot sehr gut nutzen und das Auto stehen lassen“, sagte Bürgermeister Klaus King.
  • Kosten Für das laufende Jahr kostet das Angebot die Gemeinde 540.000 Euro. Die Summe soll über den Etat der Kurbetriebe mit einem Nachtragshaushalt finanziert werden, erklärte Tourismusdirektor Frank Jost. Steigen die Fahrgastzahlen über den Wert aus dem Tourismus-Rekordjahr 2019, könnten sie auf 610.000 Euro steigen. Ab dem Jahr 2023 muss die Gemeinde jährlich etwa eine Million Euro für das Bus-Angebot kalkulieren. Auch dieser Betrag kann wegen der tatsächlichen Fahrgastzahlen variieren, ist aber bei 1,2 Millionen Euro gedeckelt. Finanziert werden sollen die jährlichen Kosten über den Kurbeitrag, der Mitte Dezember voraussichtlich um 60 Cent pro Übernachtung erhöht werden soll, sagte Jost.

Bürgerkarte für Einheimische kostet 218 Euro

  • Einheimische „Können auch Einheimische profitieren?“, fragte Maximilian Hornik (UOL). Das Angebot gelte nicht für Oberstdorfer, erläuterte der Kurdirektor. Einwohner mit Hauptwohnsitz haben jedoch die Möglichkeit, eine Bürgerkarte zu erwerben. Diese kostet für Erwachsene 218 Euro, umfasst aber neben dem Bus auch alle Bergbahnen (im Sommer), Freibäder und Museen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal sowie die Breitachklamm. „Das sind 60 Cent pro Tag“, rechnete Jost vor. „Und die Einheimischen können mit dem Bus bis nach Baad fahren.“
  • Lob „Eine Erfolgsgeschichte könnte heute starten“, sagte die stellvertretende Tourismusdirektorin Petra Genster. Das Angebot sei ein echter Wettbewerbsvorteil für den Tourismus. Auch im Gemeinderat gab es viel Lob. „Es ist erfreulich, dass es nach 22 Jahren geklappt hat“, sagte Adalbert Schall (CSU). Michael Finger (Grüne/ÖDP) sprach von einem „tollen Angebot.“ Anton Weiler hob die Bedeutung des Pakets hervor: „Es ist sehr wichtig, die Gäste warten darauf.“

Gibt es Probleme mit den Nachbargemeinden?

  • Kritik „Es hat nur Hand und Fuß, wenn das Kleinwalsertal inkludiert ist“, sagte Peter Titzler (FW), der gegen das Angebot stimmte. Er äußerte die Sorge, dass es mit den Nachbargemeinden Probleme gibt, und schlug vor, den Bus erst ab 2023 für die Gäste kostenlos anzubieten und vorher offene Fragen zu klären.
  • Parken Martin Rees (OA) regte an, das kostenlose Parken für Gäste in den Tälern abzuschaffen, um den Verkehr weiter zu reduzieren. Das sei angedacht, erklärte Bürgermeister Klaus King. Die endgültige Entscheidung darüber müsse aber der Gemeinderat treffen.

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