Familienhilfe

Gefühlschaos bei Kindern: Erziehungsberater gibt Tipps

Symbolfoto - Junge - sexueller Missbrauch - Häusliche Gewalt

Bei einschneidenden Erlebnissen sind Kinder oft überfordert und reagieren mit Wut und Trotz. Für Eltern ist das nicht immer einfach

Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Bei einschneidenden Erlebnissen sind Kinder oft überfordert und reagieren mit Wut und Trotz. Für Eltern ist das nicht immer einfach

Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Kinder reagieren oft mit Traurigkeit, Wut oder Trotz auf einen Wandel im Leben. Ein Erziehungsberater gibt Tipps, wie Eltern handeln können.
25.09.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Der neue Klassenlehrer, die angesagte Klamottenmarke, das aktuelle Video des Youtube-Stars – die Welt war schon immer von vielen Veränderungen geprägt. Die Corona-Pandemie brachte weitere starke Veränderungen. „Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen, sich ständig ändernde Verhaltensregeln – die Corona-Pandemie hat unsere schnelllebige Welt gefühlt noch rasanter gemacht“, sagt Michael Leicht von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Sonthofen.

Wie die KJF in einer Pressemitteilung feststellt, seien die teils einschneidenden Veränderungen für Kinder und Jugendliche besonders schwierig. „Denn sich auf Veränderungen einzustellen und diese gut zu meistern, erfordert eine Menge Energie“, stellt der Erziehungsberater fest. Das hätten in Pandemie-Zeiten auch Erwachsene gespürt.

Bei Überforderung Hilfe holen

Zu erleben, dass die eigenen Eltern zeitweise überfordert sind, könne Kinder verunsichern. Darum ist es laut Leicht so wichtig, dass Eltern gut für sich sorgen und Unterstützung suchen, wenn sie sich überfordert fühlen oder die Reaktionen ihrer Kinder nur schwer aushalten können. „Dann kann es helfen, sich zu überlegen, welche andere Bezugsperson mit ins Boot geholt werden kann“, rät Leicht. Er gibt sieben Tipps, wie Eltern ihre Kinder derzeit gut begleiten:

  • Aufmerksam sein: Jedes Kind reagiert anders. Darum ist es wichtig, dass Eltern mit offenen Augen und Ohren für ihren Nachwuchs da sind und wahrnehmen, wie das Kind auf Veränderungen reagiert.
  • Übergänge gestalten: Veränderungen sind oft mit Abschieden verbunden. Es hilft, diese Übergänge bewusst zu gestalten und ein Ende oder einen Neubeginn feierlich zu begehen – etwa wenn ein Klassenwechsel ansteht oder ein Freund oder eine Freundin wegzieht.
  • Gefühle dürfen sein: Veränderungen können traurig machen. Es hilft, mit den Kindern zu besprechen, woher die Traurigkeit kommt und dass diese sein darf. Auch Wut oder Trotz können ganz natürliche Reaktionen auf Überforderung sein.
  • Alle Lebensbereiche im Blick haben: Wenn Kinder gefordert sind, sich an neue Situationen anzupassen, fehlt ihnen die kognitive Ressource, um sonstige Lernaufgaben zu bewältigen. Somit können schulische Schwierigkeiten oder Entwicklungsrückschritte darauf hinweisen, dass das Kind oder der Jugendliche in einem anderen Lebensbereich aktuell schlecht zurechtkommt.
  • Beziehungszeit tanken: Vor allem kleine Kinder brauchen in unruhigen Zeiten besonders ihre Eltern und vertraute Bezugspersonen als Fels in der Brandung, an den sie sich im wörtlichen Sinne klammern können. Gerade dieses Anklammern deuten Eltern in Stresssituationen aber nicht immer richtig, weil sie selbst viel um die Ohren haben.
  • Rituale in der Familie schaffen: Gerade in Zeiten, die unstet sind, können Rituale und feste Strukturen innerhalb der Familie die Kinder und Jugendlichen stärken.
  • Selbstwirksamkeit stärken: In einer Situation fremdbestimmt zu sein, ist für Menschen jeden Alters krankmachend. Während der Pandemie entwickelten manche Jugendliche ein problematisches Essverhalten, weil dieser Lebensbereich einer war, den sie selbst noch unter Kontrolle hatten. Wenn sich viel verändert, ist es deshalb wichtig, dass Kinder und Jugendliche selbst etwas steuern dürfen. Eltern sollten sie im Familienalltag mitgestalten lassen, sagt Leicht.

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