Immenstadt

Viele kämpfen für den Bahnhof – bisher umsonst

Bahnhof Immenstadt

Bahnhof Immenstadt

Bild: Ulrich Weigel

Bahnhof Immenstadt

Bild: Ulrich Weigel

Wer schlecht zu Fuß ist, denkt mit Grausen an den zweiten Bahnsteig. Wer bei schlechtem Wetter auf den Zug wartet, steht im Regen. Und wer mit dem Fahrrad kommt, weiß nicht, wo er seinen Drahtesel abstellen soll. Der Immenstädter Bahnhof ist für viele ein großes Ärgernis. Zwar ist das eigentliche Bahnhofsgebäude gut in Schuss und bietet, was von ihm erwartet wird. Doch rund um die Gleisanlagen liegt es im Argen. Dabei fehlt es nicht an Kämpfern für die gute Sache: Stadträte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete und sogar der Bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart machen sich dafür stark. Aber das beeindruckt die Deutsche Bahn nicht.

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Von Franz Summerer
11.11.2019 | Stand: 18:56 Uhr

Im Gegenteil: Im Frühsommer wurde das Vordach am Bahnsteig abgebaut und soll – nach Auskunft der Bahn – erst nächstes Jahr erneuert werden. Damit stehen die Reisenden den ganzen Winter über in Schnee und Matsch. Seit Mai weist zudem ein Schild daraufhin, dass die Fahrradständer nicht mehr benutzt werden dürfen. Jetzt stellen die Radler ihr Fahrrad im Wartebereich des Busbahnhofs unter. Dort, wo eigentlich der Platz für die Busfahrgäste reserviert ist.

Der Oberallgäuer Sozialverband VdK prangerte wiederholt die fehlende Barrierefreiheit in Immenstadt an. Denn die beiden Bahnsteige verbindet nur eine Unterführung mit steilen Treppen – für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen schier unüberwindlich. „Wir kämpfen schon seit Jahren vergeblich dafür, die Bahnhöfe im Oberallgäu behindertengerecht auszubauen“, schimpft Peter Götz vom VdK Sonthofen.

„Die Chancen stehen gut, dass sich nun etwas bewegt“, war CSU-Stadtrat Eberhard Fetzer zuversichtlich, nachdem sich im Mai Verkehrsminister Reichart und CSU-Landtagsabgeordneter Eric Beißwenger vor Ort ein Bild vom Immenstädter Bahnhof machten. Doch ein halbes Jahr später fällt sein Urteil anders aus: „Da bewegt sich nichts. Das ist brutal schwierig mit der Bahn“, heißt es vom dritten Bürgermeister. Auf seine Nachfragen beim Verkehrsminister gab es keine positive Rückmeldung aus München. Jetzt schlägt Fetzer eine gemeinsame Protestdemonstration aller Parteien, des VdK und der Bürger vor.

Bereits mehrfach haben die Grünen versucht, die Bahn „anzuschieben“. Ob Landtagsabgeordneter Thomas Gehring, Bezirksrätin Barbara Holzmann oder der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel – wie bei den anderen Politikern war ihr Engagement bisher erfolglos.

Mittlerweile befasst sich sogar die Bundesregierung in Berlin mit dem Immenstädter Bahnhof. Nach einem Besuch vor Ort wurden die Bundestagsabgeordneten der FDP aktiv. Der Oberallgäuer Abgeordnete Stephan Thomae und sein Kollege Dr. Christian Jung, Verkehrsexperte der Freien Demokraten in Berlin, haben im Bundestag eine „Kleine Anfrage“ zu Immenstadt gestartet – als Negativ-Beispiel für die Barrierefreiheit von bayerischen Bahnhöfen. Darin heißt es: „Der Bahnhof in Immenstadt im Allgäu bietet hier nur eines von vielen negativen Beispielen, aber gerade als zentraler Knotenpunkt in einer stark touristisch geprägten Region wie dem Allgäu sticht der Zustand hervor.“

In ihrer Anfrage will die FDP-Bundestagsfraktion wissen, ob nicht der Bund Geld für Verbesserungen in Immenstadt locker machen kann: „Welche Maßnahmen müssen nach Kenntnis der Bundesregierung umgesetzt werden, damit der Bahnhof Immenstadt als barrierefrei gelten kann?“, heißt es in der Anfrage.

In Immenstadt ist man jetzt gespannt, wer als erster einen Erfolg vermelden kann.