Abenteuer auf dem Pferderücken

Zwei Freundinnen aus dem Oberallgäu reiten vom Bodensee zum Titisee

Laura Zinsmeister und Jessica Häp haben mit ihren Pferden Annie und Sam über 200 Kilometer zurückgelegt und sind vom Bodensee bis zum Titisee geritten.

Laura Zinsmeister und Jessica Häp haben mit ihren Pferden Annie und Sam über 200 Kilometer zurückgelegt und sind vom Bodensee bis zum Titisee geritten.

Bild: Häp

Laura Zinsmeister und Jessica Häp haben mit ihren Pferden Annie und Sam über 200 Kilometer zurückgelegt und sind vom Bodensee bis zum Titisee geritten.

Bild: Häp

Jessica Häp aus Immenstadt und Laura Zinsmeister aus Kempten sind bis in den Schwarzwald geritten. Im Interview erzählen sie, was sie unterwegs erlebt haben.
16.08.2022 | Stand: 20:20 Uhr

Viele Reiterinnen träumen davon, einmal mit dem Pferd auf Tour zu gehen. Für die Immenstädterin Jessica Häp (42) und die Kemptnerin Laura Zinsmeister (28) ist der Traum wahr geworden. Mit ihren Pferden Annie (8) und Sam (11) ging es für die Allgäuerinnen vom Bodensee an den Titisee. Mit zwei kleinen Satteltaschen ritten die Freundinnen in den Schwarzwald und absolvierten in sieben Tagen fast 200 Kilometer. Im Interview erzählen die passionierten Reiterinnen, wie sie auf die Idee für die Tour kamen und welche Überraschungen sie erlebten.

Wie ist die Idee entstanden, bis in den Schwarzwald zu reiten?

Laura Zinsmeister: Am Anfang war es ein „ Was wäre wenn…“ Wir waren letztes Jahr auf einigen Zwei oder Drei-Tages-Wanderritten unterwegs. Uns störte aber, dass der Radius begrenzt war. So äußerte Jessie eines Tages beim Zurückreiten den Wunsch, einmal mit dem Hänger irgendwohin zu fahren und dann immer weiter zu reiten. Ich war sofort begeistert von der Idee. Das Ziel – der Titisee – war schnell gefunden und dann ging es dieses Jahr im März los mit Strecken suchen, Übernachtungsmöglichkeiten anfragen und buchen.

Welche Strecke haben Sie gewählt?

Jessica Häp: Wir haben täglich etwa 25 bis 35 Kilometer zurückgelegt. Start war in Friedrichshafen über das Deggenhauser Tal nach Ludwigshafen entlang am Bodensee über das Hegauer Land in den Schwarzwald bis zum Titisee.

Wie haben sie Übernachtungsmöglichkeiten für sich und die Pferde gefunden?

Jessica Häp: Es gibt einige Wanderreitvereine, die Stationen angeben, sodass wir mit einem Streckenplaner abschätzen konnten, welche Übernachtungsmöglichkeiten erreichbar waren. Von einfachem Paddock und Übernachtung im Dachgiebel bis zur komfortablen Koppel mit Offenstall für die Pferde und Gasthaus für uns.

Welche besonderen Erlebnisse bleiben von der Tour in Erinnerung?

Laura Zinsmeister: Von wunderschönen idyllischen Waldpfaden bis hin zur stark befahrenen Straße mit Lastwagen, die sehr dicht an uns vorbeirasten war alles dabei. Besonders schön war der alte Postweg mit beeindruckendem Blick ins Hegauer Land sowohl der Aufstieg zum Hochfirst mit Blick auf den Titisee. Die unterschiedlichen Übernachtungsmöglichkeiten ließen uns sehr nette Menschen kennenlernen, die wir bestimmt auf den einen oder anderem Weg erneut treffen werden. Auch spannend war die Übernachtung auf dem Hof, auf dem unser Pferd Sam geboren wurde. Während des Rittes fanden wir heraus, dass die Pferde den gleichen Großvater hatten - vielleicht haben sie sich deshalb so gut verstanden. Es war einfach eine geniale Zeit.

Lief alles wie geplant ab oder geschah auch Unerwartetes?

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Laura Zinsmeister: Eigentlich gab es jeden Tag Unerwartetes – dank der etwas unzuverlässigen Streckenplaner-App wurden wir jeden Tag aufs Neue überrascht: Beispielsweise wenn sich ein Wanderpfad als asphaltierte Straße entpuppte oder welche Straße in Wirklichkeit eine unbegehbare Schlucht war. Einmal rieten uns zwei Wanderer von einem Weg ab und empfahlen einen anderen – vermutlich hatten wir die Abzweigung verpasst und irrten eineinhalb Stunden auf abschüssigsten kleinen Pfaden im Wald umher auf der Suche nach dem Weg zum Bodensee runter. Wir mussten uns an schrägen Pfaden, mit steilem Abgrund an Bäumen vorbeiquetschen. Ein falscher Tritt der Pferde und wir wären wohl abgerutscht. Als wir endlich den See durch die Bäume schimmern sahen, waren wir sehr erleichtert. In anderen Situationen halfen uns die Menschen aber auch sehr mit ihren Tipps.

Gab es auf der Tour auch unvorhergesehene Probleme?

Jessica Häp: Eigentlich dachten wir, dass wir überall an den Dorfbrunnen Wasser für die Pferde vorfinden würden – durch die anhaltende Hitze waren diese allerdings abgestellt und so mussten wir bei Höfen oder Häusern klingeln und um Wasser bitten. Dann haben wir noch erlebt, wovon jedem Reiter graust: Ein Eisen war locker. Aber auch hier hatten wir Glück. Wir riefen morgens bei der nächsten Übernachtungsmöglichkeit an und dort war man so nett, den Schmied für abends einzubestellen, sodass wir am nächsten Tag ohne Probleme in den Schwarzwald weiterreiten konnten.

Welche Tour steht als nächstes an?

Jessica Häp: Da Annie trächtig ist, wird es nächstes Jahr wohl das Fohlen geben und keine längere Tour, aber der nächste längere Wanderritt kommt bestimmt.

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