Kunst aus dem Oberallgäu

Vom Gefühl dahinter: Ein Besuch der "Südlichen" im Oberstdorfer Kunsthaus

Kunst aus der „Südlichen“: „Wasser – Geschenk des Lebens“ von Heike Hüttenkofer, zu sehen im Oberstdprfer Kunsthaus Villa Jauss.

Kunst aus der „Südlichen“: „Wasser – Geschenk des Lebens“ von Heike Hüttenkofer, zu sehen im Oberstdprfer Kunsthaus Villa Jauss.

Bild: Klaus Schmidt

Kunst aus der „Südlichen“: „Wasser – Geschenk des Lebens“ von Heike Hüttenkofer, zu sehen im Oberstdprfer Kunsthaus Villa Jauss.

Bild: Klaus Schmidt

Ein kleiner Rundgang durch „Die Südliche“ in Oberstdorf führt zu Kunstwerken, die nicht nur auf Können setzen, sondern auch unsere Zeit kritisch spiegeln.
03.11.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Es ist zweifellos erschütternd, scheint aber unausweichlich. „Das wahre Ende von Donald Duck“ veranschaulicht Günther Zitzmann, ein „Experte“ von der gleichnamigen Oberallgäuer Künstlergruppe, mit seiner Skulptur: Ein riesiges skorpionähnliches Monster in schrillen Warnfarben will sich die Comic-Figur gerade einverleiben.

"Die Idylle gibt es nicht mehr"

So skurril seine Skulpturen erscheinen mögen, so ernsthaft wirken die Bilder aus Gips, die der Künstler in der „Südlichen“ zeigt: „Die Idylle gibt es nicht mehr“ kontrastiert eine Szene à la Spitzweg, bei der ein Mann um eine Frau wirbt, mit einem Totenschädel, der sich aus einer Ansammlung von Kinderköpfen und Gliedmaßen erhebt. Die Welt ist ein Schlachtfeld, ein Friedhof geworden.

"Rhythmen des Miteinander"

Solch sozialkritische Ansätze zeigen einige der Beiträge bei dieser Jahresausstellung der bildenden Künstler des Oberallgäus und des Kleinwalsertals, wie ein kleiner Rundgang durch das Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss verdeutlicht. Ildikò Titkò aus Weitnau beispielsweise zeigt unter dem Titel „Rhythmen des Miteinander“, dass sich die drei Frauen, die auf einem Acrylbild nebeneinandersitzen, eigentlich nichts zu sagen haben: Eine blickt auf ihr Handy, die anderen stieren gelangweilt in die Ferne.

"Smartphone-Wahn"

Den „Smartphone-Wahn“, dem immer mehr Menschen erliegen, illustriert Magnus Auffinger aus Gunzesried anhand von vier kleinen roten Polyesterfiguren, die ohne ihren kleinen Computer kaum noch auskommen.

Von solchen Luxusgütern können die drei Einwanderer vorerst nur träumen, die Nic Albrecht aus Bad Hindelang auf seinem Bild „Ankunft“ vor die Silhouetten von Wolkenkratzern platziert. Mit großen Augen und großer Unsicherheit blicken die Neuankömmlinge ihrer Zukunft in einer fremden Welt entgegen.

Die Kostbarkeit Wasser

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In eine für viele Europäer fremde, ferne Welt führen die Ölgemälde von Heike Hüttenkofer: nach Afrika und nach Asien. Die promovierte Ärztin, die in der Welt herumgekommen ist, hinterfragt westliche Wertvorstellungen, in dem sie beispielsweise die Kostbarkeit eines Schlucks Wasser für eine Afrikanerin emotional eindringlich spürbar werden lässt.

In psychoanalytische Bereiche dringt Anna Dorothea Klug-Faßlrinner aus Haldenwang etwa mit ihrer Skulptur „Das Gefühl dahinter“ vor: Ein kleiner Mann stützt sich auf die Knie eines hockenden Tieres, das sich riesenhaft hinter ihm erhebt.

Im Ewig-Gestrigen scheint immer noch „Kurt W.“ gefangen zu sein, den Jan Peter Tripp auf einem Acryl-Portrait „im Jahr 1990 im Kriegsrock von 1940“ darstellt.

Auf den Kopf gestellt

Die Entwicklung eines Baumes hat Sibylle Seiler-Senft aus Oberstaufen in ihrem Mixed-Media-Blatt „Auf und ab“ gleichsam auf den Kopf gestellt: Oben ist der abgesägte Baumstumpf zu sehen. Darunter liegen die abgeschnittenen Äste und ganz unten liegt die geköpfte Baumkrone.

In ein rätselhaftes Licht taucht Bertram Schilling in seinen kleinen Collagen kathedralartige Kirchen. Es scheint, als mangele es den Gotteshäusern an eigenem, reichen Innenleben.

Mit flottem Schwung

Neben solch eher kritischer Weltschau rücken andere Arbeiten das künstlerische Können in den Mittelpunkt: etwa eine brillante kleine Skizze von Hans Friedrich aus Waltenhofen, in der bunte Farbtupfer durch dichtes Grün blitzen, oder eine spielerisch abstrakte Komposition des aus Immenstadt stammenden Malers Jan Kolata oder ein „Beleuchtungsdetail“ aus einem Kronleuchter, das Stefan Winkler aus Argenbühl mit flottem Schwung in Acryl auf Papier gebannt hat.

Zerfließende Masken

Auch beeindruckende Skulpturen finden sich in dieser „Südlichen“ wie etwa das filigrane Gittergeflecht „Verwoben“ aus Eisen von Matthias Buchenberg aus Vorderburg oder zerfließende Masken aus Keramik von Gundela Enzensberger aus Sonthofen oder eine „Lebensfrucht“ mit spannungsvollen behauenen und polierten Flächen aus Cristallina-Marmor von Elke Wieland aus Immenstadt.

So gibt es viel zu entdecken in dieser „Südlichen“.

Öffnungszeiten: bis 17. November, mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags-, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Die Ausstellung ist nochmals zu sehen vom 16. Dezember bis zum 9. Januar, donnerstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.

Diskussions- und Fragestunde: Die Aussteller der „Südlichen“, der Jahresausstellung der bildenden Künstler aus der Region, stellen sich den Fragen der Besucher. Die Möglichkeit zu Diskussion, Aussprache oder Kritik bietet sich am Mittwoch, 3. November, um 19 Uhr im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss.

Die Kunstausstellung "Die Südliche".

Das Kunsthaus Villa Jauss in Oberstdorf.

Der Träger der Ausstellung: die Kulturgemeinschaft Oberallgäu.

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