Oberallgäuer Künstler

Von der "brotlosen Kunst": Der launige Auftakt der Oberstdorfer "Südlichen"

Die Südliche Tripp 1

In der „Südlichen 2021“ zeigt Jan Peter Tripp das Portrait „Kurt W. im Jahr 1990 im Kriegsrock von 1940“.

Bild: Klaus Schmidt

In der „Südlichen 2021“ zeigt Jan Peter Tripp das Portrait „Kurt W. im Jahr 1990 im Kriegsrock von 1940“.

Bild: Klaus Schmidt

Der Maler Jan Peter Tripp erinnert bei der „Südlichen“ in Oberstdorf an die „brotlose“ Kunst, kommerzielle „Rohrkrepierer“ und Preise, die ihn verwundern.
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Von Klaus Schmidt
26.10.2021 | Stand: 11:00 Uhr

„Was fällt einem zur Kunst ein?“, fragt Jan Peter Tripp – und liefert die Antwort gleich hinterher: „Brotlos!“ Nur fünf Prozent der Kunstschaffenden können auch von ihrer Kunst leben. Der Maler, der vergangenes Jahr bei der „Südlichen“ mit dem Johann-Georg-Grimm-Preis bedacht wurde, der höchsten Auszeichnung, die bei dieser Jahresausstellung der bildenden Künstler des Oberallgäus und des Kleinwalsertales vergeben wird, nimmt diesen Preis erst heuer entgegen. Vergangenes Jahr war er, der 1945 in Oberstdorf geboren wurde und heute im Elsass lebt, verhindert. Der diesjährige Preisträger Kim Nekarda machte es ihm nach. Er fehlte ebenfalls bei der Bekanntgabe in der Oberstdorfer Villa Jauss.

Von den Künstlern selbst organisiert

„Vielleicht machen wir das jetzt immer so, dass wir die Preise erst im nächsten Jahr überreichen“, sagte schmunzelnd Alfons Zeller, Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Oberallgäu. Der Verein trägt die Ausstellung, die alljährlich von den Künstlern selbst organisiert wird. An ihrer Spitze der Immenstädter Maler Gunther le Maire, der einst zusammen mit den mittlerweile verstorbenen Künstlern Arnulf Heimhofer, Manfred Maussner und Franz Meier das Konzept der „Südlichen“ entwickelt und diese 19. Ausstellung ihrer Art mit den neuen Kurator, dem Immenstädter Bildhauer Wolfgang Keßler, und einem Team aus weiteren Künstlern organisiert hat. Für diese langjährige ehrenamtliche Arbeit wurde Gunther le Maire vom diesjährigen Hausherrn, Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King, nicht nur mit warmen Worten, sondern auch mit einem „wärmenden“ Geschenk bedacht. Denn diese „Südliche“ findet im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss statt. Dort präsentiert sie Arbeiten von 36 Kunstschaffenden, darunter auch wieder Jan Peter Tripp.

"Sie haben überhaupt kein Talent"

Der fügt bei der Eröffnung der Laudatio von Alfons Zeller noch einige amüsante Details hinzu. Wurde er vom Vorredner als einer der wichtigsten Vertreter des Realismus vorgestellt, so ergänzt der Meister selbst, wie sehr sein Können von Anfang an „geschätzt“ wurde: Als er mit seinem „Mäppchen“ voller Arbeitsproben bei den Kunstakademien vorsprach – zunächst in München und Stuttgart –, hörte er das übereinstimmende Urteil: „Sie haben überhaupt kein Talent.“ In Karlsruhe machte man ihm sogar einen Gegenvorschlag. Der Professor dort meinte: „Ich sehe, sie kommen aus Oberstdorf: Da können sie doch als Skilehrer oder Bademeister arbeiten.“ Einige Zeit, nachdem er Meisterschüler bei Rudolf Hausner in Wien, dem bedeutenden Vertreter des Phantastischen Realismus, war und einige Erfolge zu verbuchen hatte, habe man ihn gefragt, ob er nicht in Karlsruhe eine Professur annehmen wolle, erzählt Tripp schmunzelnd. Er berichtet von Gemälden, die sich als kommerzielle „Rohrkrepierer“ erwiesen, weil sie „Irre“ zeigten, und einem Preis, den er nicht ganz nachvollziehen konnte, so wie jetzt jenen, den er bei der „Südlichen“ erhalten habe: „Ich danke ihnen trotzdem.“

Idee und Konzept

Auch Gunther le Maire dankt. Er dankt dem wichtigsten Sponsor der „Südlichen“, Eberl Medien, die durch Verlagsleiter Peter Fuchs am Eröffnungsabend vertreten sind. Und Gunther le Maire dankt der Sparkasse Allgäu, die jeweils den ersten Ankauf tätigt. Le Maire erklärt Idee und Konzept der „Südlichen“, die die Oberallgäuer Kunstausstellung abgelöst habe. Man wollte dabei die Interessen von Künstlern, Kunstpublikum und Kommunen berücksichtigen. So trage sich die „Südliche“ durch Verkaufsprovisionen selbst, bei eventuellen Defiziten springe die Kulturgemeinschaft Oberallgäu ein. Die Oberallgäuer Kunstausstellung habe die Kommunen bis zu 50 000 Mark gekostet. Sie sei an ihrer mangelnden Qualität gestorben. Jetzt beobachte eine Jury die Kunstszene in der Region und lade gezielt Kunstschaffende ein. Dabei gebe es einen belebenden Wechsel der Aussteller.

"Die Südliche".

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