Corona im Oberallgäu

Warum die Gewerkschaft Verdi Impfprämien für eine gute Idee hält

impfen montage

Sozusagen als „Trostpflaster“ für den Piks in den Oberarm gibt es zum Beispiel bei Edeka Nord für alle Mitarbeiter einen Einkaufsgutschein von 50 Euro. Doch Unternehmen im Oberallgäu halten nichts von derlei Prämien. Laut Gewerkschaft Verdi spricht jedoch nichts gegen Belohnungen dieser Art.

Bild: Fotomontage: Kammerl Almacellas

Sozusagen als „Trostpflaster“ für den Piks in den Oberarm gibt es zum Beispiel bei Edeka Nord für alle Mitarbeiter einen Einkaufsgutschein von 50 Euro. Doch Unternehmen im Oberallgäu halten nichts von derlei Prämien. Laut Gewerkschaft Verdi spricht jedoch nichts gegen Belohnungen dieser Art.

Bild: Fotomontage: Kammerl Almacellas

Um die Herdenimmunität zu erreichen, müssen sich möglichst viele immunisieren lassen. Doch Oberallgäuer Unternehmen lehnen Anreize ab, um die Impfbereitschaft zu steigern
31.05.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Im Moment übersteigt die Impfbereitschaft das Impfangebot noch bei weitem. Das könnte sich aber im Herbst ändern, warnen Experten. Dann sei das Erreichen der sogenannten Herdenimmunität in Gefahr. Unter anderem deshalb, weil das Risiko einer möglichen Infektion nicht mehr so stark wahrgenommen werde, wenn die Inzidenz weiter absinke. Um die Bereitschaft seiner Mitarbeiter zu erhöhen, will Edeka Nord alle Beschäftigen, die sich impfen lassen, mit einem Einkaufsgutschein von 50 Euro belohnen. Unsere Redaktion hat bei Unternehmen im Oberallgäu nachgefragt, ob auch sie bereit wären, mit einer Prämie die Impfbereitschaft ihrer Mitarbeiter zu steigern.

„An den Bosch-Standorten Immenstadt und Blaichach wird es ein Impfangebot auf freiwilliger Basis geben“, betont Pressesprecherin Christina Claasen. Impfanreize dagegen nicht. Räumlichkeiten auf dem Werkgelände seien bereits ausgewählt und ausgerüstet worden.

„Wir denken, dass die Entscheidung für oder gegen die Impfung persönlich und individuell von jeder Person selbst getroffen werden sollte“, teilt Sandra Gessner mit. Sie ist Pressereferentin bei der Sparkasse Allgäu. „Wir empfehlen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich impfen zu lassen.“ Eine Impfprämie sei nicht geplant.

Für Ärzte, Pflegekräfte und Angestellte werde es keine Prämien geben, lässt Christian Wucherer vom Klinikverbund Allgäu wissen. „Wir lehnen eine Impfprämie kategorisch ab.“ Um sich immunisieren zu lassen, werden die Mitarbeiter dadurch motiviert, „dass sie sich selbst, ihre anvertrauten Patienten und ihre Familie schützen“. Aber auch eine Entscheidung gegen das Impfen werde akzeptiert.

Eine Diskussion zum Thema Impfprämie gab und werde es auch nicht geben, versichert Martin Glöckner von V-Markt, der unter anderem auch Niederlassungen in Kempten und Immenstadt hat. Aus Sicht eines Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmens wäre es besonders wichtig gewesen, „dass unsere Kolleginnen und Kollegen eine höhere Impfpriorisierung bekommen hätten. Unsere Mitarbeitenden sind aufgrund ihrer Tätigkeit besonders gefährdet. Viele warten trotz Registrierung in den Impfzentren oder beim Hausarzt auf den Termin für eine Erstimpfung“, sagt Glöckner.

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Der Wunsch nach einer schnellen Impfung gegen das Coronavirus seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei groß, teilt Vera Weidemann mit. Sie ist Personalleiterin bei Dachser in Kempten. „Wir führen die hohe Impfbereitschaft darauf zurück, dass wir zum Thema Corona bereits mit dem Beginn der Pandemie regelmäßig informiert und sensibilisiert haben. Denn die Impfbereitschaft steigt unserer Ansicht nach mit dem Wissen über das Virus.“ Dadurch stelle sich die Frage zusätzlicher Anreize gar nicht. „Über unsere Betriebsärzte werden wir Impfungen auf dem Betriebsgelände anbieten, sobald Impfstoff verfügbar ist.“

„Eine Impfprämie lehnen wir ab. Es handelt sich um eine freiwillige Impfung. Jeder soll sich bei uns in seiner Entscheidung gänzlich frei fühlen“, berichtet Stefan Nitschke vom AÜW in Kempten. „Wir bieten über den Betriebsarzt allen in unserem Unternehmen ein freiwilliges Impfangebot an. Wir werden weder kontrollieren, wer geimpft ist, noch Nachweise einfordern.“

Umsätze sind explodiert

Corona-Schutzimpfungen seien wichtig und sinnvoll, eine Impfpflicht lehne man aber ab, sagt Werner Röll, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Verdi in Kempten. Ob eine Prämie Impfskeptiker überzeugen könne, „würde ich bezweifeln“. Gegen Impfprämien gebe es aber generell keine Bedenken. Solange Impfstoff knapp sei, müsse auch im Betrieb die Immunisierung von Risikogruppen Vorrang haben. Gerade im Lebensmittelbereich, aber auch bei Bau- und Gartenmärkten würden die Umsätze in Corona-Zeiten explodieren. „Daher erscheint eine Prämie von 50 Euro ziemlich knausrig“, sagt Röll. Alles, was Impfungen fördere und nicht gegen die guten Sitten verstoße, sei in Ordnung und wichtig mit Blick auf den gesellschaftlichen Gesundheitsschutz.