Ostern

Warum Protestanten der Karfreitag wichtig ist und den Katholiken die Osternacht

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Für die katholischen Christen ist die Osternacht der Höhepunkt im Kirchenjahr. In der evangelischen Kirche ist der Karfreitag das höchste Fest.

Bild: Ralf Lienert

Für die katholischen Christen ist die Osternacht der Höhepunkt im Kirchenjahr. In der evangelischen Kirche ist der Karfreitag das höchste Fest.

Bild: Ralf Lienert

Bei den katholischen Christen ist die Osternacht, bei den evangelischen der Karfreitag das höchste Fest im Kirchenjahr. Zwei Pfarrer über die Unterschiede.
02.04.2021 | Stand: 16:51 Uhr

Ostern ist für Christen – evangelische wie katholische – das wichtigste und höchste Fest im Kirchenjahr. Die Auferstehung Jesu und sein Sieg über den Tod sind die Kernaussagen ihres Glaubens. Diese erklären der katholische Pfarrer Maurus Mayer aus Oberstdorf und sein evangelischer Kollege Frank Wagner aus Oberstaufen.

„Die Osternacht ist der wichtigste Gottesdienst für katholische Christen überhaupt, aber nicht alleinstehend, sondern weil sie der Höhepunkt der Feier vom Gründonnerstag bis Ostern ist“, sagt Pfarrer Mayer. Eigentlich seien die Gottesdienste – von Gründonnerstag bis zur Osternacht – für katholische Christen ein einziger Gottesdienst. „Wir gehen sozusagen mit Jesus Christus vom Abendmahl bis Ostern“, erläutert der Oberstdorfer Pfarrer.

"Katholische Christen vergegenwärtigen das Geschehen von damals"

Die beiden Konfessionen hätten viele Gemeinsamkeiten, vor allem das zentrale Bekenntnis zum leidenden, gekreuzigten und auferstandenen Christus, aber die liturgische Entfaltung in diesen Tagen sei doch unterschiedlich. „Wir katholische Christen vergegenwärtigen in den Gottesdiensten das Geschehen von damals.“ Zum Beispiel würden Kommunionkinder die Prozession zur Kreuzverehrung mitmachen, die Firmlinge den Kreuzweg als Stationenweg gehen und Besucher der Osternacht das Licht der Osterkerze weitergeben.

Der Unterschied bestehe weiterhin in Riten und liturgischen Symbolen. Bei der evangelischen Kirche finde die „Gegenwärtigsetzung“ fast ausschließlich im Wort selbst statt, und auf Symbole werde eher verzichtet. Und zwar aus religionsgeschichtlichen Gründen. Doch die Betrachtung in beiden Konfessionen habe etwas für sich. „Ich schätze zum Beispiel die für die evangelischen Karfreitagsgottesdienste geschriebenen Passionen von Heinrich Schütz und Bach und anderen außerordentlich“, lässt Pfarrer Mayer wissen. Hier entfalte sich ein großer Reichtum, „der ohne die Konzentration aufs Wort nicht entstanden wäre und so auch die ganze Christenheit bereichert“.

Karwoche ist die wichtigste Woche des Kirchenjahres

Die Karwoche vor Ostern gelte auch in der evangelischen Kirche als wichtigste Woche des Kirchenjahres, sagt der evangelische Pfarrer Frank Wagner. In der Zeit ab Palmsonntag werde auch hier in den Gottesdiensten an das Leiden und Sterben Jesu sowie an die Auferstehung Christi von den Toten erinnert. „Für mich persönlich ist die Karwoche die Woche, in der sich das Leben Gottes in Jesus ganz mit dem Leben von uns Menschen verbindet“, sagt Pfarrer Wagner. Ein wichtiger Punkt, der dazu beitrage, den Karfreitag als höchsten Feiertag zu sehen, sei der, „dass man in der evangelischen Kirche an diesem Tag nicht nur an das Leiden von Jesus, sondern auch an das Leiden in der Welt denkt und daran, dass Gott selber diesem nicht ausgewichen ist“, erläutert Pfarrer Wagner.

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An Karfreitag sei die Verbindung zu Ostern besonders wichtig, weil die Osterbotschaft deutlich sage, dass das Leid und der Tod nicht das letzte Wort hätten, „sondern das neue Leben, das Gott uns allen in Jesus schenkt.“ Gerade Jesus spiele für Martin Luther eine zentrale Rolle und damit auch das Sterben am Karfreitag und die Auferstehung am Ostersonntag.

Der Karfreitag wirke auch in den Alltag. Er sei ein stiller Feiertag. „Nach alter Tradition essen evangelische Christen am Karfreitag Fisch, die klassische Fastenspeise.“ In Erinnerung an den Karfreitag werde darüber hinaus auch im Rest des Jahres in vielen – auch katholischen Familien – an jedem Freitag Fisch oder auch eine Süßspeise serviert.