Entwicklungshilfe

Wasser für Senegal: „Madame École“ zieht sich nach 26 Jahren zurück

Die beliebteste Frau des Vereins „Wasser für Senegal“. Schulreferentin Heike Messenzehl etablierte in über 26 Jahren mehr als 160 Patenschaften für senegalesische Kinder. Nun zieht sich die Oberstdorferin zurück.

Die beliebteste Frau des Vereins „Wasser für Senegal“. Schulreferentin Heike Messenzehl etablierte in über 26 Jahren mehr als 160 Patenschaften für senegalesische Kinder. Nun zieht sich die Oberstdorferin zurück.

Bild: Ronald Maior

Die beliebteste Frau des Vereins „Wasser für Senegal“. Schulreferentin Heike Messenzehl etablierte in über 26 Jahren mehr als 160 Patenschaften für senegalesische Kinder. Nun zieht sich die Oberstdorferin zurück.

Bild: Ronald Maior

Der Verein „Wasser für Senegal“ blickt auf ein turbulentes 2020. Schul- und Patenreferentin Messenzehl tritt etwas kürzer. Lichtblick sind zwei neue Projekte.
21.01.2021 | Stand: 18:45 Uhr

Herausfordernd, reich an Veränderungen, in jeder Hinsicht außergewöhnlich: 2020 war auch für den Oberstdorfer Verein „Hilfe für Afrika – Wasser für Senegal“ ein turbulentes Jahr. Personelle Veränderungen in der Heimat, neue Projekte im westafrikanischen Staat und eine unübersichtliche Pandemie-Lage haben die Arbeit des 1992 gegründeten Vereins in der Entwicklungshilfe maßgeblich geprägt.

Nach einer Dürrekatastrophe vor zwei Jahren, in der der Verein mit einer großen Hilfsaktion Reis und Lebensmittel an die Dorfbevölkerung verteilt hatte, brachte die Corona-Pandemie 2020 das wirtschaftliche Leben im Senegal zum Erliegen: Nächtliche Ausgangssperren, Schulschließungen, über 23 000 erfasste Infizierte und mehr als 500 Tote sind bisher bekannt. „Covid 19“ hat in der Vereinsarbeit insofern Spuren hinterlassen, als dass Betreuungsreisen in den Senegal nicht möglich waren – zudem hat die jährliche Regenzeit im Sommer in mehreren Regionen durch Hochwasser große Gebiete überschwemmt. Viele Dorfbewohner mussten ihr Dorf verlassen – aktive Hilfe aus Deutschland war aus Gründen der Pandemie kaum möglich.

Erschwerte Entwicklungshilfe in der Pandemie

Entsprechend hatte der Oberstdorfer Projektleiter in Thiès, Abdourahim Sall, vor Ort alle Hände voll zu tun, um Vereinsprojekte zu betreuen und beispielsweise Fahrten auf Dörfer genehmigen zu lassen. Sall organisierte mit einer Krankenschwester auf den Dörfern Sensibilisierungsgespräche zur „Corona-Pandemie“ und gab Schulungen zur Gesundheitsvorsorge.

So wurde im 1100-Einwohner-Dorf Pallene, umgeben von zehn kleinen Dörfern, eine baufällige Krankenstation teils neu aufgebaut. Eine Wasserversorgung, Küche, Behandlungsraum, WC-Anlage, Entbindungsraum und eine Fotovoltaikanlage sind bereits entstanden. Die Station ist nun durchgehend mit einer Krankenschwester belegt, zuvor mussten Kranke auf einem Eselskarren in die nächste Klinik gebracht werden. Bereits im November 2019 hatte der ehemalige Vorsitzende des Vereins, Franz Bickel, in Ndiefoune-Parba ein „Frauen-Agrarprojekt“ mit 1,5 Hektar an die Frauengruppe der Dorfbevölkerung übergeben. Mit dem Erlös des Gartens wird der Eigenbedarf des Dorfs versorgt, die Überschussproduktion wird verkauft, mit dem Gewinn wird die Infrastruktur des Dorfes verbessert.

Messenzehl initiierte 160 Patenschaften

Im schulischen Bereich hat der Oberallgäuer Verein im Dorf Baback nachgelegt. Bestehende alte Schulräume für 200 Schüler wurden durch acht neue Schulklassen mit Verwaltungsgebäude, einen Computerraum und WC-Anlagen für 500 Schüler zu einem Schulzentrum für umliegende Dörfer erweitert. Die Anlage wurde bereits 2019 von der Schulreferentin Heike Messenzehl in Anwesenheit von Fernsehen, Radio, der Schulbehörde und den regionalen politischen Vertretungen in einer großen Feier übergeben.

Dieses Glanzlicht war zugleich auch eine der letzten Amtshandlungen von „Madame École“. Die langjährige Schulreferentin und Betreuerin der Schülerpatenschaften, Heike Messenzehl, tritt künftig kürzer. Die Oberstdorferin, die allem voran die Patenschaften gemeinsam mit Abbé Raphael auf die überwältigende Zahl von über 160 ausgeweitet hat, „hat sich über zwei Jahrzehnte mit Einsatz und Herzblut für alle Belange unseres Vereins eingesetzt“, sagt Bickel. „Heike wird weiter mit dem Herzen unsere Arbeiten im Senegal begleiten.“

Bei ihrer jährlichen Osterreise überreichte „Madame École“, wie die Senegalesen und die Vereinskollegen Messenzehl seit Jahren nennen, regelmäßig eine große Osterkerze und übergab sie an Abbé Raphael für seine Missionsstationen. Coronabedingt musste der Verein bisher auf eine Verabschiedung Heike Messenzehls im Rahmen der Jahreshauptversammlung verzichten. Die Sitzung wurde neuerdings auf den Juli dieses Jahres verschoben.

Für 2021 plant der Verein die Fertigstellung mehrerer Agrarprojekte, die derzeit noch im Bau sind – darunter ein Dorf mit Permakultur, ein geplantes Collège (Mittelschule) mit acht Klassenzimmern, Verwaltungsgebäude, Computerraum und WC-Anlagen auf einer Missionsstation, sowie eine Renovierung einer Mensa in Lalane.