Allgäuer Käse-Herstellung

Der Allgäuer "Stinkkäs" Weißlacker soll wieder in Wertach produziert werden

Schönegger Käsealm

Wertachs Bürgermeisterin Gertrud Knoll überreicht Sepp Krönauer (Schönegger Käsealm) und dessen Ehefrau Claudia ein gerahmtes Foto zur Eröffnung des Käsereiladens. Darauf zu sehen: Ein Auto mit Anton und Josef Kramer, die 1876 den Weißlacker in Wertach erfanden.

Bild: Silvia Reich-Recla

Wertachs Bürgermeisterin Gertrud Knoll überreicht Sepp Krönauer (Schönegger Käsealm) und dessen Ehefrau Claudia ein gerahmtes Foto zur Eröffnung des Käsereiladens. Darauf zu sehen: Ein Auto mit Anton und Josef Kramer, die 1876 den Weißlacker in Wertach erfanden.

Bild: Silvia Reich-Recla

In der alte Sennerei in Wertach soll bald "Weißlacker" hergestellt werden. Wieso der Inhaber der "Schönegger Käsealm" an den "Stinkkäs" aus dem Allgäu glaubt.
14.04.2021 | Stand: 12:17 Uhr

Sepp Krönauer wird die stillgelegte Sennerei in Wertach wiederbeleben. Er geht zurück zu den Wurzeln: die Brüder Kramer hatten dort den „Stinkkäse“ Allgäuer Weißlacker erfunden. Den will der Chef der „Schönegger Käsealm“ dort wiederbeleben und zu alter Qualität führen. Dazu muss Krönauer allerdings erst in die stillgelegte Sennerei investieren, um den Hygieneanforderungen gerecht werden zu können. Im Sommer soll die Produktion starten. Jetzt wurde als erster Schritt der Sennereiladen wiedereröffnet.

Bürgermeisterin Gertrud Knoll setzt auf Sepp Krönauer, denn der ist ein Macher. 1988 gründete der Molkereimeister neben seinem Elternhaus in Schönegg (Pfaffenwinkel, Oberbayern) einen kleinen Käseladen. Krönauer war damals 24 und setzte als einer der Ersten in der Region bewusst auf Heumilch. Heute liefern 500 Bauernfamilien aus dem Allgäu, dem Bregenzerwald, dem Großes Walsertal und Tirol jährlich 50 Millionen Kilogramm Milch. Es gibt 26 Verkaufsläden der „Schönegger Käsealm“, unter anderem in Oberstdorf, Immenstadt und Unterjoch, aber auch in Mittenwald und Ulm. Unternehmenssitz der Schönegger Käsealm GmbH ist in Prem (Oberbayern). Wertach wird der fünfte Produktionsstandort, sagt Krönauer.

Käserei in Wertach: 30 Bewerbungen - Schönegger Käsealm macht das Rennen

Gertrud Knoll malt sich aus, dass der rührige Unternehmer nicht nur die Sennerei wiederbelebt. Bei den sich seit Jahren hinziehenden Planungen zur neuen Ortsmitte mit Veranstaltungssaal soll auch ein Dorfladen integriert werden und eine Probierstube. Vielleicht eine „Käse-Probierstube“? Knoll: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Käsküche in Form eines Ladens in der neuen Ortsmitte auftaucht.“ Am Sennereistandort gegenüber des Rathauses gebe es keine Entwicklungsmöglichkeiten. Übrigens hatten die Wertacher, wie Knoll durchblicken lässt, die Qual der Wahl unter 30 Bewerbungen. Alle wollten die Sennerei wiederbeleben und ihre Produkte im dazugehörigen Käsladen anbieten. Der Gemeinderat traf nichtöffentlich eine Entscheidung zugunsten der Schönegger Käsealm.

Sennerei in Wertach: "Da weiß man, woher der Käse kommt"

„So ein Käseladen ist wichtig für Wertach“, sagt Veronika Waibel, die gleich am Eröffnungstag dort einkauft. „Da weiß man, woher der Käse kommt. Das ist anders als bei einem großen Discounter.“ Sonja Steinlehner aus Wertach schätzt insbesondere, dass der Käse am Stück gekauft werden kann, nicht in Folie verpackt ist und der Joghurt in Gläsern angeboten wird. Beide haben sich auf die Wiedereröffnung gefreut. Solch ein Sennereiladen sei wichtig für den Ort.

Den Weißlacker-Käse genießt man gerne in Allgäuer Kässpatzen. Oder eben zur Brotzeit.
Den Weißlacker-Käse genießt man gerne in Allgäuer Kässpatzen. Oder eben zur Brotzeit.
Bild: Stephan Michalik (Symbolfoto)

Derzeit gibt es unter anderem Allgäuer Milch-Lieferanten aus Oy, Haslach oder Unterjoch. Wenn wieder Käse in Wertach produziert wird, soll deren Milch per Tankwagen dort angeliefert werden. Krönauer hofft, dass bald auch Wertacher Bauern wieder Milch an die Sennerei vor Ort liefern. Für konventionell produzierte Heumilch zahlt die „Schönegger Käsealm“ übrigens „derzeit etwas mehr als 42 Cent plus Mehrwertsteuer pro Kilogramm“, sagt Krönauer. Bio-Bauern würden freilich darauf noch einen Aufschlag bekommen.

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Das Käsen hat Tradition in Wertach. 1876 haben Anton und Josef Kramer dort den Stinkkäse Weißlacker erfunden. Er wurde schnell zur begehrten Spezialität. Damit das auch künftig gut klappt, hat sich Krönauer eine „alte Spezialrezeptur“ besorgt. Die Käsemasse müsse dafür dann in Holzkisten für viele Monate im kühlen Käskeller reifen. „Vor 33 Jahren, als ich mit der Käserei begann, war der Weißlacker ein Spitzenprodukt. Heute ist das nicht mehr so“, sagte Krönauer. Er will das ändern, Know-How in die Weißlackerproduktion stecken. Auch Bergkäse soll in Wertach produziert werden.