Insekten im Oberallgäu

Wenn sich Hornissen und Wespen im Haus ansiedeln

Eine Hornissenkönigin ist etwas größer und dunkler als eine Espenkönigin.

Eine Hornissenkönigin ist etwas größer und dunkler als eine Espenkönigin.

Bild: Uwe Bartha

Eine Hornissenkönigin ist etwas größer und dunkler als eine Espenkönigin.

Bild: Uwe Bartha

Manch einer will das Volk schnell loswerden. Das ist nicht so einfach, sie stehen unter Schutz. Warum es sogar gut sein kann, Hornissen in der Nähe zu haben.
14.05.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Sie sind schon im vergangenen Herbst geschlüpft. Aber erst jetzt werden sie durch die wärmende Sonne im Mai wieder wachgeküsst: Hornissen- und Wespenköniginnen. Alle, die den Winter überlebt haben, sind nun unterwegs, um einen Platz für ihr Nest zu finden und ihr eigenes Volk zu gründen, informiert das Landratsamt. Nicht jede Privatperson ist jedoch einverstanden mit der Wahl der Hornissen- oder Wespenkönigin. Eine Umsiedlung aber muss in jedem Fall vom Fachmann und mit Genehmigung der Behörde erfolgen. (Lesen Sie auch: Mit der Naturschutzwacht Hornissen und Wespen auf der Spur)

Hornissen sind, genauso wie Wildbienen, Hummeln und viele Wespenarten besonders geschützt. Nur zwei Wespenarten, die „Deutsche“ und die „Gemeine“ Wespe empfinden wir als lästig oder sogar als angriffslustig, denn es sind die einzigen Wespen, die große Völker bilden und magisch durch unser Essen und süße Getränke angezogen werden, heißt es weiter in der Meldung des Landratsamts.

"Löcher in der Fassadenverkleidung abdichten"

„Bei schönem Wetter bis Mitte Mai sind die jungen Königinnen unterwegs und spätestens jetzt sollten problematische Stellen wie Rollladenkästen oder Spalten und Löcher in der Fassadenverkleidung abgedichtet sein“, empfiehlt Hans Sontheim, Imker und Wespenberater aus Sulzberg. „Oft bemerken wir die Tiere erst, wenn das Volk im Sommer seine volle Größe erreicht hat, dann ist es zu spät für vorbeugende Maßnahmen.“ Manchmal sei der Nestplatz der Hornissen und Wespen aber auch völlig unproblematisch. Im Gegenteil, er könne uns sogar zugutekommen, denn sie „fangen für uns lästige Insekten wie Fliegen, Bremsen und Stechmücken“, sagt Sontheim. (Lesen Sie auch: Landkreis Oberallgäu sucht Naturschutzwächter).

Umsiedlung mit Genehmigung der Behörde

Falls eine Wespe oder Hornissenkönigin an einem nicht akzeptablen Platz jetzt mehrmals täglich aus und einfliegt, kann bis Ende Mai noch mit wenig Aufwand eine Umsiedlung durch geschultes Personal und mit Genehmigung der Behörde erfolgen. Wenn schon die erste Generation Wespen geschlüpft ist, fliegt die Königin nicht mehr aus und legt nur noch Eier, um ein großes Volk zu erzeugen. Eine Umsiedlung ist dann oft nicht mehr möglich, wenn sich das Nest hinter einer Fassadenverkleidung oder in der Dachverschalung befindet.

Ein großes Hornissenvolk kann an einem Tag bis zu einem halben Kilo Insekten an seine Brut verfüttern und spiele damit eine große Rolle im Ökosystem der Natur. Ein Nachteil ist laut Landratsamt, dass die Verdauungsreste als stinkende Flüssigkeit aus dem Nest tropfen. In vielen Köpfen halte sich zudem hartnäckig das Gerücht, dass drei Hornissenstiche für einen Menschen tödlich sind.

Meist genügt es, die tiere nicht zu ärgern

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„Das ist nicht wahr, denn das Gift ist nicht gefährlicher als das der anderen Wespen oder Bienen“, informiert das Landratsamt. Lediglich bei starker Allergie auf das Gift von Wespen oder Hornissen könne genauso wie bei Bienen schon ein einziger Stich lebensgefährlich sein. Auch bei Stichen in den Hals sei sofortige ärztliche Hilfe nötig. Deshalb sei es wichtig, Getränke in Gläsern, Tassen, Flaschen oder Dosen von Mai bis November zu verschließen oder abzudecken.

Ansonsten genüge es, die Tiere nicht zu ärgern, anzupusten oder nach ihnen zu schlagen und vom Einflugloch oder dem Nest Abstand zu halten. (Lesen Sie auch: Lebensgefahr nach Wespenstichen: So reagieren Sie richtig). Des Weiteren sollten Erschütterungen vermieden werden, denn die Insekten verteidigen ihr Nest, wenn sie sich bedroht fühlen. Auch viele Versuche, den Wespen und Hornissen mit Insektenspray oder Feuer den Garaus zu machen, endeten laut Landratsamt oft „mit vielen schmerzhaften Stichen oder gar Feuerwehreinsätzen“.

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