Klezmertrio aus dem Allgäu

Wie Fremdes bereichert: Spannendes Konzert in Oberstaufen mit "Kleznova"

Das Trio „Kleznova“: (von links) Enes Ludwig (Gitarre), Günter Schwanghart (Klarinette) und Alwin Zwibel (Kontrabass) in der Heilig-Geist-Kirche in Oberstaufen.

Das Trio „Kleznova“: (von links) Enes Ludwig (Gitarre), Günter Schwanghart (Klarinette) und Alwin Zwibel (Kontrabass) in der Heilig-Geist-Kirche in Oberstaufen.

Bild: Markus Noichl

Das Trio „Kleznova“: (von links) Enes Ludwig (Gitarre), Günter Schwanghart (Klarinette) und Alwin Zwibel (Kontrabass) in der Heilig-Geist-Kirche in Oberstaufen.

Bild: Markus Noichl

Das Ottobeurer Ensemble „Kleznova“ lädt in Oberstaufen zu einer faszinierenden musikalischen Reise durch den Kontinent. Alte hebräische Weisen weisen den Weg.
06.11.2021 | Stand: 18:30 Uhr

„Kleznova“ – dieser Name verspricht nicht zuviel. Günter Schwanghart (Klarinette), Enes Ludwig (Gitarre) und Alwin Zwibel (Kontrabass) spielen keinen Mainstream-Klezmer, sondern interpretieren und weiten diese Musikrichtung auf eine ganz eigene, unverwechselbare Art. In der evangelischen Heilig-Geist-Kirche in Oberstaufen genossen die Zuhörer eine spannende musikalische Reise.

Die älteste Weltmusik-Fusion

In seinen fundierten, erfrischenden Moderationen brachte es Günter Schwanghart aus Ottobeuren auf den Punkt: Klezmer ist die wohl älteste und erste Weltmusik-Fusion. Uralte hebräische Melodien wurden nicht nur mit der europäischen Musik des Mittelalters verwoben, sondern erhielten anschließend einen regionalen Stempel. Die Juden waren praktisch in allen Gegenden Europas ansässig, wurden sie doch durch viele Vertreibungen zu immer neuen Umsiedlungen genötigt. So bereicherten viele Einflüsse den Klezmer, ein Nebeneffekt des schweren Schicksals dieser Menschen.

"Schöpfen aus einem ewigen Strom"

Musik aus der Stille – dieser Gedanke ist zentral für Klezmer. „Schöpfen aus einem ewigen Strom“, nennt Schwanghart seine Musik und setzt dies ganz praktisch um. Nachdem die letzten Töne verklungen sind, klappern noch, kaum hörbar, die Klappen der Klarinette. Dann verebbt auch dieses Geräusch, und zunächst traut sich niemand zu klatschen, so intensiv ist die Stille.

Spiritueller Hintergrund

Kli zemer (Gefäß des Liedes) – diese aramäischen Worte stehen hinter Klezmer. Ohne einen spirituellen Hintergrund kann man diese Musik nicht spielen. Schwanghart findet die richtigen Worte vor den Stücken. Informationen über Geschichte und Kultur würzt er mit Persönlichem, das er in der richtigen Dosis preisgibt. Seine zwei Mitstreiter rollen Schwanghart einen roten Klang-Teppich aus, auf dem er nach Herzenslust improvisieren kann. Und zeigen zwischendurch, dass sie es auch können. Vollblut-Jazzer, die im Klezmer eine zweite Heimat gefunden haben.

Die tiefere Dimension

Eine tiefere Dimension bekommt dieses Konzert durch die Ausstellung nebenan im Gemeindesaal über Gabi, das in Auschwitz ermordete Mädchen aus Stiefenhofen.

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Das Konzert ist eine faszinierende Reise durch unseren Kontinent (und darüber hinaus) in all seinen Farben. Fremdes wird dabei nicht als Reiz- und Angstwort verstanden, sondern als Bereicherung. „Damit Tragödien wie die von Gabi nie wieder passieren können.“ So fasst Schwanghart den tieferen Sinn dieses Konzertes zusammen. Wohl wissend, dass Menschen weiterhin nach Sündenböcken suchen werden, sobald die Lage kritisch wird.

Das Ensemble Kleznova um Günter Schwaghart aus Ottobeuren.

Die Ausstellung "Geliebte Gabi" in Oberstaufen.

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