Tourismus

"Wir würden Heimat verlieren, nicht nur Geld": Große Veränderungen bei Hotel in Unterjoch

Ein Foto, entstanden vor der Pandemie: Das Du-Familotel Krone in Unterjoch soll teilweise ein neues Antlitz bekommen, das Gebäude ganz rechts wird abgerissen und neu gebaut. Das Gebäude im Vordergrund bleibt bestehen.

Ein Foto, entstanden vor der Pandemie: Das Du-Familotel Krone in Unterjoch soll teilweise ein neues Antlitz bekommen, das Gebäude ganz rechts wird abgerissen und neu gebaut. Das Gebäude im Vordergrund bleibt bestehen.

Bild: Archivfoto: Silvia Reich-Recla

Ein Foto, entstanden vor der Pandemie: Das Du-Familotel Krone in Unterjoch soll teilweise ein neues Antlitz bekommen, das Gebäude ganz rechts wird abgerissen und neu gebaut. Das Gebäude im Vordergrund bleibt bestehen.

Bild: Archivfoto: Silvia Reich-Recla

Die Besitzerfamilie des „Du-Familotel Krone“ will trotz Corona-Krise vier bis fünf Millionen Euro in Neubauten investieren. Der Baubeginn ist für 2022 geplant.
07.02.2021 | Stand: 20:18 Uhr

Traditionsbetriebe tun sich schwer in der Corona-Krise.“ Das sagt Werner Probst, Seniorchef des Du-Familotels Krone in Unterjoch. Vor mehr als 30 Jahren hatte er die Idee, ein Du-Hotel zu eröffnen. Und so ist es geblieben, auch, wenn sich heute alles um den Aufenthalt von Familien mit Kindern dreht. Der eigene Nachwuchs und deren Ehepartner haben mittlerweile die Geschäftsführung übernommen. Alle arbeiten zusammen, das freut den Senior und seine Frau Angi. Das sei aber auch das schwere Los in der Krise: Ein Haus wie die ehemalige Krone sperrt man nicht einfach zu, wenn es schwierig wird. „Wir würden Heimat verlieren, nicht nur Geld“, sagt Probst. Um fit für die Zukunft zu sein, will die Familie vier bis fünf Millionen Euro in eine Modernisierung stecken.

Das Du-Familotel besteht aus vielen Gebäudeteilen. Der Bau aus dem Jahr 1934 mit Terrasse davor soll abgerissen und neu gebaut werden. Eine Voranfrage wurde vom Bad Hindelanger Bauausschuss positiv gesehen. Allerdings will sich das Gremium vor der endgültigen Entscheidung noch ein Bild vor Ort machen. Die Besitzerfamilie wird gebeten, dazu ein sogenanntes „Phantomgerüst“ aus Stangen zu erstellen, um die Größe des geplanten Neubaus darzustellen. Der Ausschuss sprach sich dafür aus, zu diesem Ortstermin einen Vertreter der Denkmalschutzbehörde mitzunehmen.

Die "Krone" in Unterjoch: Erstmals 1720 erwähnt

Die „Krone“, erstmals 1720 erwähnt, war zunächst eine Ganzjahres-Alpe und entwickelte sich mit der Zeit zur Pferdewechselstation, sagt Probst. „Die ersten Gäste wurden 1836 beherbergt. Die Krone war Anfang 1900 Poststelle, Dorfgasthaus, Lebensmittelladen, Landwirtschaft und Mittelpunkt im Dorfleben.“

Neben dem Urgebäude wurden über die Jahre hinweg mehrere Appartementhäuser gebaut. Es gibt auch einen Stall samt Reitplatz. Der 1934 fertiggestellte Krone-Bau samt Terrasse sei nun aber „teilweise sehr mitgenommen“, sagt der Seniorchef, soll abgerissen werden. (Lesen Sie auch: Füssens Altstadt ist auf dem Weg zur "touristischen Kulisse")

Reithalle muss weiter warten

Entstehen soll ein neues, großflächiges Restaurant. „A bissle breiter und länger“ will die Familie bauen. 26 Appartements, jeweils über 20 Quadratmeter groß, sollen dazu kommen. Keine Feriendomizile, sondern Unterkünfte fürs Personal. Das soll auch so festgeschrieben werden, eine spätere Vermietung als Ferienwohnungen soll es nicht geben dürfen, fordert der Bauausschuss. Probst sagt: „Zehn Wohnungen für unsere Mitarbeiter haben wir derzeit angemietet in Wertach, Jungholz, in Oy-Mittelberg und anderswo.“ Jetzt soll dem Stammpersonal vor Ort etwas geboten werden. Anders funktioniere das heute nicht mehr.

Die Mitarbeiter kommen aus vielen Ländern Europas. Probst nennt Rumänien, Bulgarien, die Slowakei, Österreich, Ungarn und Länder des ehemaligen Jugoslawiens. „Das ist ein gutes, langjähriges Team.“ Das wollen die Betreiber auch weiter erhalten. Jetzt seien fast 40 Beschäftigte in Kurzarbeit. Ums Haus herum sei noch gewerkelt worden und innen gab es kleine Schönheitsreparaturen – aber nun wollen alle wieder ihre Gäste bewirten. „Wir haben derzeit täglich 60 bis 70 Anfragen, aber die Buchungsfreudigkeit ist nicht besonders groß“, sagt der Seniorchef. Ostern wäre gut belegt mit 60 Prozent derzeit. „Ich hoffe, wir können bis dahin aufmachen.“ Wenn nicht, dann sei eine Stornierung für die Gäste freilich kostenfrei.

Umgebaut werden soll 2022 ab März, „wenn alles ideal läuft und auch Corona nicht noch länger zuschlägt“, sagt der Seniorchef. Vier bis fünf Millionen sollen investiert werden. Eine Terrasse soll wieder entstehen, aber ein wenig „verschoben“ werden. Auch die neue Reithalle, deren Bau schon vor Jahren vorgesehen war, müsse wegen Corona weiter auf sich warten lassen. Die Familie sehe dennoch positiv in die Zukunft, unter anderem weil „wir die vergangenen Jahre Top-Umsätze gemacht haben“. Urlaub im Grünen mit einem breit gefächerten Angebot für Kinder scheint im Trend zu liegen.

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