Fotofestival im Oberallgäu

Wo der Wildschütz lauert: Wie der Fotogipfel in Oberstdorf das Thema Berge umsetzt

„Alpenhüttengaudi“: Fotografie von Michael Agel aus dem Zyklus „Sagen und Mythen der Berge“, zu sehen im Oberstdorf-Haus während des Oberstdorfer Fotogipfels.

„Alpenhüttengaudi“: Fotografie von Michael Agel aus dem Zyklus „Sagen und Mythen der Berge“, zu sehen im Oberstdorf-Haus während des Oberstdorfer Fotogipfels.

Bild: Klaus Schmidt

„Alpenhüttengaudi“: Fotografie von Michael Agel aus dem Zyklus „Sagen und Mythen der Berge“, zu sehen im Oberstdorf-Haus während des Oberstdorfer Fotogipfels.

Bild: Klaus Schmidt

Der Fotogipfel Oberstdorf beleuchtet in Ausstellungen das Thema Berge aus vielen Blickwinkeln. Die Sichtweisen reichen von ironisch bis gesellschaftskritisch.
01.07.2022 | Stand: 17:44 Uhr

Oberstdorf Noch richtet sich der Lauf in die Luft. Doch das Zielfernrohr ist schon platziert. Der Bursch in Lederhosen benutzt neueste Gewehrtechnik. Auch der Holzhacker daneben spaltet die Scheite mit einer modernen Axt. Die Zeiten haben sich verändert, die Menschen scheinen ihren Gewohnheiten treu geblieben zu sein. „Alpenhüttenzauber“ nennt Fotograf Michael Agel diese inszenierte Szenerie, bei der auch noch eine junge Frau samt Freund belustigt aus dem Fenster zusieht.

Ironische Erinnerung an alte Heimatfilme

Die Szene spiele ironisch auf Heimatfilme der 50er und 60er Jahre an, in denen Berge die Kulisse boten für Förster und Wilderer und für ihr Buhlen um eine begehrte junge Frau. Das erklärt der Fotograf aus dem hessischen Wetzlar bei der Eröffnung des Oberstdorfer Fotogipfels. Michael Agel ist einer der Kamerakünstler, die ihre Arbeiten bei der zehnten Auflage dieses Festivals in einer Ausstellung im Oberstdorf-Haus zeigen dürfen und der bei der Auftaktveranstaltung ein paar Worte zu seinen Arbeiten sagen darf.

Portraits von Oberstdorfern

„Berge 2.0“ lautet das Motto dieses Festivals, das Ausstellungen mit Workshops, Vorträgen, Multivisionsschauen und anderem verbindet. Initiator und Kurator Christian Popkes, Fotograf aus Hamburg, erklärt bei der Eröffnung, wie wichtig ihm bei diesem Thema auch die Menschen seien. So habe zum Beispiel der gebürtige Schweizer und Wahl-Hamburger Friedrun Reinhold für diesen Fotogipfel vor wenigen Monaten Oberstdorferinnen und Oberstdorfer in Tracht an besonderen Orten aufgenommen. Diese Bilder schmücken nun, im Großformat ausgedruckt, unter dem Motto „Heimat“ die Wiese vor dem Oberstdorf-Haus.

Ein Modefotograf aus dem Allgäu

Der gebürtige Allgäuer Joachim Baldauf, ein international tätiger Modefotograf, hat mit Bremer Modedesign-Studentinnen und Studenten der Frage nachgespürt: Zu welcher Gemeinschaft gehörst Du? Dazu sollten sich die jungen Menschen auch mit ihren Vorstellungen vom Allgäu auseinandersetzen. Die Bilder dazu entstanden dann im Oberallgäu. Das spannende Ergebnis ist im Oberstdorf-Haus zu sehen. Dort stellen elf weitere Fotografinnen und Fotografen ihre Bilderzyklen aus. Außerdem haben dort Aufnahmen aus dem Wettbewerb „Der Berg ruft“, den der Deutsche Verband für Fotografie ausgeschrieben hat, ein Domizil gefunden.

Die politische Dimension

Wie vielfältig das Thema „Berge 2.0“ gedeutet werden kann, skizzierte die deutsche Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth. Die Politikerin der Grünen wirkt heuer zum fünften Mal als politische Schirmfrau dieses Festivals: Berge, diese unverrückbaren Gipfel, können manches lehren, sagte Roth. Sie gleichen einem politischen Gegner, der sich nicht bewegen wolle. Da gelte es erst einmal, sich selbst zu bewegen, um das Hindernis aus einem neuen Blickwinkel betrachten zu können. Berge seien in ihrer Größe oft kaum zu fassen. Da könne ein Blick auf Details weiterführen. Die Details sagen oft mehr über den Berg aus als eine Gesamtansicht. Und schließlich, erklärte Roth, verdeutliche der Berg auch die Hybris des Menschen. Der Mensch maße sich an, sich über die Natur erheben zu können. Doch der Berg zeige, wie winzig der Mensch sei im Verhältnis zu der Großartigkeit der Natur.

Mutige Menschen

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Vor allem aber wies Claudia Roth auf die gesellschaftspolitische Dimension der Fotografie hin: „Fotografien öffnen uns die Augen.“ Mutige Fotografinnen und Fotografen dokumentieren zum Beispiel derzeit den Terror des Krieges in der Ukraine. „Manche haben dafür mit ihrem Leben bezahlt.“ Andere gesellschaftspolitische Töne schlagen neue Talente an, die sich im Oberstdorfer Kunsthaus Villa Jauss vorstellen. Sie dokumentieren zum Beispiel Müllberge in Brasilien, auf denen Menschen leben.

Die Schönheit der Natur

Die Schönheit der Welt versucht dagegen Norbert Rosing einzufangen. Der Fotograf aus Grafrath ist künstlerischer Schirmherr des Festivals und spürt in seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen magischen Momenten nach – etwa in Naturparks, wie seine Aufnahmen auf dem Gipfel des Nebelhorns beweisen, oder im Eismeer, wie er in einer kleinen Lichtbildshow bei der Eröffnung demonstriert.

Die Zeit drängt

Es gibt also viel zu entdecken bei diesem Oberstdorfer Fotogipfel. Doch die Zeit drängt. Die Ausstellungen in Oberstdorf-Haus und Villa Jauss sind nur bis Sonntag, 3. Juli, zu sehen. Die Fotografien im öffentlichen Raum können noch einige Zeit darüber hinaus bewundert werden.

Der Oberstdorfer Fotogipfel.

Der Fotograf Michael Agel.

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