Gemeinschaftsprojekt

Zehn Millionen Euro für neue Brücken und Hochwasserschutz in Fischen

Vier Brücken wurden in Fischen neu gebaut und der Wildbach begradigt.

Vier Brücken wurden in Fischen neu gebaut und der Wildbach begradigt.

Bild: David Kempter

Vier Brücken wurden in Fischen neu gebaut und der Wildbach begradigt.

Bild: David Kempter

Gemeinsam haben das Staatliche Bauamt und das Wasserwirtschaftsamt zehn Millionen Euro in Fischen-Weiler investiert, um Bundesstraße und Gewässersicherheit zu verbessern. Davon profitieren Anwohner und Autofahrer
29.07.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Oben fließt der Verkehr und darunter die Weiler Ach. So war es auch schon vor dem großen Bauprojekt in Fischen-Weiler. Doch jetzt rollen die Autos auf der B 19 über neue Brücken – die alten stammten aus den 1930er Jahren – und auch der Wildbach wurde in neue Bahnen gelenkt, um die Anwohner vor Hochwasser zu schützen. Gelungen ist das durch ein Gemeinschaftsprojekt: Das Staatliche Bauamt und das Wasserwirtschaftsamt haben zwei große Baumaßnahmen in Kombination umgesetzt und jeweils fünf Millionen Euro investiert. „Vor uns liegt das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeit, die so nicht alltäglich ist“, sagte die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller bei der Einweihung der Baumaßnahme in Fischen.

Weil die drei Brücken auf der B 19 neu gebaut werden mussten, zog das Wasserwirtschaftsamt das Schutzprojekt vor. Davon hätten beide Vorhaben profitiert, erklärte Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Kempten. „Dann hätten wir zwei Meter höhere Rialto-Brücken bauen müssen und ein Eck in der Ach gehabt.“ So konnten der Wildbach verlegt und die B 19 musste nicht höher gelegt werden. Diese Vorteile hob auch Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Kempten hervor. „So wurden Erhaltungsmaßnahmen auf der Bundesstraße, der Hochwasserschutz und die Gemeindebrücke zu einem großen Ganzen zusammengefügt.“

Bürger befürchteten Staus und Ärger

Denn auch die Gemeindebrücke wurde im Zuge des Millionenprojekts erneuert – auch weil sie während der Arbeiten als Umleitungsstrecke diente. Die Verkehrsregelung während der zweijährigen Bauphase lobte Fischens Bürgermeister Bruno Sauter: „Die Sorgen waren groß, dass es lange Staus und Ärger mit Bürgern und Gästen geben würde“, sagte der Rathauschef. „Aber die Bedenken haben sich durch eine perfekte Verkehrslenkung und eine ausgezeichnete Planungsleistung nicht bewahrheitet.“ Auch die Zufahrt zu den zwei Gärtnereien sei in der Bauphase stets gewährleistet gewesen. An den Kosten für den Hochwasserschutz beteiligte sich die Gemeinde mit rund 20 Prozent. Weil der Landkreis davon die Hälfte übernahm, musste die Kommune noch 500 000 Euro zahlen.

Von Juni 2018 bis Juli 2020 errichteten Firmen im Auftrag des Staatlichen Bauamts zunächst die Gemeindestraßenbrücke und anschließend drei Brücken auf der Bundesstraße. Zudem wurden gut 600 Meter der B19-Trasse neu gebaut. Ab Oktober 2018 begann dann der Gewässerausbau der Weiler Ach von der Mündung in die Iller bis flussaufwärts der Brückenbauwerke. Die Arbeiten wurden durch die Behörde teilweise vergeben und von der Flussmeisterstelle Sonthofen ausgeführt. Der Wildbach wurde im Brückenabschnitt nach Norden verlegt, stellenweise eingetieft und auf rund einem Kilometer Länge mit höheren Deichen ausgebaut.

Die Bauwerke sollen den Ortsteil Weiler vor einem 100-jährlichen Hochwasser schützen, erklärte David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt. Auch bei extremeren Hochwasser-Ereignissen sind künftig der Ortsteil Weiler, die umliegenden landwirtschaftlichen Anwesen, die Verwaltungsgemeinschaft Hörnergruppe (VG) und die zwei Gärtnereien geschützt. Dazu wurden die Deiche innen mit einer Spundwand verdichtet sowie Überlaufscharten oberhalb der Brücken sowie eine Schutzwand entlang des VG-Gebäudes gebaut. Das Gewässer wurde zudem vertieft, damit sich an den starken Kurven nicht zu viel Material ablagert. Bis das Projekt in Fischen abgeschlossen ist, sollen noch die Dämme bepflanzt und ein Klemmholzrechen in die Weiler-Ach eingebaut werden.