Behauptungen im Faktencheck

Allgäuer Mediziner räumen mit Impfmythen auf

Corona Impfstoff

Ein schneller Piks und dann ist alles vorbei: So einfach das Impfen ist, so viele Sorgen machen sich manche Menschen, wenn es um die Corona-Vakzine geht. Mediziner aus der Region wollen mit Impfmythen aufräumen.

Bild: Ralf Lienert

Ein schneller Piks und dann ist alles vorbei: So einfach das Impfen ist, so viele Sorgen machen sich manche Menschen, wenn es um die Corona-Vakzine geht. Mediziner aus der Region wollen mit Impfmythen aufräumen.

Bild: Ralf Lienert

Um den Piks ranken sich viele Gerüchte: Etwa, dass der Impfstoff das Erbgut verändere und unter Experten umstritten wäre. Ärzte aus der Region klären auf.
12.11.2021 | Stand: 18:23 Uhr

Viele Allgäuerinnen und Allgäuer wollen sich nach wie vor nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen. Junge Frauen fürchten, nach einer Impfung nicht mehr schwanger werden zu können, andere sind der Meinung, die Wirkstoffe wurden nicht richtig erprobt. In einer Broschüre des Klinikverbunds Allgäu beziehen Mediziner aus der Region Stellung zu verschiedensten Gerüchten. Federführend an dem Projekt beteiligt war unter anderem Dr. Manfred Nuscheler, Chefarzt für Intensivmedizin am Klinikverbund. Hier Auszüge aus der Broschüre:

Wurden die Impfstoffe zu schnell zugelassen?

Die klinischen Studien zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 wurden mit großem Aufwand beschleunigt, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen: Die Impfstoffe wurden mit mehr Studienteilnehmern getestet als die meisten Präparate gegen andere Erkrankungen. Wegen der vielen Krankheitsfälle war die Erforschung von Wirksamkeit und Nebenwirkungen viel schneller möglich als bei anderen Krankheiten. Gegen Corona werden zwar erstmals mRNA-Impfstoffe eingesetzt, aber die Technologie ist bereits seit 30 Jahren bekannt und wurde vor allem in der Krebstherapie intensiv erforscht. Bis zum Impfstoff war es daher nur noch ein kurzer Weg.

Was ist mit Langzeitfolgen?

Keine Arznei ohne Nebenwirkungen: Auch nach einer Covid-19-Impfung können innerhalb von 24 bis 48 Stunden Nebenwirkungen auftreten.

Kurzzeitige Impfreaktionen sind beispielsweise Kopfweh und Muskelschmerzen

Kurzzeitige Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Übelkeit und Muskelschmerz sind nicht selten. Mit Langzeitfolgen ist laut des Kaufbeurer Impfarztes Gregor Blumtritt nach derzeitigem Stand der Forschung nicht zu rechnen. Wenn es zu Reaktionen kommt, träten diese bald nach der Impfung auf.

Wie sieht es mit Komplikationen und Impfschäden aus?

Impfkomplikationen wie eine Herzmuskelentzündung sind sehr selten. Zudem treten Herzmuskelentzündungen deutlich häufiger direkt in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung auf. Schwere Impfschäden wie Thrombosen von Venen des Gehirns sind sehr ernst zu nehmen – kommen aber äußerst selten vor.

mRNA-Impfstoffe können das menschliche Erbgut nicht verändern

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Weitere Impfstoffe in der Entwicklung

Wann kommt ein Totimpfstoff gegen das Coronavirus?

Im Vergleich dazu ist das Risiko, an den Folgen einer Corona-Infektion zu sterben, für jeden Ungeimpften statistisch gesehen deutlich höher.

Verändert die Impfung die DNA?

Die mRNA-Impfstoffe können das menschliche Erbgut, die sogenannte DNA, nicht verändern. Dies ist vollkommen ausgeschlossen.

Kann man sich durch die Impfung anstecken?

Nein, die verfügbaren Impfstoffe enthalten kein lebendiges Coronavirus, weshalb es durch den Impfstoff zu keiner Ansteckung kommen kann.

Macht die Impfung unfruchtbar?

Weder Vektorimpfstoffe noch mRNA-basierte Impfstoffe verändern das Erbgut. Sie wirken sich nicht im Geringsten auf die Fruchtbarkeit aus. Das ist die klare Antwort der Allgäuer Ärztinnen und Ärzte. Das Bundesgesundheitsministeriums geht weiter ins Detail und erläutert auf seiner Homepage, woher das Gerücht kommt: In sozialen Medien kursiert, dass eine Corona-Schutzimpfung unfruchtbar machen könne, weil sich Spikeproteine des Coronavirus und das Protein Syncytin-1, das für die Bildung der Plazenta verantwortlich ist, ähneln.

Daraus wurde geschlussfolgert: Bildet der Körper einer Geimpften Antikörper gegen das Spikeprotein des Coronavirus, richten sich diese auch gegen das Syncytin-1-Protein und beeinträchtigen somit die Bildung einer Plazenta. Da die Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen aber so minimal ist, kann eine Kreuzreaktion des Corona-Impfstoffs ausgeschlossen werden.

Impfung gegen Corona: Überwältigende Einheit bei Wissenschaftlern und Experten

Sind sich die Experten uneinig?

Nein, selten bestand so eine überwältigende Einigkeit der weltweiten Wissenschaftler und Experten, die unabhängig voneinander die großen Gefahren des Corona-Virus beteuern und dringend die Impfung empfehlen. „Wollen Sie in dieser Angelegenheit einer einzigen abweichenden Meinung vertrauen?“, fragen die Allgäuer Ärzte.

Nicht alles, was nach einer Impfung passiert, hat mit der Impfung zu tun

Voreilige Schuldzuweisungen sind meistens falsch. Wenn man zehn Millionen zufällig ausgewählte Menschen zwei Monate beobachtet, passiert statistisch gesehen Folgendes: 4025 von ihnen erleiden einen Herzinfarkt und 3975 einen Schlaganfall. 9500 erhalten eine neue Krebsdiagnose und 14 000 versterben. All das passiert völlig unabhängig von einer Corona-Impfung oder Corona-Erkrankung.

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