Sensor-Technologie aus Memmingen

Fliegen sicherer machen: Ein Pilotenstuhl, der Hilfe rufen kann

Sensoren in Sitzfläche und Rückenlehne könnten künftig die Vitalparameter von Piloten messen und so den Flugverkehr sicherer machen.

Sensoren in Sitzfläche und Rückenlehne könnten künftig die Vitalparameter von Piloten messen und so den Flugverkehr sicherer machen.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Sensoren in Sitzfläche und Rückenlehne könnten künftig die Vitalparameter von Piloten messen und so den Flugverkehr sicherer machen.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Die Memminger Firma ACM Aerospace hat mit Avital ein System konzipiert, das die Vitaldaten von Piloten auslesen kann. Doch wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
18.08.2021 | Stand: 14:45 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Flugzeug und ihr Pilot bekommt eine Herzattacke. Unschöne Vorstellung – mit fatalen Folgen für Pilot und Besatzung. Könnte einer solchen Situation vorgebeugt werden? Die Firma Aircraft Modification GmbH (ACM Aerospace) hat dafür nun einen neuen Ansatz vorgestellt: Avital.

Es handelt sich dabei um Sensor-Technologie im Sitz des Piloten, die dessen Vitalparameter misst. Die Technik ist in die Textilien der Rückenlehne und der Sitzfläche integriert und braucht keinen Hautkontakt. Die gemessenen Werte gleicht der Stuhl mit einer umfassenden Datenbank ab. „Sollte der Pilot Anzeichen von Ermüdung, Stress oder anderen negativen Auswirkungen zeigen, kann Hilfe, also beispielsweise die Bodenstation, kontaktiert werden,“ sagt ACM-Geschäftsführer Roger Hohl.

Empfindlichkeit des Systems wird getestet

Was nach Science-Fiction klingt, wird gerade zur Realität. Für die Erfindung wurde das Unternehmen für einen Innovationspreis in der Luftfahrt, den Crystal Cabin Award, nominiert. Roger Hohl sagt: „Avital wird zur Sicherheit in der Luft- und Raumfahrt enorm beitragen.“

Aktuell befindet sich Avital noch in der Testphase. „Wir untersuchen gerade die Empfindlichkeit des Systems hinsichtlich Vibrationen und Interferenzen im Cockpit“, erklärt Hohl.

Dafür arbeite das Unternehmen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen. Avital kann verschiedene Vitalparameter auslesen, wie beispielsweise die Herzfrequenz, die Herzratenvariabilität und die Atemfrequenz. Hohl räumt ein, dass das System Fehlmessungen zwar bereits von sich aus heraussortiert, doch ab und an kommt es trotzdem vor, dass ein falscher Wert angezeigt wird. Eine zusätzliche Filterung von Ausreißern reduziere dies nochmals. (Lesen Sie auch: Auf Wiedersehen, Transall - Fliegende Legende landete zum letzten Mal auf Flughafen Memmingen)

Einverständnis des Piloten ist immer erforderlich

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Laut Geschäftsführer ist das System prinzipiell in alle Arten von Sitzen integrierbar. Es könnte auch in einen Passagiersitz eingebaut werden, in Lufttaxis und vielleicht sogar in der Raumfahrt Verwendung finden. Doch wie ist eine so umfangreiche Datenerfassung mit dem Datenschutz vereinbar? „Der Datenschutz ist nicht Teil unseres Aufgabenbereichs“, sagt Roger Hohl. Den Einsatzzweck und den Datenschutz müsse der Endkunden beziehungsweise der Käufer des Produktes verantworten. Avital stellt laut Hohl nur die Technologie zur Verfügung.

„Die Verantwortung für den richtigen Umgang mit Daten hat in erster Linie der Auftragsverarbeiter,“ bestätigt Dr. Mirka Möldner, Pressesprecherin beim bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLD). Das könne dann in diesem Fall beispielsweise die Lufthansa sein. Das Produkt selbst werde nicht überprüft, nur der konkrete Anwendungsfall sei wichtig. „Das Produkt selbst kann für viele Dinge verwendet werden. Wenn nun beispielsweise die Lufthansa Avital für ihre Piloten nutzt, würden wir prüfen, wie sie die Daten verarbeitet und speichert.“

Sensor-Technologie noch in Testphase

Da Avital sich bisher noch in der Testphase befindet, kann Möldner noch keine Aussage über die Problematik oder Nicht-Problematik einer Datenverarbeitung treffen. „Grundsätzlich gilt: Es dürfen nur so viele Daten wie notwendig erhoben werden,“ erklärt die Pressesprecherin. „Und vor allem das Einverständnis des Piloten ist dafür immer erforderlich“, sagt Dr. Mirka Möldner.

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