Mehr Corona-Patienten im Krankenhaus

Auf Allgäuer Intensivstationen „geht nichts mehr“ - Patienten werden bis nach Unterfranken gebracht

„Bei uns geht nichts mehr“, sagt Dr. Marcus Koller, Ärztlicher Direktor des Kaufbeurer Klinikums. Auf den Allgäuer Intensivstationen spitzt sich die Lage zu. Die neue Hotspot-Regelung könnte schon am Samstag oder Sonntag in Kraft treten.

„Bei uns geht nichts mehr“, sagt Dr. Marcus Koller, Ärztlicher Direktor des Kaufbeurer Klinikums. Auf den Allgäuer Intensivstationen spitzt sich die Lage zu. Die neue Hotspot-Regelung könnte schon am Samstag oder Sonntag in Kraft treten.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

„Bei uns geht nichts mehr“, sagt Dr. Marcus Koller, Ärztlicher Direktor des Kaufbeurer Klinikums. Auf den Allgäuer Intensivstationen spitzt sich die Lage zu. Die neue Hotspot-Regelung könnte schon am Samstag oder Sonntag in Kraft treten.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

Die Behandlung von Corona-Patienten wird auch im Allgäu immer schwieriger. Neue Regeln sollen Kliniken jetzt entlasten. Doch es gibt es viele Fragezeichen.
04.11.2021 | Stand: 16:32 Uhr

Die Lage auf den Intensivstationen wird immer prekärer: „Jetzt ist ganz Bayern dicht, wir können keine Patienten mehr verlegen“, sagt Gerhard Zipperlen (Kempten), Ärztlicher Corona-Leiter für die Region Allgäu. Zuletzt waren Patienten nach Unterfranken gebracht worden.

Corona-Hotspots in der Region sind nach jetzigem Stand die Landkreise Ober- und Ostallgäu sowie die Stadt Kempten. Dort greifen voraussichtlich ab Samstag oder Sonntag die verschärften Regeln der roten Stufe, die die Staatsregierung am Mittwoch verkündet hat. Doch hinsichtlich der Umsetzung gibt es noch viele Fragezeichen. Zum Beispiel bei der Wirtschaft: Für Betriebe in Hotspots gilt künftig die 3G-Regel. Nun stellt sich unter anderem die Frage, wer die Schnelltests für Beschäftigte bezahlt.

Die schärferen Regeln in Bayern sind eine Reaktion darauf, dass die Zahl der Corona-Patienten in Kliniken immer weiter steigt. Und die Situation wird zunehmend schwieriger: Da Verlegungen nicht mehr möglich seien, „müssen die Kliniken jetzt selbst maximale Kapazitäten schaffen und vor Ort klarkommen“, sagt Zipperlen. Die Belegung der Intensivbetten liege überall im Bereich der Leitstelle Allgäu bei über 80 Prozent, fügt der Kemptener Mediziner hinzu. Die Leitstelle umfasst die Landkreise Oberallgäu, Ostallgäu und Lindau sowie die kreisfreien Städte Kaufbeuren und Kempten. Die hohe Intensivbetten-Belegung ist eine Voraussetzung dafür, dass eine Stadt oder ein Landkreis den Status „Hotspot“ bekommt. Zudem muss die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 300 liegen. Im Allgäu haben die Stadt Kempten sowie die Kreise Ober- und Ostallgäu diese Marke überschritten. (Lesen Sie auch: Kempten und das Oberallgäu sind Corona-Hotspots: Welche Folgen das hat)

Am Klinikum Kaufbeuren ist die Intensivstation voll

Wie ernst die Lage ist, schildert auch Dr. Marcus Koller, Ärztlicher Direktor des Kaufbeurer Klinikums. „Bei uns geht nichts mehr“, sagt er. Die Intensivstation sei voll, es könne kein weiterer Corona-Patient aufgenommen werden. Auch die zwei Corona-Normalstationen seien ausgelastet: „In der Nacht auf Donnerstag sollte dort ein Patient eingeliefert werden, es gab aber keinen Platz. Die diensthabende Kollegin hat mehrere Krankenhäuser in der Region angerufen, aber es war nichts zu machen.“ Letztlich sei der Patient in Schwabmünchen untergekommen.

Die schärferen Regeln sollen nun dabei helfen, die Kliniken zu entlasten. Sie betreffen beispielsweise auch die Wirtschaft. So gilt unter anderem in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten die 3G-Regel. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss pro Woche zwei Schnelltests vorlegen. „Wir prüfen noch, wie die Regeln im Detail umzusetzen sind. Auf offene Fragen haben wir noch keine Antworten“, sagte Markus Anselment, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, am Donnerstagvormittag. So sei ungeklärt, wer die Tests für die Mitarbeitenden bezahlt: „Ich denke aber, dass das auf die Unternehmen zulaufen wird.“

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Eine offene Frage ist auch, wie die Unternehmen mit Mitarbeitenden umgehen sollen, die sich nicht testen lassen oder nicht sagen wollen, ob sie einen Test gemacht haben: „Es war schon immer ein großes Problem, dass es keine Auskunftspflicht gibt“, sagt Anselment. „Dafür fehlt aktuell der rechtliche Rahmen“, sagt auch IHK-Pressesprecher Thomas Schörg. Mit einer Verordnung, wie die Betriebe die neuen Vorgaben umsetzen sollen, rechnet er erst am Freitag. Offen sei beispielsweise noch, wer kontrolliert, dass die Regeln eingehalten werden und wie die angekündigten Konsequenzen bei Verstößen aussehen. Laut Anselment befürworten viele Unternehmen grundsätzlich die 3G-Regel. „Doch man muss halt wissen, wie das in der Praxis aussehen soll. (Lesen Sie auch: Der Klinikverbund Allgäu steht gut da - trotz Corona)

Neue Regeln in Hotspots voraussichtlich ab Samstag oder Sonntag

Zudem ist noch unklar, ab wann die neuen Regeln gelten. Dass die Voraussetzungen für strengere Maßnahmen gegeben sind, muss das jeweilige Landratsamt in einer Bekanntmachung ankündigen. Die Regeln gelten dann ab dem darauffolgenden Tag. „Wann wir die Bekanntmachung veröffentlichen, wissen wir aber noch nicht“, sagt Michael Läufle vom Landratsamt Oberallgäu. Dafür müsse erst man die offiziellen Änderungen der aktuellen Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung abwarten. Voraussichtlich treten die neuen Regeln in den Hotspots am Samstag oder Sonntag in Kraft.

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