Neue Wege in der Landwirtschaft

Internet, Auflagen, Mehrarbeit: Direktvermarkter kämpfen mit diesen Herausforderungen

Frisch und direkt vom Hof: Barbara Birk übergibt einer Kundin ein Fleischpaket. Birk betreibt mit ihrem Mann Wolfgang einen Hofladen auf ihrem "Arche Hof Birk".

Frisch und direkt vom Hof: Barbara Birk übergibt einer Kundin ein Fleischpaket. Birk betreibt mit ihrem Mann Wolfgang einen Hofladen auf ihrem "Arche Hof Birk".

Bild: Matthias Becker

Frisch und direkt vom Hof: Barbara Birk übergibt einer Kundin ein Fleischpaket. Birk betreibt mit ihrem Mann Wolfgang einen Hofladen auf ihrem "Arche Hof Birk".

Bild: Matthias Becker

Immer mehr Allgäuer Bauern vermarkten ihre Lebensmittel direkt – und nehmen eine Doppelbelastung in Kauf. Wie der Freistaat den Landwirten jetzt helfen will.
01.05.2022 | Stand: 15:57 Uhr

An diesem Freitag hat Barbara Birk alle Hände voll zu tun. Schon früh am Morgen ist die Landwirtin auf den Beinen und schnürt Fleischpakete, programmiert Preise in die neue Waage und richtet den Hofladen her. Denn ab 10 Uhr kommt die Kundschaft auf ihren Bauernhof bei Weitnau (Kreis Oberallgäu). Den Termin für die Direktvermarktung hat sie vorab auf der Internetseite des „Arche-Hofs“ angekündigt. Die Kunden konnten vorbestellen.

Immer mehr Landwirte verkaufen ihre Produkte ohne Zwischenhändler an die Kunden. Allein im Unterallgäu ist die Anzahl der Direktvermarkter in den vergangenen zwei Jahren laut Landratsamt um zehn Prozent gestiegen. Doch was für Kunden ein paar Klicks im Netz und eine Fahrt ins Grüne bedeutet, heißt für die Landwirte viel Arbeit: Newsletter schreiben, Instagram-Posts absetzen, Internetseiten aktualisieren, Werbung schalten. „Wir wohnen komplett ab vom Schuss, irgendwie muss man die Menschen ja zum Hof bekommen“, sagt Barbara Birk.

Die Familie muss mitziehen

Eine Herausforderung, die auch Anna Niederthanner vom Früchtegarten Reisach in Mauerstetten (Kreis Ostallgäu) kennt. Sie betreibt mit ihrer Familie einen Hofladen mit Backstube und Kunden können Früchte und Gemüse auf den Feldern ernten. Direktvermarktung ohne Internet kann sich Niederthanner nicht mehr vorstellen, „zumindest nicht in der Größe, wie wir sie betreiben“. Sie hält Kunden über die sozialen Netzwerke auf dem Laufenden: „Du musst die Leute mitnehmen. Sie wollen wissen, wo ihr Essen herkommt.“

Deshalb müsse am Hof auch immer alles „tipptopp“ sein. Denn Direktvermarktung, bekräftigen Niederthanner und Birk, bedeute viel Kundenfrequenz auf dem Betrieb. Jessica Ried, die beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten Landwirte in Seminaren auf die Direktvermarktung vorbereitet, weiß von dieser Belastung: „Es ist ganz wichtig, dass die Familie mitzieht.“

Zahlreiche Auflagen müssen beachtet werden

Es könne schon zu Streit führen, „wenn der Opa vor dem Haus auf der Bank sitzt, die Kunden ihn nerven und er sie anspricht“, sagt Ried. Wenn die Kunden schon einmal da sind, wollten sie sich oft vor Ort umsehen. „Da ist dann die Frage, wie wirkt mein Hof?“, sagt Ried. Daher kämen oft noch Hofführungen hinzu.

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Und dann gibt es da noch die vielen Auflagen. Wer einen Hofladen aufmacht, melde meist ein Gewerbe an, sagt Ried. Da müsse man das Gewerberecht, steuerliche Aspekte, Lebensmittelkontrollen, Dokumentationspflicht und mehr berücksichtigen. Um den prallen Arbeitsalltag zwischen Landwirtschaft und Direktvermarktung effizient zu gestalten, lassen sich die Birks coachen. Jüngst wurden die Arbeitszeiten analysiert: „Mein Mann Wolfgang hat alles in allem eine 2,5-Mann-Stelle“, sagt Barbara Birk. Doch das bayerische Landwirtschaftsministerium will die bürokratische Belastung für Direktvermarkter senken. Dafür machte es 2021 einen Praxischeck. Die Ergebnisse werden derzeit aufgearbeitet, heißt es beim Ministerium auf Anfrage.

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