Konzert in der Corona-Pandemie

„Jam, Jazz & Beethoven“: Allgäuer Musiker Matthias Schriefl begeistert im Live-Stream

Beethoven auf dem Alphorn oder angejazzt? Für Matthias Schriefl kein Problem.

Beethoven auf dem Alphorn oder angejazzt? Für Matthias Schriefl kein Problem.

Bild: Harald Holstein

Beethoven auf dem Alphorn oder angejazzt? Für Matthias Schriefl kein Problem.

Bild: Harald Holstein

Mit seinem famosen Multiorchester beschert der Allgäuer Jazz-Star bei einem Online-Club-Konzert Glücksmomente. Der Stream bei uns zum Nachhören.
24.11.2020 | Stand: 17:59 Uhr

„Die Kunst? Was ich ohne sie wäre? Ich weiß es nicht. Doch mir graut – seh ich doch, was ohne sie Hundert’ und Tausende sind!“ Mit diesem in Pandemiezeiten sehr zutreffenden Zitat von Ludwig van Beethoven weist Matthias Schriefl in einer Rundmail auf sein neuestes Programm „Jam, Jazz & Beethoven“ hin.

Der Jazzer aus dem Oberallgäuer Dorf Maria Rain ist ein leidenschaftlicher Musiker und möchte sein Publikum auch im Lockdown ganz im Sinne von Beethoven wohl nicht ohne Musik hängenlassen. Da er Konzerte im November absagen musste – darunter auch das im Kurhaus Oy am kommenden Freitag – wich er mit seinem äußerst kunstvollen Beitrag zum Beethoven-Jubiläum zum zweiten Mal ins Internet aus. Nach dem Live-Stream-Auftritt im Stadtgarten in Köln war Schriefl mit seinem siebenköpfigen Multiorchester nun im Münchner Jazzclub „Unterfahrt“ zu erleben.

Trompeter Matthias Schriefl huldigt im Münchner Jazzclub Unterfahrt mit seinem Multiorchester dem Komponisten Ludwig van Beethoven.
Trompeter Matthias Schriefl huldigt im Münchner Jazzclub Unterfahrt mit seinem Multiorchester dem Komponisten Ludwig van Beethoven.
Bild: Harald Holstein

Grandios verwebt Schriefl die Musik von Beethoven mit Charlie Parker, Dixieland und Mambo ineinander. Gleich zu Beginn werden die Gäste aus dem Internet auf dem Alphorn mit „Freude schöner Götterfunke“ begrüßt. Die beiden Virtuosen am langen, alpinen Holz – Johannes Bär und Matthias Schriefl – lösen die Melodie jedoch bald in jazzigen Groove auf. Erstaunlich wie Schriefl in seinen Arrangements Beethovens Musik wie die „Flötenuhr“ und „Die Wut über den verlorenen Groschen“ mit Parkers „My Little Suede Shoes“ und „Au Privave“ zusammenbringt. (Lesen Sie auch: Konzert mit Schriefl - Rülpsende Schweinchen und andere komische Klänge)

Immer wieder zurück zu Beethoven

Das gelingt besonders, weil die sieben Multiinstrumentalisten im fliegenden Wechsel mit fast 40 Instrumenten ständig neue Klangqualitäten einbringen. Gregor Bürger greift unter anderem zum Fagott, Florian Trübsbach zur Oboe und Peter Heidl zu Quer- und Piccoloflöten. Schöne, einfache Solostimmen und kammermusikalische Dichte wechseln mit mehrschichtigen Klangflächen ab. Auf stimmungsvolle Höhepunkte folgen Ironie und poetische Anarchie.

Herrlich wie Johannes Bär nach zwei intensiven, besinnlichen Sätzen der „Pathétique“ mit seiner Posaune in den dritten Satz hineinknattert und die Klaviersonate in ausgelassenem Dixie-Sound endet. Schriefls Arrangements lösen sich nie in Beliebigkeit auf. Auch wenn er mit temporeichen Clustern an scheinbarer Formlosigkeit schnuppert, kehrt er immer wieder zu Beethovens eingängigen Motiven zurück.

"Augsburger Puppenkiste on Ecstasy"

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Gesangseinlagen von Kontrabassist Alex Morsey mit Beethovens „Ehre Gottes in der Natur“ und von Johannes Bär, der inbrünstig den „Kuss“ vorträgt, betonen die scherzhafte Herangehensweise an Beethoven. Das gefiel auch den etwa 300 Zuschauern, die sich aus dem Allgäu, aus Stuttgart, München und Reutte (Tirol) ins Netz zugeschaltet hatten. Begeistert äußern sie sich im Chat über den Ideenreichtum und die Vitalität der Arrangements. „Augsburger Puppenkiste on Ecstasy“, schrieb Martin Wessalowski zum Beispiel sehr treffend.

Auf Youtube lässt sich das Konzert noch einmal nacherleben. Wer möchte, kann die Musiker mit Spenden unterstützen oder dort auch die gehaltvolle Zugabe „Für Elise“ nachhören. Ein großes Vergnügen. Oder in den Worten, die Chatter „Cornus 108“ postete: „Beathoven hätt’ seine Freude ghabt.“

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