Filialen werden nicht geschlossen

Jubel in Kempten und Memmingen: Galeria Kaufhof und Karstadt bleiben erhalten

Galeria Kaufhof in Kempten und Karstadt in Memmingen sind nicht von den Schließungen bei der Warenhaus-Kette betroffen. Die Erleichterung bei allen Beteiligten ist groß.

Galeria Kaufhof in Kempten und Karstadt in Memmingen sind nicht von den Schließungen bei der Warenhaus-Kette betroffen. Die Erleichterung bei allen Beteiligten ist groß.

Bild: Ralf Lienert, Martina Diemand

Galeria Kaufhof in Kempten und Karstadt in Memmingen sind nicht von den Schließungen bei der Warenhaus-Kette betroffen. Die Erleichterung bei allen Beteiligten ist groß.

Bild: Ralf Lienert, Martina Diemand

Die Galeria Kaufhof-Filiale in Kempten und der Karstadt in Memmingen sind nicht von den Schließungen betroffen. Hier die ersten Reaktionen aus den Städten.
19.06.2020 | Stand: 16:27 Uhr

Die Ungewissheit weicht der Erleichterung: Die Galeria Kaufhof-Filiale in Kempten und der Karstadt in Memmingen bleiben beide erhalten. Der letzte große deutsche Warenhauskonzern wird zwar 62 seiner 172 Filialen schließen. Die beiden Allgäuer Filialen sind aber nicht davon betroffen.

"Gemeinsam mit den Beschäftigten und Betriebsräten sind wir äußerst erleichtert, dass diese Filialen von dem aktuellen Schließungskatalog nicht erfasst sind", sagt Werner Röll, Bezirksgeschäftsführer bei Verdi.

Gewerkschaft und City-Management Kempten erleichtert

Röll war guter Hoffnung. Und wurde nicht enttäuscht. Etwa 90 Beschäftigte, die in Kempten für den Karstadt-Konzern sowie in die externen Läden im Kemptener Haus (wie Supermarkt) arbeiten, hatten zuletzt um ihre Jobs gebangt, in Memmingen etwa 70. Es sei eine große Erleichterung, dass die Häuser bleiben, sagt Röll. Ausschlaggebend seien in Kempten sicherlich die guten Umsatzzahlen gewesen. Und dass es in beiden Städten nur einen Standort gibt – und nicht mehrere wie in München.

Für „Riesenerleichterung“ sorgt das Weiterbestehen der Galeria in Kempten auch beim City-Management. „Gott sei Dank“ ist die erste Reaktion von Christian Martinsohn, dem Vorsitzenden der Interessensgemeinschaft, die sich für eine attraktive Einkaufsstadt Kempten stark macht. Die Galeria in der nördlichen Innenstadt sei dazu ein Zugpferd. Die Folge eines Leerstandes wäre „fatal“.

Kempten hatte für Galeria Kaufhof gekämpft

In Kempten bleibt die Galeria Kaufhof-Filiale erhalten. Oberbürgermeister Kiechle hatte sich für den Erhalt stark gemacht.
In Kempten bleibt die Galeria Kaufhof-Filiale erhalten. Oberbürgermeister Kiechle hatte sich für den Erhalt stark gemacht.
Bild: Ralf Lienert

Kempten hatte um seinen Galeria-Kaufhof gekämpft. Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle ist am Freitag entsprechend „erleichtert, froh und dankbar“, wie er sagt. „Jede andere Entscheidung hätte mich aber auch gewundert und ich hätte sie nicht verstanden.“ Er wisse dass die Kemptener Filiale gewinnbringend wirtschafte. Außerdem handle es sich in Kempten um einen attraktiven Standort. Das Haus sei bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. „Wir als Stadt haben aber auch unseren Beitrag dazu geleistet“, sagt der OB. In den vergangenen Jahren sei stets Ziel gewesen, die nördliche Innenstadt attraktiv zu gestalten.

Kiechle hatte sich in einem Brief an die Sanierungsexperten bei Galeria-Karstadt-Kaufhof, Arndt Geiwitz und Frank Kebekus, für den Erhalt der Filiale stark gemacht.

>> Karstadt und Galeria Kaufhof: vom kleinen Anfang bis zur Corona-Krise <<

Große Erleichterung in Memmingen

Mit „Riesenerleichterung“ reagiert auch Mechthild Feldmeier, Vorsitzende des Memminger Einzelhandelsverbands, auf die Nachricht, dass die dortige Galeria-Karstadt-Filiale erhalten bleibt. Diese sei für Kunden aus Memmingen und der weiteren Umgebung ein echter „Anziehungsmagnet“ und damit von enormer Bedeutung für den Einkaufsstandort. „So ein Warenhaus mit vielfältigem Angebot, wo man bummeln kann und wo man alles bekommt, darf im Stadtleben nicht fehlen – das gehört zu einem bunten Einzelhandelsstandort dazu.“ Hinzu komme, dass die Geschäftsführer des Warenhauses sich seit jeher mit „Know-How und viel Herzblut“ in den Memminger Stadtmarketingverein einbrächten und die Kooperation der Einzelhändler bereichern würden.

Auch der Karstadt in Memmingen ist nicht von der Schließung betroffen.
Auch der Karstadt in Memmingen ist nicht von der Schließung betroffen.
Bild: Martina Diemand

Auch der Memminger Oberbürgermeister Manfred Schilder hatte sich in einem den Erhalt des Standorts stark gemacht. In einem Schreiben an die Geschäftsleitung in Essen führte er unter anderem aus, dass das Warenhaus seit inzwischen rund 45 Jahren zum Stadtbild gehöre. Außerdem unterstrich er die Bedeutung der Filiale – diese werde deutlich durch die Tatsache, „dass der Anteil Karstadts knapp ein Viertel der gesamtinnerstädtischen Einkaufsfläche“ ausmache. Durch eine Schließung hätte aber nicht nur ein Rückgang der Besucherfrequenz in der Innenstadt gedroht – sie hätte auch den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze bedeutet. Umso größer ist nun die Freude, dass Karstadt in Memmingen bleibt.

„Ich bin sehr erleichtert und froh, dass die Karstadt-Filiale in Memmingen erhalten bleibt und damit auch die Arbeitsplätze in dieser Filiale erhalten bleiben", sagt Schilder. Karstadt habe in Memmingen eine lange Tradition und auch eine große Bedeutung. Immerhin ein Viertel der Verkaufsfläche der gesamten Innenstadt fällt auf den Karstadt. "Und eine Schließung der Filiale wäre für die Einkaufsstadt Memmingen ein sehr herber Schlag gewesen. Allerdings ist es für das Gesamtunternehmen sicher ein schwarzer Tag, 60 Filialen bundesweit werden geschlossen, Arbeitsplätze gehen verloren. Aber jetzt mal nur auf Memmingen fokussiert müssen wir und dürfen wir erleichtert und froh sein über diese Entscheidung", sagt der Memminger Oberbürgermeister.

Auch Kunden sind erleichtert

Auch bei den Kunden ist die Freude groß, dass die beiden Filialen in Kempten und Memmingen erhalten bleiben. „Ich bin sehr froh, dass die Memminger Filiale erhalten bleibt. Ich bin langjährige Kundin bei Karstadt und bin mit dem Angebot und der Beratung sehr zufrieden", sagte Justina Pichler (75) aus Memmingen. Auch die 28-jährige Memmingerin Sandra Trudel freute sich: „Ich find’s gut, weil man bei Karstadt alles für alle Altersgruppen findet. In Memmingen ist Karstadt ohne Alternative. Ich hoffe sehr, dass die Filiale auf Dauer erhalten bleibt.“ Edelgard Glatz (64) aus Memmingen besucht Karstadt regelmäßig, da die Filiale "ein sehr gutes Warensortiment und kundenfreundliche Angebote hat".

Für die Städte gab es keinen Plan B

Für den Fall, dass die Allgäuer Filialen dichtgemacht hätten, gab es weder in Kempten noch in Memmingen einen Plan B für die Nachnutzung der Gebäude. Da die betreffenden Immobilien nicht im Besitz der beiden Städte sind, beschränke sich deren Einflussmöglichkeit auf städtebauliche Rahmenbedingungen, sagt Kemptens Wirtschafts-Referent Dr. Richard Schießl.

In Memmingen ist die „Deutsche Mittelstand Real Estate“, kurz Demire AG, die das Gebäude im Frühjahr 2019 gekauft hatte, Vermieter. Nach eigenen Angaben erwirbt und hält die Gesellschaft mit Sitz in Langen (Hessen) „Gewerbeimmobilien in mittelgroßen Städten und aufstrebenden Randlagen von Ballungsgebieten in ganz Deutschland“.

>> Kommentar: Tief Durchatmen - Galeria Kaufhof und Karstadt bleiben in Kempten und Memmingen >>

Sechs Filialen in Bayern von Schließung bedroht

Sechs der im Zuge der Sanierung von Schließung bedrohten Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) sind in Bayern. Dort wären rund 800 Mitarbeiter direkt betroffen, wenn die Häuser wie geplant dicht machen, wie ein Verdi-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Freitag sagte. Allerdings will die Gewerkschaft noch um Häuser kämpfen.

Konkret bedroht sind dem Sprecher zufolge Karstadt in Ingolstadt, in Nürnberg die Häuser an der Lorenzkirche und in Langwasser sowie in München die Häuser am Nordbad und am Olympia-Einkaufszentrum sowie die Galeria am Stachus. "Wir werden uns jetzt daransetzen und darum kämpfen, dass diese Liste möglichst verringert wird", sagte ein Sprecher. Dazu wolle man mit der Politik, dem Unternehmen und den Besitzern der Immobilien sprechen. "Noch ist die Messe nicht gelesen."

Lesen Sie dazu auch: