Jugendliche vor dem Landgericht Kempten

Jugend-Clique vor Gericht: Party-Rangelei oder bewaffneter Überfall?

Zwischen 15 und 21 Jahren sind die Angeklagten. Sie sollen im Ostallgäuer Schwangau schwere räuberische Erpressung begangen haben.

Zwischen 15 und 21 Jahren sind die Angeklagten. Sie sollen im Ostallgäuer Schwangau schwere räuberische Erpressung begangen haben.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Zwischen 15 und 21 Jahren sind die Angeklagten. Sie sollen im Ostallgäuer Schwangau schwere räuberische Erpressung begangen haben.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Jugendliche stehen wegen schwerer räuberischer Erpressung vor der Jugendkammer des Landgerichts Kempten. Das wird ihnen vorgeworfen und so lief die Verhandlung.
19.02.2021 | Stand: 07:19 Uhr

Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung haben sich seit Donnerstag vor der Jugendkammer des Kemptener Landgericht ein 16-Jähriger und ein 21 Jahre alter Mann sowie eine 19-Jährige zu verantworten. Eine Jugendliche (17) und ein 15 Jahre alter Schüler sitzen ebenfalls auf der Anklagebank: Wegen Beihilfe. Ein Urteil wird erst am 10. März erwartet. Laut Staatsanwaltschaft hatten die jetzt angeklagten jungen Leute mit deutscher Staatsangehörigkeit am Abend des 17. Juli 2020 eine Party-Gesellschaft anderer Jugendlicher im Ostallgäuer Schwangau überfallen. Die beiden Haupttäter, 16 und 21 Jahre alt, sollen maskiert und mit Messern bewaffnet die Herausgabe von Bargeld, Drogen und Handys gefordert haben. Mit 120 Euro und einem Handy verließen sie den Tatort. An jenem Sommerabend im vergangenen Jahr hatten sich der 21-Jährige und der 16 Jahre alte Jugendliche sowie die anderen jungen Leute zunächst auf einer Parkbank in Füssen getroffen. Es wurde geraucht und getrunken, Drogen machten offensichtlich die Runde – zumindest bei einigen.

„Es war nur ein Brotzeitmesser“

Irgendwann soll der 16-Jährige vorgeschlagen haben, die Party in einer Wohnung im Haus einer Familie in Schwangau aufzumischen. Denn ein Mitglied dieser Gruppe habe dem 16-Jährigen noch Geld geschuldet. Der 21 Jahre alte Angeklagte sagte gestern, eigentlich habe es im Haus der nicht anwesenden Eltern von einem der Jugendlichen lediglich eine „Rangelei“ gegeben. Niemand habe gewollt, dass da etwas eskaliert. Und er bestritt, mit einem Messer gedroht zu haben. Er habe lediglich – wie immer – sein Brotzeitmesser dabei gehabt. Zum Tatzeitpunkt sei er betrunken gewesen und habe Drogen genommen. Deswegen könne er sich an viele Details auch nicht mehr erinnern: „Nüchtern hätte ich so etwas niemals gemacht.“ Erst am nächsten Tag habe er erfahren, dass er ein fremdes Handy mitgenommen hatte.

Inzwischen habe er sich bei den Jugendlichen entschuldigt, versicherte der selbstbewusst auftretende 16 Jahre alte Angeklagte. Das angeblich erbeutete Geld sei ebenfalls zurückgezahlt worden.

Nur Wasser und Saft getrunken

Unterschiedlich waren die Schilderungen über das, was an jenem Abend in dem Haus in Schwangau abging. Dort seien „alle auf Drogen gewesen“, sagte der älteste Angeklagte. Ein Gast jenes Abends versicherte dagegen im Zeugenstand, es sei nur Wasser und Saft getrunken worden. Sie leide heute noch unter den Vorfällen, sagte eine Zeugin, die bei der Party in Schwangau ebenfalls zu Gast gewesen war. Sie habe das alles erlebt „wie in einem schlechten Film“. Geblieben seien ihr regelrechte Panikattacken und Schlafstörungen. Die 18-Jährige versicherte: „Beide sind mit Messern bewaffnet gewesen.“ Der 17 Jahre alten Jugendlichen wird Beihilfe vorgeworfen. Sie soll an der Eingangstüre des Hauses in Schwangau geklingelt haben. Die ebenfalls angeklagte 19-Jährige fuhr laut Anklageschrift die Clique zum Tatort und beteiligte sich an dem Überfall.

Das Gerichtsverfahren verzögert sich, weil für einen Angeklagten noch ein Gutachten erstellt wird: In Bezug auf die Schuldfähigkeit aufgrund des Drogenkonsums und wegen der möglicherweise vorliegenden Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Entzugsanstalt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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