Allgäu

„Kampagne gegen unseren Kandidaten“

Alfons Hörmann

Alfons Hörmann

Bild: Foto: Ralf Lienert

Alfons Hörmann

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Kommunalpolitik Nach der verlorenen Landratswahl im Oberallgäu greift CSU-Bezirkschef Markus Ferber die Freien Wähler an. Diese weisen die Kritik zurück und sprechen von einer „offenen Flanke“ bei Alfons Hörmann
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Von hku, raf, jan
30.03.2020 | Stand: 18:29 Uhr

Das Ziel der CSU war klar: „Das Oberallgäu halten, das Unterallgäu zurückgewinnen“, sagt Bezirksvorsitzender Markus Ferber. Beides ging schief. In der Stichwahl haben, wie berichtet, beide Landratskandidaten verloren. Die Niederlage des Oberallgäuer Bewerbers Alfons Hörmann gegen Indra Baier-Müller (Freie Wähler) hat viele Christsoziale wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. „Auch ich war überrascht“, sagt Ferber, schließlich habe Hörmann nach dem ersten Wahlgang klar vorn gelegen. In der Stichwahl gewann er bei fast gleicher Wahlbeteiligung kaum Stimmen hinzu, Baier-Müller hat dagegen ihre Stimmenzahl mehr als verdoppelt: von 17 752 auf 39 464.

Er habe das Gefühl, dass „eine Kampagne gegen unseren Kandidaten“ gelaufen ist, sagt Ferber. Der CSU-Bezirkschef meint die Diskussion darüber, ob Hörmann Landrat werden und gleichzeitig Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bleiben kann. Der 59-Jährige hatte angekündigt, das DOSB-Amt auch im Falle seiner Wahl zum Landrat zu behalten. Kritiker monierten, dass sich ein Kreischef voll auf diese Aufgabe konzentrieren müsse.

Auch Freie Wähler hätten mit der Aussage Wahlkampf gemacht, dass ein Landrat Hörmann zu wenig im Oberallgäu präsent sein werde, wenn er auch DOSB-Präsident ist, sagt Ferber. „Das hat wohl verfangen. Unser Koalitionspartner verhält sich in München völlig anders als vor Ort.“ Befragt nach dem Unterschied, antwortet Ferber: Beim Regieren in der Landeshauptstadt gebe es ein „vertrauensvolles Miteinander“ mit den Freien Wählern.

Alexander Hold (Kempten), Bezirkschef der Freien Wähler, lässt diese Kritik nicht gelten: Man gehe vor Ort respektvoll miteinander um. Es sei außerdem nicht unfair gewesen, Hörmanns führende Rolle beim DOSB zu thematisieren. „Denn genau das war die Sorge, die viele Bürger hatten.“ Hörmann habe selbst für diese offene Flanke gesorgt.

„Das war frech, aber nicht unter der Gürtellinie:“ So beschreibt Hugo Wirthensohn, Vorsitzender des FW-Kreisverbandes Oberallgäu, die Angriffe der Freien Wähler vor der Stichwahl. Wobei das Thema DOSB in seinen Augen nur bedingt entscheidend gewesen sei: „Ich glaube eher, dass etliche Wähler die überzogene Unterstützung Hörmanns durch prominente CSU-Vertreter abgeschreckt hat.“ Indra Baier-Müller habe mit der Leitung der Diakonie und deren 550 Mitarbeitern bewiesen, dass sie auch eine Behörde wie das Landratsamt führen könne, sind Hold und Wirthensohn überzeugt. Klar sei aber auch, dass sie die bislang nur grob umrissenen politischen Ziele nun detailliert mit Inhalt füllen müsse.

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Hörmann selbst äußerte sich gestern nur sehr knapp. Auf die Frage, wie Parteifreunde auf das Ergebnis reagiert hätten, hieß es: „Über interne Gespräche berichte ich nicht öffentlich.“ Und zu seiner beruflichen Zukunft im Hinblick darauf, dass die Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Bauteile-Unternehmens Schröck Ende April endet, schreibt Hörmann: „Das ist ab heute Privatsache.“ In einem Brief an Oberallgäuer Parteifreunde übernimmt er die volle Verantwortung für das Wahlergebnis. Altlandrat Gebhard Kaiser, 20 Jahre lang CSU-Kreischef, führt die Niederlage unter anderem auf zu wenig Zusammenhalt in der Partei zurück. „Wir waren früher auch oft verschiedener Meinung, aber wir haben immer gewusst, wann es drauf ankommt.“

„So richtig kann ich das Ganze noch gar nicht fassen“, gibt Wahlsiegerin Baier-Müller zu. „Ich hatte mit einem Sieg von Alfons Hörmann gerechnet.“ Sie habe „großen Respekt“ vor dem Amt und den damit verbundenen Aufgaben. Respekt habe sie aber auch vor ihrem Gegenkandidaten. Der Ton im Wahlkampf sei zwar nach dem ersten Wahlgang etwas schärfer geworden. Die nötige Achtung vor dem politischen Gegner habe aber nie gefehlt. Nun gelte es, die Ziele als Landrätin exakt zu formulieren – wobei es derzeit nur ein Thema gebe: Corona. Die erste Amtshandlung steht für die 49-Jährige schon fest: Sie will mit vielen der Menschen ins Gespräch kommen, mit denen sie künftig zusammenarbeiten wird.

Die Christsozialen müssen nicht nur die Schlappe im Oberallgäu verdauen. Im Unterallgäu bekam ihr Kandidat Rainer Schaal nur 19,9 Prozent der Stimmen und war chancenlos gegen Alex Eder (Freie Wähler). Bei Bundes- oder Landtagswahlen erziele die CSU im Unterallgäu sehr gute Ergebnisse, sagt Ferber. „Das zeigt, dass bei Landratswahlen die Persönlichkeit und nicht die Partei gewählt wird“, sagt der CSU-Bezirkschef: „Über den Wahlerfolg wird schon bei der Auswahl der Kandidaten entschieden.“

Trotz der Niederlagen in den beiden Landkreisen sieht Ferber das Kommunalwahl-Ergebnis der Allgäuer CSU nicht negativ. Er verweist auf Wahlerfolge in zahlreichen Kreisen und Städten und kommt zu dem Schluss: „Das Allgäu ist weiterhin fest in bürgerlicher Hand.“ Dies sei CSU und Freien Wählern zuzurechnen. Es habe bei der Kommunalwahl keine „rot-grüne Revolution“ gegeben.