Prozess in Kaufbeuren

27-Jähriger fährt Passanten an: War er betrunken?

Hat ein 27-Jähriger vor oder nach einem Unfall im November getrunken? Gericht entscheidet: Das soll ein Gutachten klären.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Hat ein 27-Jähriger vor oder nach einem Unfall im November getrunken? Gericht entscheidet: Das soll ein Gutachten klären.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Im November hat ein Autofahrer einen Passanten in der Nähe von Kaufbeuren angefahren.  Unklar ist jedoch, ob er vor oder nach dem Unfall getrunken hat.

11.06.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Dass ein 27-jähriger Autofahrer in einer Novembernacht des vergangenen Jahres in einer Kaufbeurer Umlandgemeinde einen auf der Straße laufenden Fußgänger touchiert und den am Knie verletzten 41-Jährigen ins Klinikum gebracht hatte, stand in einem Strafprozess vor dem Amtsgericht fest. Nichts zu rütteln gab es auch daran, dass eine circa zwei Stunden nach dem Unfall genommene Blutprobe einen Wert von 1,17 Promille ergeben hatte. Die entscheidende Frage war vor Gericht allerdings, ob der Ostallgäuer vor dem Unfall Alkohol getrunken hatte – oder erst danach. Um dies zu klären, ist der Prozess ausgesetzt und ein Gutachten angefordert.

Dass dies nicht schon im Vorfeld der Verhandlung geschehen war, lag daran, dass sich der Autofahrer bislang nicht zur Sache geäußert hatte. In seinem Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung machte er jetzt einen sogenannten „Nachtrunk“ geltend: Er sei beim Unfall nüchtern gewesen und habe erst danach vier Wodka-Mixgetränke zu sich genommen, weil er „ziemlich im Schock“ gewesen sei und nicht habe einschlafen können. Der Strafbefehl war von einem alkoholbedingten Unfall ausgegangen und hatte auf 200 Tagessätze zu je 40 Euro gelautet, insgesamt also auf eine Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro. Er sah außerdem vor, dass der seinerzeit sichergestellte Führerschein des Mannes noch weitere sechs Monate gesperrt bleibt.

Passant ging schwankend auf die Fahrbahn

Der Angeklagte war in der fraglichen Nacht auf dem Heimweg gewesen, als er innerorts plötzlich Lichthupensignale bemerkte. Diese kamen von einer Autofahrerin, der ein offenbar alkoholisierter Fußgänger aufgefallen war. Wie sich die junge Frau jetzt als Zeugin vor Gericht erinnerte, sei der Passant „recht schwankend“ unterwegs gewesen – zuerst noch auf dem Gehweg und dann auf Fahrbahn. Aus der Aussage ging auch hervor, dass die Sichtverhältnisse in diesem Bereich nicht gut waren. Als der Angeklagte die Warnsignale bemerkte, verlangsamte er seine Geschwindigkeit, war aber nach eigenen Angaben „ziemlich auf das andere Auto fixiert.“ Er habe deshalb den Fußgänger zu spät gesehen und trotz eines Ausweichmanövers mit dem Seitenspiegel gestreift. Der Passant stürzte zu Boden und klagte danach über Schmerzen im Bein.

Zwei Stunden später klingelt die Polizei an der Tür

Daraufhin brachte ihn der Autofahrer ins Klinikum, wo eine Außenbandverletzung am Knie diagnostiziert wurde. Nachdem er den Verletzten am Krankenhaus abgesetzt hatte, fuhr der 27-Jährige nach Hause, wo er circa zwei Stunden später von der Polizei geweckt wurde. Wie sich ein Beamter als Zeuge vor Gericht erinnerte, habe der Mann eine „ordentliche Fahne“ gehabt. Einen freiwilligen Alkoholtest habe er verweigert und auf die Ankündigung der Blutentnahme unwillig reagiert. Nachdem er auch noch geäußert habe, dass er „gleich ausrasten“ werde, sei ihm die vorläufige Festnahme erklärt worden.

Weil sich der Ostallgäuer sperrte, enthielt der Strafbefehl auch einen Schuldspruch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Vor Gericht bedauerte der Angeklagte sein Verhalten und entschuldigte sich bei dem Polizisten. Dieser nahm die Entschuldigung an.