Diskussion um Beratungs-Paragraf

Donum Vitae hält an Beratungspflicht vor Abtreibung fest

Ungewollt schwanger: Vor einem Abbruch müssen Frauen eine Beratungsstelle aufsuchen. (Symbolfoto)

Ungewollt schwanger: Vor einem Abbruch müssen Frauen eine Beratungsstelle aufsuchen. (Symbolfoto)

Bild: Chanintorn.v - stock.adobe.com

Ungewollt schwanger: Vor einem Abbruch müssen Frauen eine Beratungsstelle aufsuchen. (Symbolfoto)

Bild: Chanintorn.v - stock.adobe.com

Die Paragrafen 218 und 219 sind höchst umstritten. Warum der Verein, der auch Frauen in Kaufbeuren berät, gegen die Abschaffung der Beratungspflicht ist.
17.06.2021 | Stand: 15:06 Uhr

Seit 1871 stehen Abtreibungen im Strafgesetzbuch. Aktuell hat das 150-jährige Bestehen des umstrittenen Paragrafen 218 die Diskussion um die gesetzliche Beratungsregelung neu entfacht. Auch Donum Vitae nimmt als Träger staatlich anerkannter Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen Stellung zur Debatte um die Paragrafen 218 und 219.

Die Beratungsstellen von Donum Vitae sind berechtigt, einen Beratungsnachweis gemäß Paragraf 219 auszustellen. So auch die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Kaufbeuren, die im Oktober ihr fünfjähriges Bestehen feiert. In den vergangenen fünf Jahren haben die Mitarbeiterinnen dort über 300 Frauen im Schwangerschaftskonflikt begleitet.

Frauen erleben Gespräche als entlastend

Erfahrungen aus den Konfliktberatungen hätten gezeigt, dass die Mehrheit der ungewollt Schwangeren die Gespräche als unterstützend und entlastend erlebt – unabhängig davon, wie deutlich Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch tendieren. Die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch allein treffen zu dürfen, sei für die Frauen eine befreiende Erfahrung. Noch mehr als diese Entscheidungsfreiheit zu haben, wünschten sie sich jedoch niemals in eine solche Entscheidungssituation gekommen zu sein. Denn diese Entscheidung allein verantworten zu müssen, empfinden zahlreiche Frauen gleichzeitig auch als Last.

Beraterinnen sollen unvoreingenommen sein

„Viele unserer Klientinnen berichten immer wieder, wie hilfreich es für sie war, in wertschätzender Atmosphäre mit einer unvoreingenommenen Beraterin über ihre Situation sprechen zu können“, so Mirjam Schäffler, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der Kaufbeurer Beratungsstelle. Nicht selten gehe eine ungewollte Schwangerschaft mit einer schwierigen sozialen Situation einher, die Frauen an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen könne. In der Konfliktberatung werden Ratsuchende über mögliche Hilfen informiert, zudem werde ihnen weitere Begleitung angeboten. (Lesen Sie auch: Ungeplante Schwangerschaft: Hier wird werdenden Müttern im Westallgäu geholfen)

Ohne die gesetzliche Beratungsregelung wäre ihnen diese Hilfe vermutlich nicht zuteil geworden, weil sie – nach eigenen Aussagen – mit höchstwahrscheinlich keine Beratungsstelle aufgesucht hätten. Aus Sicht der Mitarbeiterinnen in der Kaufbeurer Beratungsstelle ist die gesetzliche Beratungsregelung in erster Linie eine Chance, in einer Ausnahmesituation niederschwellig Unterstützung zu erfahren. Die Beraterinnen wollen ermutigen und Verständnis wecken – nicht belehren oder bevormunden.

Lesen Sie auch
##alternative##
Vor Gericht in Schweinfurt

Prozess wegen Mordes - Mutter soll Neugeborenes getötet haben

Nach den gesetzlichen Vorgaben muss die Beratung zielgerichtet dem Schutz des ungeborenen Lebens dienen und ergebnisoffen sein. Laut Schäffler biete Donum Vitae der Schwangeren den geschützten und professionellen Rahmen, alle Aspekte ihrer Schwangerschaft zu betrachten und zu bewerten. Der Frau werde geholfen, ihre Situation umfassend wahrzunehmen und zu bewältigen.

Ermutigen und unterstützen

„Die Schwangere wird ermutigt und unterstützt, Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten, die in ihr selbst und in ihrem sozialen Umfeld liegen, zu erkennen und zu prüfen. Dazu gehört das Aufzeigen von konkreten, auch materiellen Hilfen für ein Leben mit dem Kind“, sagt Schäffler. Auf dieser Grundlage könne die Frau eine informierte, gewissenhafte und frei verantwortete Entscheidung treffen. Donum Vitae begleitet sie weiter – unabhängig davon, wie sich die Frau entscheidet. Die Beratungspflicht stärke die Frau und sei damit der beste Schutz für das Leben des ungeborenen Kindes. Darum sei die geltende Regelung beizubehalten.

Weitere Informationen zum Beratungsangebot sind auf der Webseite zu finden. Die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen von Donum Vitae in Kaufbeuren (Am Hofanger 15a) ist erreichbar unter Telefon 08341/9993650, oder per E-Mail an kaufbeuren@donum-vitae-bayern.de.

Lesen Sie auch: „Für keine Frau ist das eine leichtfertige Entscheidung" - Demo gegen Abtreibungsparagraf in Kempten