Kaufbeuren

Alle packen an

Dorfzentrum Hebauf an der ehemaligen „Sonne“ in Hirschzell, die zu einem Gemeinschaftshaus umgebaut wird. Warum der Regierungspräsident anreist und das Ziel schon jetzt erreicht ist
##alternative##
Von Alexander Vucko
29.09.2019 | Stand: 16:35 Uhr

Es ist ein Vorhaben, das sich viele Gemeinden wünschen, hin und wieder auch unter größter Anstrengung selbst anschieben: ein Gemeinschaftszentrum als Treffpunkt, Vereinsheim und Dorfmittelpunkt. Was in Hirschzell entsteht, ist allerdings in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Das Unternehmerehepaar Katharina und Wolfgang Wiedemann baut die ehemalige Gaststätte „Sonne“ zu einem neuen Dorfzentrum um. Mit Stiftungsgeld, ohne staatliche Zuschüsse und, wie Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner beim Hebauf am Freitag sagte, mit einer „großartigen Gemeinsamkeit“, die sich schon jetzt beim Bau zeigt.

Weit gediehen ist das zwei Millionen Euro teure Vorhaben, das aus einem mittlerweile entkernten landwirtschaftlichen Gebäude samt Stallungen aus der Mitte des 18. Jahrhundertes besteht. Damals diente es als Zwischenstation für betuchte Reisende, bevor es zu einer normalen Gastwirtschaft wurde, die zuletzt lange leer stand. Bis es die Wiedemanns zu ihrer Herzensangelegenheit machten. Grundlage des Engagements ist eine Stiftung, in die der Gasthof als Vermögenswert eingebracht worden ist und zu der auch die Stadt 600 000 Euro beigesteuert hat. Die Regierung ist die Rechtsaufsicht der „Katharina und Wolfgang Wiedemann Stiftung“, in die sich jedermann finanziell einbringen kann, und in deren Vorstand neben dem Ehepaar Wiedemann auch Oberbürgermeister Stefan Bosse sitzt. Es war die erste Stiftungsurkunde, die Lohner seinerzeit in seinem neuen Amt unterzeichnet hatte, weshalb der Regierungspräsident am Freitag anreiste.

Wie so viele andere habe auch er sich gefragt: Schaffen die das?, bekannte Lohner. „Jetzt zeigt sich, dass die Stadt und der Oberbürgermeister gottfroh über dieses Engagement sein können.“ Das Ziel der Stiftung, das Gemeinschaftsleben in Hirschzell zu stärken und Akzente für die Innenentwicklung des Ortes zu setzen, sei beispielhaft für andere Kommunen. Auch Oberbürgermeister Stefan Bosse nannte das künftige Gemeinschaftshaus „etwas ganz Besonderes“. Anfangs habe man gemeinsam überlegt, eine staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. „Die Entscheidung war dann, es selbst in die Hand zu nehmen anstatt es aus der Hand zu geben“, sagte er angesichts der Auflagen. Schon jetzt, während der Bauzeit, sei das Ziel erreicht: Das ganze Dorf macht mit.

Das betonte auch Katharina Wiedemann, die nach wie vor begeistert ist, auf welche Resonanz die „eigentlich spontane Idee“ bei den Hirschzellern gestoßen ist und wie viele Helfer, darunter zahlreiche Jugendliche, mitmachen. Über die große Verlässlichkeit und Flexibilität der ohnehin voll ausgelasteten Baufirmen und Planer freute sich Wolfgang Wiedemann. Nachdem das Gebäude mithilfe vieler Hirschzeller bereits leer geräumt und von den Baufirmen entkernt worden ist, schreiten derzeit Umbau und Sanierung voran. Das Erdgeschoss wird als Aufenthaltsraum für bis zu 100 Besucher hergerichtet und um einen Wintergarten nach Süden hin erweitert. An dieser Seite entsteht auch ein Treppenhaus, ergänzt um einen Aufzug, damit das Gebäude barrierefrei wird. Investiert werden muss auch in den Schallschutz und Akustik. Richtung Ende kommenden Jahres soll die Eröffnung gefeiert werden. Dann steht das Haus unter anderem dem Musikverein Hirschzell als Probenraum und den Schützen als Vereinsheim mit acht Schießständen zur Verfügung. Sie statten ihre Räume selbst aus und zahlen Miete.

Gefeiert wurde am Freitag aber vor allem das Engagement der Handwerker. Die Männer, den neuen Dachstuhl unter ihren Füßen, stießen auf ihr Werk an. „Ein altes Gasthaus hier vorher schon stand, nun wird es gepackt in ein neues Gewand“, sprach Zimmermann Michael Vogt. „Die Arbeiten hier sind allesamt, sowohl aus Gesellen- und Meisterhand, als auch durch die vielen Helfer erbracht, was einen Ort der Gemeinschaft erst möglich macht.“

Lesen Sie auch
##alternative##
Impfgegner droht Stefan Bosse

Kaufbeurens OB sorgt sich um seine Familie: "Ich wurde als Mörder und Abschaum bezeichnet"

Was die Angelegenheit noch einmal, und zwar viel schöner, weil gereimt, auf den Punkt brachte.