Den Klimawandel im Blick

Artenreichtum soll her: Städtische Forstverwaltung setzt große Hoffnung in kleine Bäumchen

Aufforstung  Kaufbeuren

Richard Stark (rechts) und Florian Fingerle von der städtischen Forstverwaltung sehen nach den kleinen Bäumchen, die die Mitarbeiter ihrer Abteilung in der Nähe der Holzbrücke über die Neugablonzer Straße gepflanzt haben.

Bild: Mathias Wild

Richard Stark (rechts) und Florian Fingerle von der städtischen Forstverwaltung sehen nach den kleinen Bäumchen, die die Mitarbeiter ihrer Abteilung in der Nähe der Holzbrücke über die Neugablonzer Straße gepflanzt haben.

Bild: Mathias Wild

Die Kaufbeurer Forstverwaltung will klimatolerante Wälder heranziehen und hat heuer neue 7500 Pflanzen gesetzt. Eine Baumart wurde zum ersten Mal angepflanzt.
15.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Hungrige Rehe, trockene Sommer infolge des Klimawandels und Spaziergänger auf Abwegen. Die städtische Forstverwaltung muss an vieles denken, wenn sie neue Bäumchen setzen möchte. Nach sorgfältiger Planung haben die Mitarbeiter in diesem Frühjahr 7500 junge Bäume auf städtischen und stiftungseigenen Waldflächen gepflanzt.

Dabei wurde vor allem dort aufgeforstet, wo Bäume durch Stürme und Borkenkäferbefall in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Ein wichtiges Ziel bei der Auswahl der Baumarten: Artenreiche Mischwälder schaffen, die den Folgen des Klimawandels besser trotzen können als Monokulturen.

Kaufbeurer Wälder sollen klimatolerant werden

„Wir arbeiten auf klimatolerante Bestände hin, die mit den künftigen Witterungsbedingungen zurechtkommen“, erklärt Richard Stark, Leiter der städtischen Forstverwaltung. Auch deshalb hat die Abteilung heuer 13 unterschiedliche Baumarten wie Weißtanne, Lärche, Stieleiche, Elsbeere, Wildapfel und Walnuss gepflanzt. Weißtannen zum Beispiel sind wegen ihrer Pfahlwurzeln sturmresistenter, und Elsbeeren, Vogelkirschen und Bergahorn setzt die zunehmende Trockenheit nicht so zu.

Andere Bäume hat das Team angesiedelt, weil sie „ökologisch besonders wertvoll“ sind. So stehen nun auch kleine Wildapfelbäume auf städtischen Flächen, weil deren Früchte Tieren als Nahrung dienen. „Elsbeere und Kirsche sind dafür in der Zeit im Frühjahr, wenn es noch nicht viele Blüten gibt, eine gute Bienenweide.“

Kaufbeurer Forstverwaltung experimentiert mit neuen Baumarten

Die Forstverwaltung experimentiert auch mit einigen neuen Arten. So hat Stark ein paar kleine Edelkastanien setzen lassen – davon gebe es bisher nur wenige im Stadtgebiet. „Solche seltenen Pflanzen sind aber leider schnell vergriffen, weil sie gerade im Trend liegen“, erklärt Stark. Auch andere Kommunen und Waldbesitzer versuchten, ihre Monokulturen in Mischwälder umzuwandeln. Deren Vorteil sei klar: Der Wald im Ganzen ist nicht so anfällig für einzelne Schadfaktoren.

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Ein solcher Faktor ist zum Beispiel ein in Deutschland relativ neu eingewanderter japanischer Pilz. Das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ hat hierzulande zu einem weiträumigen Eschentriebsterben geführt. „Manche Baumarten sind den Schädlingen und Pilzen, die neu bei uns eingewandert sind, nicht gewachsen“, erklärt Stark. Wegen dieser Gefahr pflanze die städtische Forstverwaltung momentan keine Eschen mehr. Dabei machten sie noch vor einigen Jahren bis zu zehn Prozent der neu angepflanzten Bäumchen aus.

Mehr neue Bäumchen als sonst gepflanzt

Die 7500 Pflanzen, die im Frühjahr gesetzt wurden, sind etwas mehr als das, was die städtische Forstverwaltung sonst ausbringt. „Weil es seit 2015 mehr Kalamitäten wie zum Beispiel Stürme gibt, haben wir mehr Kahlflächen, die wir bestocken müssen“, erklärt Stark den Anstieg. Einen Großteil übernehme die Natur jedoch selbst: „60 bis 80 Prozent sind natürliche Verjüngung.“ So wachsen kleine Bäumchen normalerweise unter dem Schutz des Altholzes heran. Dieses bewahrt sie vor Frost und der Konkurrenz-Flora. „Wenn eine Fläche auf einen Schlag kahl geworden ist, haben junge Bäumchen es aber schwer, nachzuwachsen, da helfen wir dann nach.“

Mit Blick auf den Klimawandel steht Starks Plan für die kommenden Jahre fest: „Wir wollen ein Gespür dafür bekommen, welche Baumarten unser Klima und unsere Böden gut vertragen.“

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