"Wer Sonntag die Oma besuchen will, kommt Samstag zu uns"

Corona: Zwei Allgäuer Experten beantworten Fragen zu Schnell- und Selbsttests

Seit Donnerstag können sich Allgäuer kostenlos per Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen. Doch viele Menschen haben Fragen. Die beiden Kaufbeurer Apotheker Friedrich Teller (links) und Alexander Reichert geben Antworten.

Seit Donnerstag können sich Allgäuer kostenlos per Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen. Doch viele Menschen haben Fragen. Die beiden Kaufbeurer Apotheker Friedrich Teller (links) und Alexander Reichert geben Antworten.

Bild: Marijan Murat, dpa, Friedrich Teller, Alexander Reichert

Seit Donnerstag können sich Allgäuer kostenlos per Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen. Doch viele Menschen haben Fragen. Die beiden Kaufbeurer Apotheker Friedrich Teller (links) und Alexander Reichert geben Antworten.

Bild: Marijan Murat, dpa, Friedrich Teller, Alexander Reichert

Schnelltest oder Selbsttest? Kostenlos oder nicht? Was gibts in der Apotheke? Wer sich auf das Coronavirus testen will, hat oft viele Fragen. Die Antworten.
12.03.2021 | Stand: 12:11 Uhr

Hier testet der Chef selbst. Und zwar im Akkord: "Alleine von Donnerstagfrüh bis zum Mittag haben wir über 60 Menschen getestet ", sagt Friedrich Teller. Der 60-Jährige leitet die Gutenberg-Apotheke am Kaufbeurer Medicenter und trägt neben Apotheker-Kittel nun fast durchgehend FFP3-Maske, Faceshield, Schutzbrille und Handschuhe. Schon seit einem Monat bietet er (kostenpflichtige) Antigen-Tests in seiner Apotheke an und war deshalb auf den Ansturm vorbereitet.

Andere Apotheke, anderes Bild: Alexander Reichert, 29 Jahre alt und Chef der Kaufbeurer Brunnen-Apotheke bietet noch keine Schnelltests an. "Da hat uns die Politik schon ein wenig überfahren", sagt er.

Seit Donnerstag darf sich jeder Allgäuer ein Mal in der Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das Interesse ist enorm und die Unsicherheit groß. Wer sich in der Apotheke testen lassen will, hat oft viele Fragen. Unsere Experten geben Antworten.

Corona-Schnelltests in der Apotheke - wie läuft das ab?

"Ein bisschen angenehmer als ein PCR-Test ist der Schnelltest jedenfalls", sagt Friedrich Teller schmunzelnd. Die Abstrich-Stäbchen seien dünner und gingen nicht so weit in die Nase, so Teller. Davor müsse sich der Kunde schnäuzen, bei ihm wird kontaktlos Fieber gemessen. In einem separaten Raum nehmen Teller oder seine Mitarbeiter den Abstrich ab. Nach etwa 15 bis 30 Minuten kommt das Ergebnis - entweder per Mail oder der Kunde wartet vor der Apotheke.

Wer darf getestet werden?

In der Apotheke dürfen nur Menschen getestet werden, die symptomfrei sind. Husten, Halsweh, Fieber: Hier empfiehlt Teller den Anruf beim Hausarzt oder den Termin in einem Testzentrum. Auch Kinder über sechs Jahren können einen Schnelltest in der Apotheke machen. Hier könne sogar ein Abstrich im Rachen reichen, der für die Kleinen angenehmer ist.

Muss man sich anmelden?

Auf der Website der Gutenberg-Apotheke können Kunden einen Termin zur Testung vereinbaren. Zwar gäbe es Laufkundschaft bei den Tests, sagt Teller, aber "das versuchen wir zu vermeiden." Denn wichtig sei, "dass die Kunden mit einer möglichen Infektion nicht bei uns vor der Apotheke Schlange stehen", sagt Teller. Wenn Alexander Reichert die Tests in Zukunft anbietet, dann vermutlich auch nur mit Termin.

Wie aussagekräftig ist der Schnelltest in der Apotheke?

Nach einem negativen Test, so Teller, kann man sich sicher sein, nicht als Superspreader zu gelten. "Völlig ausschließen lässt sich eine beginnende Corona-Infektion durch die Tests jedoch nicht", so Teller. Der Test biete eine Momentaufnahme mit 97-prozentiger Zuverlässigkeit.

Deshalb sagt er seinen Kunden: "Wer am Sonntag die Oma besuchen will, kommt am Samstag zu uns."

Schnell- und Selbsttest: kostenlos oder nicht?

Einmal in der Woche darf sich jeder Bundesbürger kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das, so Teller, gelte für Schnelltests in der Apotheke (oder beim Hausarzt und im Testzentrum). Wer sich allerdings einen Laien-Selbsttest mit nach Hause nehmen will, muss dafür zahlen. Solch einen Selbsttest hat auch Alexander Reichert in der Brunnen-Apotheke im Sortiment. Kostenpunkt: Rund 15 Euro.

Vorsicht: Nicht verwechseln. Die Corona-Schnelltests können ein Mal in der Woche kostenlos gemacht werden. Die Selbsttests (Bild) muss man derzeit in jedem Fall bezahlen.
Vorsicht: Nicht verwechseln. Die Corona-Schnelltests können ein Mal in der Woche kostenlos gemacht werden. Die Selbsttests (Bild) muss man derzeit in jedem Fall bezahlen.
Bild: Christophe Gateau, dpa (Archiv)

... und wird das kontrolliert?

Bei negativen Tests müssen personenbezogene Daten, also etwa Name, Adresse oder E-Mail, nach 24 Stunden gelöscht werden, so Teller.

Freitesten - wann gibt es eine Bestätigung - und wie lange ist die gültig?

"Bei einem negativen Testergebnis bekommt der Kunde entweder eine E-Mail oder eine schriftliche Bestätigung", sagt Teller. Wie lange die gültig sind, kann der Apotheker selbst aber nicht einschätzen. Viele Urlauber möchten sich zum Beispiel bei ihm für den Grenzübertritt testen lassen - doch von Land zu Land oder von Unternehmen zu Unternehmen gibt es verschiedene Anforderungen. Da müsse sich jeder selbst informieren, so Teller.

Mein Corona-Test ist positiv - was passiert dann?

"Ist der Test positiv, müssen die Patienten in häusliche Isolation und einen PCR-Test machen", sagt der Chef der Gutenberg-Apotheke. Außerdem muss er die entsprechenden Daten ans Gesundheitsamt melden.

Warum macht nicht jede Apotheke mit?

Ressourcen, Personal, organisatorischer Aufwand: "Da ist die Politik schon ganz kräftig vorgeprescht", sagt Apotheker und Leiter der Brunnen-Apotheke Alexander Reichert. Sehr kurzfristig hätten er und sein Team auch einen zusätzlichen Raum für die Testung und einen separaten Eingang zur Verfügung stellen sollen: "Das liegt ja in meiner Verantwortung als Apotheker, dass sich niemand bei mir ansteckt."

Erst am Mittwoch bekam er die Details, wie die Apotheken in der nationalen Teststrategie eingebunden sind. Noch sei nicht klar, wer beispielsweise für die nötige Schutzausrüstung aufkomme, so Reichert. Auch die Software zur Terminvergabe koste Geld.

Obwohl er die Tests noch nicht anbietet: Die immer häufiger kommenden Fragen stören ihn nicht. "Dazu sind wir ja da." 'Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker' sei schließlich kein Slogan aus der Werbung.

Corona-Tests im Check: Das sind Selbsttests und Schnelltests

  • Unter Selbsttest (auch Laientest) versteht man Produkte, die der Kunde mit nach Hause nehmen kann. Er testet sich selbst, zum Beispiel durch einen Abstrich, und bekommt nach etwa einer Viertelstunde das Ergebnis. Diese Tests kosten in der Apotheke zwischen 15 und 20 Euro. Auch Discounter und Drogeriemärkte bieten Selbsttests an - wenn sie nicht gerade ausverkauft sind.
    Zu den Selbsttests schreibt Apotheker Teller auf seiner Website: "Die Handhabung ist nicht supereinfach und die Fehlermöglichkeiten sind groß. Die Durchführung ist komplexer als bei einem Schwangerschaftstest. Aber: Besser ein Test, der hin und wieder versagt, als gar keiner."
  • Beim Schnelltest dagegen übernimmt speziell geschultes Personal die Testung. So auch in der Gutenberg-Apotheke in Kaufbeuren. Auch hier gibt es das Ergebnis nach etwa 15 bis 30 Minuten. Die Kosten: etwa 30 Euro. Ein Mal in der Woche darf sich aber jeder Allgäuer kostenlos einem Schnelltest unterziehen.
  • Bei beiden Tests wird die aktuelle Viruslast im Körper ermittelt. Beide gelten als "Momentaufnahme."
  • Ist ein Patient beim Antigen-Test positiv, bekommt er eine Übermittlung zum PCR-Test - zum Beispiel in einem Allgäuer Testzentrum. Die Testperson muss in häusliche Isolation gehen. Auch bei einem positiven Selbsttest sollen Patienten zum PCR-Test.

Wie geht es nun weiter? Allein für die Antigen-Schnelltests stellte Friedrich Teller neue Mitarbeiter ein, ab nächster Woche könne er wöchentlich etwa 1.600 Schnelltests durchführen. "Ich denke, das werden die Kunden auch nutzen." Bis Mitte nächster Woche will Alexander Reichert entscheiden, ob er die Antigen-Tests anbietet.

Bilderstrecke

Corona im Allgäu: Eine Chronologie der Krise in Bildern

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