Traditionsverein ESVK

Auf dünnem Eis - Rückblick auf das vergangene Jahr für den ESVK

Eishockey ESVK RV 75

Es war angerichtet: Am 15. Januar 1946 wurde der ESVK (in Schwarz) gegründet. Darauf wiesen auch Banner 75 Jahre später hin. Doch statt einer Feier zum 75-jährigen Bestehen gab es am 1. Januar 2021 leere Ränge gegen Ravensburg.

Bild: Harald Langer

Es war angerichtet: Am 15. Januar 1946 wurde der ESVK (in Schwarz) gegründet. Darauf wiesen auch Banner 75 Jahre später hin. Doch statt einer Feier zum 75-jährigen Bestehen gab es am 1. Januar 2021 leere Ränge gegen Ravensburg.

Bild: Harald Langer

Die große Sause zum 75-jährigen Bestehen des ESV Kaufbeuren fällt coronabedingt aus. Corona setzt der sportlichen Institution auch wirtschaftlich zu. Wie sieht die Zukunft aus?

12.01.2022 | Stand: 07:08 Uhr

Zum zweiten Mal endete ein Jahr, das von Corona geprägt war. Unsere Redaktion blickt in diesen Tagen zurück und nach vorne - auf Ereignisse, Themen und Diskussionen, die die Stadt und ihre Bewohner bewegt haben.

Zapfig war es am 15. Januar 2021. Aber für den ESV Kaufbeuren sollte das keine Rolle spielen, denn die große Feier mit einem Sonderbier zum 75-jährigen Bestehen hätte ja in der beheizten Erdgas Schwaben Arena stattgefunden – mit Fans und einem Extra-Trikot beim Derby in der DEL2 gegen die Ravensburg Towerstars. Doch Corona machte den Planern einen Strich durch die Rechnung: Die Party wurde abgesagt und die Partie ohne Zuschauer auch noch 1:4 verloren. „Das Jubiläum war da, aber stattgefunden hat nichts“, fasst es ESVK-Geschäftsführer Michael Kreitl zusammen. Und Corona war und ist noch immer aktuell.

Sportlich war 2020/21 in Ordnung

Insofern sei auch ein Nachholtermin für eine Feier ungewiss. „Es gibt natürlich schon einige Ideen, aber eine langfristige Planung, was möglich ist oder nicht, ist eben nicht möglich“, erklärt Kreitl. Denn Ziel sei es immer noch, zusammen mit den Fans das kleine Jubiläum nachzuholen. Doch der ESVK musste auch nach seiner abgesagten Feier weiterhin ohne Zuschauer auskommen. Immerhin erreichten die Joker die Play-offs in der DEL2: „Für die junge Truppe war der sechste Platz ein Erfolg“, meint der Geschäftsstellenleiter. Auch wenn der ESVK in der ersten Play-off-Runde gegen den Tabellendritten, EHC Freiburg, in fünf Spielen ausschied. „Die Serie haben wir im vierten Spiel verloren“, erklärt Kreitl. Denn in der Partie hatten die Joker gleichsam den Matchball – und vergaben ihn. „Sportlich war die Saison aber in Ordnung“, bekräftigt Kreitl.

Nachwuchsförderung lohnt sich

Schließlich gehöre es zur Eishockey-Philosophie der Kaufbeurer, auf junge und eigene Talente zu setzen. „Grundsätzlich ist das der richtige Weg – auch aus Kostengründen“, erläutert Kreitl. Daran werde sich auch nichts ändern. Und die „tolle Nachwuchsarbeit“ werde ja auch belohnt: Der ESVK schickte zum Jahresende zwei Spieler zur dann abgebrochenen U20-WM nach Kanada, Yannik Burghart und Markus Schweiger. Und Letzterer hatte fast ein Deja-vu: 2020 war er bereits bei der WM dabei, verpasste aber einen Teil aufgrund einer Quarantäne. Davon blieb Schweiger dieses Mal verschont, aber dann wurde die WM aufgrund coronabedingter Spielabsagen abgebrochen. Dennoch sei das Ereignis mit einer knappen Niederlage gegen Finnland und einem Sieg gegen Tschechien eine „tolle Geschichte“ für Burghart und Schweiger gewesen, sagt Kreitl.

Rob Pallin geht und Tray Tuomi kommt

Weniger schön sei der Abgang kurz nach Saisonbeginn 2021/22 von Trainer Rob Pallin gewesen. „Das kam auch für uns überraschend. Aber er hatte familiäre Probleme, da konnten wir ihn nicht aufhalten“, erklärt Kreitl. Doch den Wechsel zum ehemaligen Coach der Augsburger Panther, Tray Tuomie, „haben wir gut hingekriegt“, sagt der Geschäftsstellenleiter. „Ich kenne Tray. Das ist auch für ihn eine Chance, sich zu beweisen.“

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Da war der Wechsel an der ESVK-Spitze leichter zu bewältigen. Zwar trat Karl-Heinz Kielhorn nach 14 Jahren als geschäftsführender Vorsitzender auf der Hauptversammlung des Vereins zurück. „Aber es gab einen nahtlosen Übergang zu Karlheinz Peukert. Und Kielhorn ist ja als Ehrenvorstand noch dabei. Er hat sich nur aus dem operativen Geschäft zurückgezogen“, berichtet Kreitl.

Mal mit, mal mit wenig und meist ohne Publikum

Viel schwieriger sei die Lage durch die Pandemie. „Das Jahr war ein Auf und Ab“, meint der Geschäftsführer. Mal waren Zuschauer ausgesperrt, mal begrenzt erlaubt, zudem wechselten die Bedingungen von heute auf morgen: 3100 Zuschauer können in die Erdgas Schwaben Arena kommen, einen Teil der Plätze hat der Verein an Dauerkartenbesitzer verkauft. Doch die Bedingungen ermöglichten unter 2G einmal 1300 Besucher – und sogar Bier durfte zwischendurch mal verkauft werden. Aber aufgrund geänderter Corona-Beschlüsse waren es dann nur noch 175 Zuschauer – und jetzt sind es wieder Geisterspiele.

Reaktion statt Aktion

„Es ist eine Katastrophe und geht ins Eingemachte“, beklagt Kreitl. Denn aufgrund der wandelnden Vorgaben gebe es keine Planungssicherheit für den Verein. „Wir können nur noch reagieren und nicht mehr agieren“, beschreibt er das Dilemma. Insofern hofft Kreitl, dass sich heuer die politischen Versprechen eher an der Realität orientieren.

Pre-Play-offs und eine Nachholfeier

Die Lage wird durch die derzeitige sportliche Situation nicht erleichtert: Der ESV Kaufbeuren ist nach einer Niederlagenserie zum Jahreswechsel in der Tabelle abgerutscht und hat zwei Spieler ausgetauscht. „Unser Ziel bleiben die Top Ten, um in die Pre-Play-offs zu kommen. Wir wollen auf jeden Fall die Play-downs vermeiden“, betont Kreitl. Aber trotz dieser „schwierigen Zeit“ hat der Geschäftsführer auch Wünsche – wenn alles gut geht: „Wir hoffen, dass wir bald unsere Fans wiedersehen, mit ihnen die 75-Jahr-Feier nachholen und Corona endlich ad acta legen können.“