Altstadt Kaufbeuren

Autos raus: Eine Chance oder nur Zeitgeist?

In der Ludwigstraße gibt es vor allem an den Markt-Donnerstagen kaum noch ein Durchkommen für Fußgänger.

In der Ludwigstraße gibt es vor allem an den Markt-Donnerstagen kaum noch ein Durchkommen für Fußgänger.

Bild: Mathias Wild

In der Ludwigstraße gibt es vor allem an den Markt-Donnerstagen kaum noch ein Durchkommen für Fußgänger.

Bild: Mathias Wild

Braucht die Altstadt von Kaufbeuren eine Verkehrsberuhigung?: Das Pro und Contra von Renate Meier und Alexander Vucko.
21.01.2022 | Stand: 11:04 Uhr

Unsere Redakteurin Renate Meier findet:

Die Menschen tun sich schon in normalen Zeiten schwer mit Veränderungen – während einer Pandemie fallen sie vielen sicherlich noch schwerer. Deshalb mag es unklug erscheinen, gerade jetzt Veränderungen in der Altstadt vorzunehmen. Doch diese blutet nicht erst seit Corona aus. Die Leerstände mehrten sich schon vorher.

Deshalb ist es dringend an der Zeit, etwas zu bewegen. Und um Situationen zu verbessern, bleibt nur die Veränderung. Der Vorschlag der Stadtverwaltung, die Altstadt vom Verkehr zu entlasten und dafür mehr Leben einkehren zu lassen, hat Charme. Und Hand aufs Herz, täte es uns nicht allen und dem Klima gut, ein wenig mehr zu laufen. Es gibt genug Stellplätze am Rande der Innenstadt, ein kurzer Bummel vom Parkhaus aus, kann neue Perspektiven eröffnen. Vielleicht entdeckt der ein oder die andere sogar einen neuen Laden, den er/sie noch nicht kennt. Oder auch nur ein schönes Objekt im Schaufenster. Oder es ergibt sich ein Plausch mit einem Bekannten, die Lust auf einen spontanen Kaffee.

Das alles könnte zur Innenstadt-Belebung Kaufbeuren beitragen, vor allem mit den Kaufbeurern selbst. Bummel, bei denen man ständig aufpassen muss, nicht in ein Auto zu laufen, bereiten hingegen wenig Freude.

Redakteur Alexander Vucko sieht das anders:

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Parken und Verkehr in Kaufbeuren

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Es ist ja richtig, den Radlern und Bahnfahrern das Leben zu erleichtern. Der Autoverkehr muss weniger werden. Wegen der Sicherheit, wegen Lärm und Gestank, wegen des Klimas. Das ist für vernünftige Menschen doch alles unstrittig. Aber warum muss eigentlich die Altstadt immer für Experimente herhalten?

Dass weniger Verkehr im historischen Zentrum mehr Leben bringt, ist eine These, die stimmen mag. Bewiesen ist das nicht. Auch die Fußgängerzone ist in den fast 50 Jahren ihres Bestehens ja nicht zur Flaniermeile für die Massen geworden, nur weil dort keine Autos fahren. Ach, und was wäre es schön, wenn künftig für jeden abgeschafften Parkplatz in der Kaiser-Max-Straße ein Cafétisch oder ein Blumenkübel stünde. Sind wir mal ehrlich: Das wird nicht passieren.

Die ganze Wahrheit ist: Der Stadt fehlt der Mut, das große Rad zu drehen. Mal wieder über ein Parkhaus unter der Kaiser-Max-Straße nachzudenken. Oder gezielt Teile der Fußgängerzone für den Verkehr zu öffnen und woanders zu sperren. Oder Straßenzüge in der Altstadt zu überdachen. Stattdessen dem Zeitgeist hinterherlaufen und halbgare Versuche zulasten des Handels, der Gastronomie und der Autofahrer. Chance vertan.