Die hohe Kunst der Umbesetzung

Beim Blasiuskonzert in Kaufbeuren läuft so manches anders

Ein Heimspiel hatte Flötistin Kathrin Zajicek zusammen mit Ilhae Kim und Saki Sugawara (von rechts) beim jüngsten Blasiuskonzert in Kaufbeuren.

Ein Heimspiel hatte Flötistin Kathrin Zajicek zusammen mit Ilhae Kim und Saki Sugawara (von rechts) beim jüngsten Blasiuskonzert in Kaufbeuren.

Bild: Harald Langer

Ein Heimspiel hatte Flötistin Kathrin Zajicek zusammen mit Ilhae Kim und Saki Sugawara (von rechts) beim jüngsten Blasiuskonzert in Kaufbeuren.

Bild: Harald Langer

Das Ensemble 2 Nations sorgt für barocke Klangerlebnisse und macht so manches anders als von den Komponisten geplant. Eine Musikerin hat ein Heimspiel.
11.08.2022 | Stand: 13:00 Uhr

Mittlerweile hat sich wohl herumgesprochen, dass die Kaufbeurer Blasiuskonzerte diesen Sommer wieder ganz regulär stattfinden. Jedenfalls waren bei der zweiten von insgesamt vier Veranstaltungen in diesem Jahr die 120 Plätze in der spätgotischen Kirche an der Stadtmauer sehr gut gefüllt. Vielleicht lag es aber auch daran, dass es für eine der drei Musikerinnen des Ensermbles 2 Nations ein Heimspiel war: Die Wertachstädterin Kathrin Zajicek erfreute nicht nur mit ihrem exquisiten Blockflötenspiel, sondern auch mit ihrer humorvoll-launigen und zugleich informativen Moderation des Konzertes. Was eine technisch äußerst sichere und dabei lebendige und hochinspirierte Instrumentalkunst angeht, standen Zajicek ihre beiden japanischen Kolleginnen Saki Sugawara (Barock-Fagott) und Ilhae Kim (Cembalo) in nichts nach. Das Trio, das sich vor zwei Jahren gegründet hat, freute sich, an diesem Tag das erste Mal ein Konzert ohne irgendwelche Corona-Einschränkungen geben zu können.

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Zum Auftakt zweimal Händel

Zum Einstieg gab es zweimal Händel: Zunächst – unter Textbezug auf die „Carmina Burana“ – erklang die Instrumentalversion der Arie „Sulla ruota di Fortuna“ aus der Oper „Rinaldo“. Dabei hatten die drei Musikerinnen noch ihre ideale Balance im Kirchenraum gefunden. Im Vergleich zur Blockflöte wirkte die Basso-continuo- Fraktion aus sehr beweglichem Fagott- und sehr spritzigem Cembalo-Part etwas zu dominant. In „O ruddier than the cherry“ aus Händels „Acis und Galatea“ gab es dann dieses Problem nicht mehr: Zajicek ließ hier die Sopranino-Flöte zum Einsatz kommen, deren durchdringende Höhe, mit der nötigen Virtuosität ausgestattet, ohnehin alles andere mit Leichtigkeit überstrahlte.

Was ist besser: Blockflöte oder Fagott?

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Weiter ging es mit Telemann: Die Sonatine Nr. 5 in a-Moll sei eigentlich für Blockflöte und Basso continuo komponiert worden, erläuterte Zajicek, werde aber jetzt vom Fagott gespielt. Und: „Wenn man sie einmal mit Fagott gehört hat“, wolle „man sie nicht mehr auf der Blockflöte hören.“ Nun, die Flötistin behielt Recht mit ihrer Ankündigung. Sugawara konnte die hochgesteckten Erwartungen vollauf erfüllen – mit wunderbar weit gespannten, beseelt-tragenden Kantilene-Bögen im langsamen Kopfsatz und starken Akzenten sowie einer gut entwickelten Ansatzkunst im sprungfreudigen Allegro. Dass die Fagottistin, die gerade erst eine Covid-Erkrankung überstanden hat, den dritten und den vierten Satz wegließ, um ihre Kräfte zu schonen, war unter diesen Vorzeichen ebenso verständlich wie verschmerzbar.

"Teuflisch-verrückte" Bach-Sonate

Nochmal eine Adaption für Blockflöte – eigentlich hatte Johann Sebastian Bach diese Sonate in E-Dur für Querflöte gedacht – erklang danach: In F-Dur spielte Zajicek die Komposition BWV 1035 im Solopart, entfaltete dabei einen in allen Lagen des Instruments perfekt ausgewogenen Ton und eine Phrasierung voll Wärme. Höhepunkt war das Schluss-Allegro – laut Zajicek „teuflisch-verrückt“ und gespickt mit Einsätzen nach Pausen, bei denen absolute Konzentration angesagt war. Etwas Besonderes war auch der Solo-Beitrag der Cembalistin: Ilhae Kim hatte sich „La Marche des Scytes“ von J. N. Pancrace Royer herausgesucht. Ein wildes, wuselig-mehrschichtiges, eigenwillig-eindrucksvolles Stück. Der Komponist war dazu von einem Gemälde, das ein Nomaden-Reitervolk zeigt inspiriert worden, und dieses „Programm“ machte die Musik auf faszinierende Art und Weise innerlich nachhörbar und erlebbar.

Und wieder eine Umbesetzung

Nochmals eine interessante teilweise Umbesetzung brachte danach die spätbarocke Sonate in c-Moll für Blockflöte von Del Signore Detri. Das Trio hatte im Mittelsatz die Blockflöten-Solo-Stimme auf Flöte und Fagott aufgeteilt. Ein absoluter Gewinn, denn die leuchtend-kupfernen Klangfarben, die Sugawara in perfektem Dialog mit Zajiceks Blockflöte gewann, überzeugten auf ganzer Linie. Der Schlusspunkt setzte Musik vom französischen Hof: François Couperins „Huitième Concert“, eine „kleine Kurz-Oper“ in Suiten-Form, die das Ensemble 2 Nations feinsinnig differenziert mit Affekten ausgeleuchtete.

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