Landwirtschaft

Bio boomt im Ostallgäu: 491 Betriebe im Ökolandbau

Die Kühe sind los - Ende

Auch bei den Kühen beliebt? Im Ostallgäu werden 18 175 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Der Großteil davon ist Grünland. So viel wie sonst nirgendwo in ganz Bayern.

Bild: Archivfoto: Franz Moder

Auch bei den Kühen beliebt? Im Ostallgäu werden 18 175 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Der Großteil davon ist Grünland. So viel wie sonst nirgendwo in ganz Bayern.

Bild: Archivfoto: Franz Moder

Nirgendwo in Bayern werden so viele Flächen ökologisch bewirtschaftet wie zwischen Füssen und Buchloe. Warum der Umstieg besonders im Grünland leicht fällt.
19.10.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Der Ökolandbau im Ostallgäu hat in den letzten 13 Jahren kräftig zugelegt und spielt in der regionalen Landwirtschaft inzwischen eine bedeutende Rolle. Dies bestätigen die Zahlen aus dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Aktuell wirtschaften im Landkreis und der Stadt Kaufbeuren 491 Landwirte nach den Vorgaben des Ökologischen Landbaus. Die allermeisten sind einem der Ökoverbände Biokreis, Bioland, Demeter, Gäa oder Naturland angeschlossen.

Die Biobetriebe bewirtschaften eine Fläche von insgesamt 16 275 Hektar Grün- und 909 Hektar Ackerland. Mit insgesamt 18175 Hektar Ökofläche ist das Ostallgäu der Landkreis in Bayern mit der absolut größten Ökofläche.

Im Landkreis dominiert das Grünland. Bei den Biobetrieben gilt dies sogar noch stärker. Insgesamt werden 22,4 Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet, beim Grünland liegt dieser Anteil sogar bei 24,7 Prozent. Im Bereich des Ackerbaus liegt der Ökoanteil hingegen nur bei 8,3 Prozent.

Fast drei Viertel (73 Prozent) der Biobetriebe in Schwaben finden sich in den südlichen Landkreisen Ostallgäu, Oberallgäu, Unterallgäu und Lindau. Dies hat laut Franz Högg, Fachberater für Ökolandbau im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kaufbeuren, einen klaren Grund: Für Betriebe mit Rinderhaltung und Grünland ist die Umstellung auf Ökolandbau leichter und interessanter als beispielsweise für Ackerbaubetriebe mit Schweinehaltung.

Zunehmend auch Öko-Ackerbau im Ostallgäu

Allerdings haben in den letzten Jahren auch vermehrt Ackerbaubetriebe ohne Vieh auf Ökolandbau umgestellt, berichtet Högg. Denn auch im konventionellen Ackerbau wurden die Auflagen für Pflanzenschutz und Düngung ständig verschärft. Zudem werde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zunehmend kritischer gesehen. Außerdem sorgte die steigende Nachfrage nach Ökoprodukten für stabile Preise in diesem Sektor, was sich auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Ökolandbaus ausgewirkt hat.

Lesen Sie auch
##alternative##
Fernseh-Sendung

"Bauer sucht Frau" startet am 10. Oktober - Dieser Allgäuer ist mit dabei

Gemessen an dem im neuen Bayerischen Naturschutzgesetz festgelegtem Ziel von 30 Prozent Öko-Flächenanteil in Bayern bis zum Jahr 2030 ist das Ostallgäu auf einem guten Weg, heißt es in einer Pressemitteilung des AELF Kaufbeuren. Bayernweit besteht hier noch ein deutlich größerer Nachholbedarf, denn hier liegt der Öko-Flächenanteil erst bei 12 Prozent.

Insgesamt werden im Ostallgäu 76 748 Hektar Land landwirtschaftlich genutzt. Dabei entfallen 65 817 Hektar (86 Prozent) auf Grünland und 10 931 auf Ackerbau - vor allem im niedriger gelegenen nördlichen Teil des Landkreises.

Betrachtet man den regionalen Bedarf an Öko-Produkten, so wird deutlich, dass dieser bei Milchprodukten gut abgedeckt wird. Bei der Versorgung mit pflanzlichen Produkten wie Getreide, Gemüse und Obst klafft jedoch noch eine riesige Lücke. Es fällt auf, dass hier der Öko-Anteil recht unterschiedlich ausfällt. Bei Weizen beträgt er nur 4,4 Prozent, bei Mais liegt er bei 1,7 Prozent. Bei Dinkel (62 Prozent) und Hafer (38 Prozent) weist das Ostallgäu hingegen sehr hohe Werte auf.

Andere Lage bei Obst und Gemüse

Auch bei Obst und Gemüse ergibt sich ein differenziertes Bild: Grundsätzlich hat hier der Anbau im Landkreis mit 18 Hektar Gemüse und 25 Hektar Obst nur eine untergeordnete Bedeutung. Beim Gemüse entfallen aber immerhin elf Hektar auf den Biobereich, beim Obst sind es fünf Hektar.

Die 13 Hektar Erdbeeren werden extra erfasst und ausschließlich konventionell angebaut. Der Anbau von Obst und Gemüse allgemein könnte also durchaus noch ausgebaut werden. Die besten Chancen hierfür sind im Zusammenhang mit einer regionalen Vermarktung zu sehen, sagt Fachberater Franz Högg. Trotz des relativ geringen Ackeranteils im Landkreis, wäre absolut gesehen genügend Fläche vorhanden, um den Anteil bestimmter Nischenprodukte deutlich anzuheben, lautet seine Einschätzung.

In nur 13 Jahren hat sich die Zahl der Biohöfe im Ostallgäu fast verdreifacht: 2007 wirtschafteten 179 Landwirte nach ökologischen Gesichtspunkten, inzwischen sind es 491. Den stärksten Sprung gab es von 2015 (310 Landwirte) bis 2017 (443 Höfe).

Verstärkte Nachfrage nach Biomilch

Fachberater Högg hat auch eine Erklärung dafür, dass sich der jährliche Zuwachs an Ökobetrieben sowohl im Ostallgäu als auch im ganzen Regierungsbezirk Schwaben seit 2017 abgeschwächt hat. „Dies hängt damit zusammen, dass die Molkereien in den letzten Jahren kaum noch neue Biomilch-Lieferanten aufgenommen haben.“ Erst seit diesem Jahr sei wieder eine verstärkte Nachfrage der Molkereien nach Biomilch zu beobachten, sagt Fachberater Högg.