Naturraum Wertach

Schluss mit dem Artensterben? Wie ein Biotopverbund an der Wertach helfen soll

Blick auf das winterliche Gewässer vom Wehr am Bachtelsee Richtung Kaufbeuren: Die Wertach gilt als Schatz in der Stadt.

Blick auf das winterliche Gewässer vom Wehr am Bachtelsee Richtung Kaufbeuren: Die Wertach gilt als Schatz in der Stadt.

Bild: Mathias Wild

Blick auf das winterliche Gewässer vom Wehr am Bachtelsee Richtung Kaufbeuren: Die Wertach gilt als Schatz in der Stadt.

Bild: Mathias Wild

Die Stadt Kaufbeuren und die Gemeinde Pforzen wollen einen Biotopverbund entlang der Wertach verwirklichen. Was das bringen soll und welche Pläne es gibt.
05.01.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Die Idee ist gut 20 Jahre alt, doch erst jetzt scheint Zug in das Vorhaben zu kommen: ein Biotopverbund entlang der Wertach zwischen der Stadt Kaufbeuren und der Nachbargemeinde Pforzen. Im Zentrum steht dabei ein Lehrpfad. Nachdem die Gemeinde Pforzen bereits einen gemeinsamen Förderantrag mit der Stadt beschlossen hatte (wir berichteten), sprach sich jüngst auch der Kaufbeurer Umweltausschuss dafür aus.

Informationstafeln und Umweltbildung

Der Lehrpfad soll an der Kaufbeurer Höfelmayrkapelle beginnen, über die Magerwiesen an der Alten Poststraße und den ehemaligen Bahnhof in Leinau führen und am Veranstaltungszentrum in Pforzen enden. Geplant sind einzelne Stationen, an denen Informationstafeln über die Kulturlandschaft, den Biotopverbund an sich und den allgemeinen Umweltschutz Aufschluss geben. Verknüpft werden soll das Projekt mit Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung an Schulen.

"Schätze vor der Haustür"

Ein Vorhaben, das auch in der Kaufbeurer Stadtpolitik gut ankommt. „Nach vielen Jahren kommt das Projekt nun auf den Weg“, sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse. Von einer „großen Chance für die Stadt“ sprach Ulrike Seifert (Grüne). „Umweltschutz macht ja nicht an den Stadtgrenzen Halt.“ Nach ihrer Kenntnis wüssten viele Kaufbeurer gar nicht, welche Schätze es vor ihrer Haustür gebe.

Flächen naturverträglich gestalten

„Ein Biotopverbund ist eine Möglichkeit, dem Artensterben etwas entgegenzusetzen“, sagte der Leiter der städtischen Umweltabteilung, Andreas Schmal. Pflanzen und Tierarten könnten sich aus größeren Biotopbereichen entlang von Gewässern und Wanderkorridoren, aber auch über sogenannte Trittsteine genetisch austauschen und ausbreiten. Schmal hält es jedoch für wichtig, dass die forst- und landwirtschaftlich genutzten Flächen ebenso wie Freizeit- und Erholungsflächen dazwischen nachhaltig und naturverträglich genutzt werden.

70.000 Euro Kosten

Doch kein Projekt ohne Kosten und Runde Tische. Der Lehrpfad wird mit 70.000 Euro veranschlagt. Die Kosten teilen sich die Stadt und die Gemeinde. Für die Hälfte der Kosten sei mit Fördermitteln zu rechnen. Für den Biotopverbund geht Schmal von anteiligen jährlichen Kosten in Höhe von 1.500 Euro aus. Zustimmung gab es im Ausschuss für das Vorgehen, nun einen Koordinator für den Biotopverbund zu ernennen, die Flächen und deren Nutzung zu erfassen, Ziele zu definieren und einen Runden Tisch mit den Landwirten einzurichten.

Gut zu wissen

  • BayernNetzNatur ist ein Programm, mit dem die sogenannte Bayerische Biodiversitätsstrategie umgesetzt wird. Als Träger der mittlerweile mehr als 400 abgeschlossenen oder laufenden Projekte, darunter der geplante Biotopverbund Kaufbeuren/Pforzen, engagieren sich Landkreise, Städte, Gemeinden und Verbände, auch mittels verschiedener Förderprogramme.
  • Das Arten- und Biotopschutzprogramm Ostallgäu lieferte wesentliche Grundinformationen für einen Biotopverbund im Landkreis, enthielt aber keine Aussagen zum Stadtgebiet. Diese Lücken sollte eine Studie des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Ostallgäu schließen. Der LPV initiierte somit die Idee, im Wertachtal zwischen Pforzen und Biessenhofen einen Biotopverbund zu schaffen.
  • Im Zuge gemeinsamer Beratungen fassten die Stadt und die Gemeinde Pforzen im März 2020 den Beschluss, den Plan für einen Biotopverbund zu fördern. Einen Zeitplan für eine Verwirklichung gibt es allerdings nicht.

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