Wundbehandlung

Blauer Strahl hilft Wundpatienten am Klinikum Kaufbeuren

Behandlungen mit dem Kaltplasmastift laufen weitgehend schmerzfrei ab.

Behandlungen mit dem Kaltplasmastift laufen weitgehend schmerzfrei ab.

Bild: Klinikum Kaufbeuren

Behandlungen mit dem Kaltplasmastift laufen weitgehend schmerzfrei ab.

Bild: Klinikum Kaufbeuren

Die Plasmatherapie wird seit einem Jahr erfolgreich am Kaufbeuer Wundzentrum eingesetzt. Chefärtzin Dr. Michaela Knestele stellt die Methode vor.
11.06.2021 | Stand: 10:14 Uhr

Zur Therapie von chronischen und akuten Wunden wird am Klinikum Kaufbeuren eine neuartige Methode eingesetzt. „Wir haben uns von Beginn an für die neue Plasmatherapie interessiert und das Gerät bereits vor einiger Zeit erfolgreich getestet“, erklärt Dr. Michaela Knestele, Chefärztin des Wundzentrums am Klinikum Kaufbeuren. Diese neue Therapie habe sich in der Wund- und Infektbehandlung etabliert, seit Ende 2020 therapiert Knestele regelmäßig damit.

Hat nichts mit Blutplasma zu tun

Doch was genau ist eine Plasmatherapie und wie läuft diese ab? „Es hat nichts mit Blutplasma zu tun, sondern vielmehr mit physikalischem Plasma. Das Ganze sieht etwas futuristisch aus – ein kleiner, blauer Strahl wird mithilfe eines Stifts über das entzündete Gewebe geführt. Bei diesem Prozess werden Mikroorganismen abgetötet und zugleich die Heilung gefördert“, beschreibt Knestele.

Plasma werde auch als vierter Aggregatszustand bezeichnet und lasse sich gut am Beispiel von Wasser erklären: „Wasser ist als Eis fest. Führt man dann Energie in Form von Wärme hinzu, wird es flüssig und schließlich gasförmig. Fügt man dann weiter Energie zu, entsteht Plasma, wobei sich die Ionen und Elektronen frei umher bewegen und aufeinander einwirken. Es ist somit ein ionisiertes Gas und ein elektrisch leitendes Medium, welches besondere Eigenschaften besitzt.“

Tötet Bakterien, Pilze und Viren minutenschnell

Eine Eigenschaft sei, dass es Bakterien, Viren und Pilze innerhalb weniger Minuten abtöte. Deshalb werde die Methode gern bei stark infizierten Wunden verwendet, deren Keime sich der gängigen Antibiotikatherapie entziehen. „In extremen Fällen kann man das Gewebe oft nur noch entfernen, manchmal muss sogar amputiert werden“, sagt die Spezialistin.

Neben der deutlichen Bakterienreduktion habe die Kaltplasmatherapie noch weitere Vorteile: Sauerstoffversorgung und Gewebedurchblutung in der Haut werden deutlich verbessert, was wiederum das Zellwachstum anregt. So bildet sich das natürliche Granulationsgewebe, ein im Heilungsprozess vorübergehend entstehendes, wichtiges Gewebe schneller und effektiver.

Schmerzfrei für Patienten

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Der Patient erlebe die Behandlung in der Regel schmerzfrei. Kaltplasma kann berührungslos mehrmals pro Woche angewendet werden, Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt. Bereits nach fünf bis sieben Anwendungen lasse sich durch einen Abstrich eindeutig nachweisen, dass die Keime reduziert, zum Teil sogar ganz verschwunden sind.

Die Methode wird vor allem bei Patienten mit chronischen Wunden angewendet, also bei Hautdefekten, die trotz entsprechender Behandlung nicht innerhalb von sechs Wochen abheilen. Zu 80 Prozent handelt es sich um venöse Wunden am Unterschenkel oder diabetische Füße, es können jedoch auch Amputationen betroffen sein, die nicht heilen. „Problematisch ist, dass die Patienten zuvor Monate, teils Jahre mit ihren Wunden zu kämpfen hatten.

Neben den körperlichen Beeinträchtigungen erleben sie auch Einschränkungen der Selbstständigkeit und des sozialen Lebens“, sagt die Chefärztin. Für viele Betroffene stelle das einen erheblichen Verlust an Lebensqualität dar. Durch die Plasmatherapie könnten selbst schlecht heilende, chronische Wunden oder Infektionen mit multiresistenten Keimen erfolgreich behandelt werden. Das Plasmatherapie-Gerät ist am Klinikum Kaufbeuren mittlerweile tagtäglich im Einsatz, bildet jedoch nur einen Baustein in der gesamten Therapie.

Entscheidend bei jeder chronischen Wunde sei, die Ursache herauszufinden. „Dabei stehen unserem Team zahlreiche Untersuchungen, Diagnosemethoden und für die Patienten individuelle Therapien zur Verfügung. Die Plasmatherapie ist dabei eine Bereicherung.“ Auf der Homepage des Wundzentrums finden Betroffene weitere Infos zu Therapiemöglichkeiten.

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