Brustkrebszentrum Kaufbeuren

Brustkrebs ohne Strahlenbelastung lokalisieren: Kaufbeurer Klinik ist als eine der ersten Deutschlands dabei

Laut Dr. Daniela Dieterle können rund 80 Prozent der Patientinnen brusterhaltend behandelt werden.

Laut Dr. Daniela Dieterle können rund 80 Prozent der Patientinnen brusterhaltend behandelt werden.

Bild: Klinikum Kaufbeuren

Laut Dr. Daniela Dieterle können rund 80 Prozent der Patientinnen brusterhaltend behandelt werden.

Bild: Klinikum Kaufbeuren

Kaufbeurer Frauenklinik nutzt als eine der ersten in Deutschland magnetische Nanopartikel, um Wächter-Lymphknoten zu finden. Was das den Patientinnen bringt.
30.06.2021 | Stand: 18:33 Uhr

Vor einer Brustkrebsoperation wird der sogenannte Wächter-Lymphknoten lokalisiert und markiert, um zu bestimmen ob sich der Tumor ausgebreitet hat. Bisher geschah dies standardmäßig durch eine radioaktive Methode. Ein schonenderes Verfahren setzt nun das Brustkrebszentrum Kaufbeuren ein – als eine der ersten Kliniken in Deutschland.

Brustkrebs ist häufigste Tumorerkrankung bei Frauen

Mit bundesweit rund 70 000 neuen Fällen im Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Trotzdem sei er nicht die gefährlichste Krebsart, wie die Chefärztin der Frauenklinik Kaufbeuren und Leiterin des Brustkrebszentrums Dr. Daniela Dieterle erklärt: „Wird der Tumor frühzeitig entdeckt, gibt es eine Heilungschance von über 90 Prozent.“

Bei 80 Prozent kann die Brust erhalten werden

Das Spezialgebiet der 48-Jährigen ist die Brustchirurgie – sie ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Senior-Mamma-Operateurin gelistet. „Wir versuchen wann immer möglich brusterhaltend zu arbeiten, was mittlerweile bei über 80 Prozent der Patientinnen möglich ist.“

Während der OP wird neben dem Tumorgewebe auch der Wächter-Lymphknoten entfernt, anhand dessen Stadium und Streuung der Krebserkrankung bestimmt werden. Weil zahlreiche Lymphgefäße durch die weibliche Brust verlaufen, müsse man vorab klären, ob Lymphknoten betroffen sind. „Der Wächter ist der erste Lymphknoten, in dem sich Krebszellen vom ursprünglichen Herd am ehesten ausbreiten“, erläutert Dieterle.

Gewebeschnitte zeigen, ob Knoten entfernt werden müssen

Anhand von Gewebeschnitten kann entschieden werden, ob weitere Knoten entfernt werden müssen. Befinden sich im Wächter-Lymphknoten keine Tumorzellen, kann auf die Entnahme der übrigen Knoten verzichtet werden. Der Patientin bleiben Risiken wie Bewegungseinschränkungen, Taubheitsgefühl oder Lymphödeme erspart.

Bisher nur mit radioaktiver Lösung aufspürbar

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Aber welcher der zahlreichen Lymphknoten in Brust und Achselhöhle ist der Wächter? Bisher injizierten Nuklearmediziner vor der OP eine schwach radioaktive Lösung (Tracer) in die Brust. Der Tracer wandert über die Lymphgefäße zum Wächter-Lymphknoten.

Schonender und einfacher

Seit Mai wendet das Brustkrebszentrum Kaufbeuren eine alternative und schonendere Methode an. Diese bietet laut Dieterle Vorteile für die Patientinnen und das Behandlungsteam: „Statt Radioaktivität werden magnetische Nanopartikel eingesetzt, die den Wächter-Lymphknoten einfacher lokalisieren. Zusätzlich gelingt eine optische Verifizierung durch eine bräunliche Verfärbung des Knotens. Dadurch verkürzt sich die OP-Zeit, da wir den Lymphknoten schneller und sicherer finden und präziser entfernen können.“ Das Klinikum Kaufbeuren ist eine der ersten Kliniken in Deutschland, die das magnetische Lokalisierungssystem einsetzt.

Keine Strahlenbelastung mehr

Was die Gynäkologin besonders freut, ist, dass Patientinnen nicht mehr der Strahlenbelastung ausgesetzt werden müssen. Die Markierung kann kurz vor der eigentlichen OP oder bis zu sieben Tage vorher erfolgen. Der OP-Zeitpunkt können nun sehr flexibel mit den Patientinnen geplant werden. Die Sicherheit sei durch Studien belegt – die Detektionsrate liege auf gleichem Niveau wie beim bisherigen radioaktiven Verfahren. Zudem berge die neue Methode nachweislich kein Risiko einer allergischen Reaktion.

Die Patientin entscheidet selbst

Die Entscheidung ob die radioaktive oder magnetische Methode angewendet werden soll trifft letztendlich die Patientin, die über beide Methoden aufgeklärt wird. Generell bekomme jede Patientin einen individuell abgestimmten Behandlungsplan. Ein chirurgischer Eingriff sei nur eine der Säulen in der Krebsbehandlung. Im Brustkrebszentrum laufen alle Fäden aus Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge zusammen. Das interdisziplinäre Team entwickelt in der wöchentlichen Tumorkonferenz für jede einzelne Patientin die passende Therapie.

Infos zum Kaufbeurer Brustkrebszentrum:

  • Das Brustkrebszentrum am Klinikum Kaufbeuren ist seit 2005 von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie zertifiziert. Damit wird die Umsetzung bestimmter Leitlinien gewährleistet und die Arbeit unterliegt jährlichen Prüfungen durch externe Überwachungsgremien.
  • Patientinnen können freiwillig an nationalen und internationalen wissenschaftlichen Studien teilnehmen. Das trägt zur gezielteren Versorgung und zur ständigen Verbesserung der Behandlungskonzepte bei.
  • Mehr Infos unter www.brustkrebszentrum-allgaeu.de, Telefon 08341/422002, E-Mail: frauenklinik@klinikenoal-kf.de

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