Tarifverhandlungen

Busfahrer-Streik führt zu Verkehrs-Chaos in Kaufbeuren

36 Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal folgten mittwochfrüh dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Streik. Sie kämpfen in den laufenden Tarifverhandlungen für eine bessere Bezahlung.

36 Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal folgten mittwochfrüh dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Streik. Sie kämpfen in den laufenden Tarifverhandlungen für eine bessere Bezahlung.

Bild: Silke Vorpahl, Verdi

36 Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal folgten mittwochfrüh dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Streik. Sie kämpfen in den laufenden Tarifverhandlungen für eine bessere Bezahlung.

Bild: Silke Vorpahl, Verdi

36 Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal legen am Mittwochmorgen Arbeit nieder. Viele Eltern fahren deshalb ihre Kinder mit Autos zu Schulen.

09.09.2020 | Stand: 16:22 Uhr

Trotz eines stundenlangen Streiks bei der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal (VGK) am Mittwochmorgen erreichten laut Busunternehmen und Stadt die Kinder aus Kaufbeuren und dem Umland ihre Schulen. Denn die Gewerkschaft Verdi hatte die Arbeitsniederlegung ihrer Mitglieder bereits am Dienstagnachmittag angekündigt. So konnten über die Schulen alle Eltern verständigt werden. Bei dem schönen Spätsommerwetter radelten viele Mädchen und Jungen zu ihren Schulen. Viele Eltern brachten ihren Nachwuchs auch mit Autos hin.

Diese standen im Haken gegen 7.45 Uhr dicht an dicht. Etwa an der Ecke Herzog-Friedrichstraße und Barbarossastraße. Dort wollten Eltern-Taxis in die Barbarossastraße einbiegen und ihre Kinder entweder zur Konradin- oder Realschule bringen. Entgegen kamen ihnen Autos, die diesen Weg bereits hinter sich hatten. Ergebnis: „Man kam kaum noch durch“, sagte ein Berufspendler, der im Haken wohnt und am Mittwoch wie jeden Morgen Richtung Marktoberdorf unterwegs war. Und auch im weiteren Verlauf, wo die Buronstraße auf die Neugablonzer Straße trifft, gab es Verzögerungen. An der Ampel staute sich der Verkehr auf der Linksabbiegerspur fast bis zum Wasserwerk auf Höhe König-Rudolf-Straße zurück. „Das war wie auf dem Mittleren Ring in München. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so lange durch die Stadt gebraucht hätte“, sagt der 48-jährige Autofahrer genervt. Statt zehn Minuten benötigte er am Mittwoch 25 Minuten für die Strecke vom Haken bis zum Kreisverkehr an der B12.

 8 statt 53 Linienbusse im Einsatz

Von den 53 VGK-Linienbussen waren am Mittwoch zwischen 4.45 und 9 Uhr laut Fahrdienstleiter Jens Wömpner nur etwa acht im Einsatz. Dennoch hätten aufgrund des guten Informationsflusses die Kinder ihre Schulen erreicht. „Die Eltern waren gut organisiert, die Haltestellen fast leer“, sagte Wömpner. Um 9 Uhr nahmen die 36 streikenden Busfahrer ihren Dienst wieder auf. Nach etwa einer halben Stunde funktionierte der Fahrplan laut Wömpner wieder normal. „Unangekündigt hätte der Streik viel schlimmere Folgen gehabt“, sagte Wömpner. Damit überhaupt ein paar Busse fahren können habe die VGK Rentner und Auftragnehmer mobilisiert. Normalerweise befördert VGK rund 6500 Schüler täglich.

Stadt: Keinerlei Beschwerden

Zufrieden zeigte sich auch die Stadt Kaufbeuren. Bei ihr gingen keinerlei Beschwerden von Schulen oder Eltern ein. Nach dem Unterricht seien alle Buslinien wieder bedient worden.

Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem „vollen Erfolg“. 36 Busfahrer bei VGK hätten gestreikt. Man habe deutlich gesehen, was 36 Leute ausmachen: „Wenn die weg sind, steht Kaufbeuren still“, sagte Silke Vorpahl von Verdi. Sie betonte aber, dass die Gewerkschaft mit ihren Aktionen keinesfalls den Eltern etwas Böses wolle. Es sei halt ein zweischneidiges Schwert in diesem Bereich und treffe auch Unbeteiligte der Tarifauseinandersetzung.

Gewerkschaft: Busfahrer leisten wichtigen Beitrag

„Die Busfahrer leisten einen ungemein wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und sind dabei immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Sie lenken nicht nur den Bus. Sie müssen Schüler freundlich zur Räson bringen, sich mit Maskenverweigerern auseinandersetzen und oft nebenbei noch Tickets verkaufen. Dafür haben sie einen Lohn verdient, mit dem sie in Bayern auch gut leben können. Dies ist bei dem derzeitigen Lohn mehr als problematisch“, betonte Vorpahl. Der jetzige Lohntarifvertrag sieht als Einstiegsgehalt 12,89 Euro pro Stunde vor. Verdi fordert 3,50 Euro mehr pro Stunde. Die Gewerkschaft warte nun auf eine Reaktion des Arbeitgeberverbandes LBO (Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen), bevor sie über weitere Schritte berät.