Kein Aushängeschild für Kaufbeuren

Der Kaufbeurer Waldfriedhof wird von Gras überwuchert

Beinahe hüfthoch wuchert das Gras zwischen den Gräbern auf dem Waldfriedhof. Nur die Grabsteine schauen noch raus.

Beinahe hüfthoch wuchert das Gras zwischen den Gräbern auf dem Waldfriedhof. Nur die Grabsteine schauen noch raus.

Bild: Mathias Wild

Beinahe hüfthoch wuchert das Gras zwischen den Gräbern auf dem Waldfriedhof. Nur die Grabsteine schauen noch raus.

Bild: Mathias Wild

Das Areal ist ungemäht, aufgelöste Grabstätten bleiben sich selbst überlassen, an den Bänken setzt Moos an. Was der Friedhofsleiter dazu sagt und was er vorhat.
08.06.2021 | Stand: 12:19 Uhr

Seit über 40 Jahren betreut Reiner Hünnekens Gräber auf dem Kaufbeurer Waldfriedhof. Doch so habe es dort noch nie ausgesehen. Das Gras ist schon lange nicht mehr gemäht worden, manche Gräber sind in dem stellenweise hüfthohen Grün kaum mehr zu erkennen. Hecken an den Begrenzungen von Gräberreihen wurden weggerissen.

Aufgelöste Grabstätten bleiben sich selbst überlassen, übrig gebliebene Begrenzungssteine werden nicht entfernt, Löcher nicht aufgefüllt. „Warum nimmt man da die Steine nicht raus“, fragt er. „Erde drauf, Grassamen drüber und dann kann man da mähen“, fordert der 78-Jährige.

Lädt nicht zum Verweilen ein

Auch die Bänke auf dem Friedhof laden wenig zum Verweilen ein. Sie sind verwittert und mit Moos überwachsen, der Lack blättert. „Früher wurden die geschliffen und neu lackiert, dann konnte man sich wieder draufsetzen“, erinnert sich der ehemalige Bundeswehrsoldat. Seit etwa drei Jahren beobachtet er die Veränderung auf dem Friedhof. „Vergangenes Jahr ging es noch“, sagt er. Dieses Jahr sei es so schlimm wie noch nie.

Kein Aushängeschild für Kaufbeuren

„So was hat es früher nicht gegeben“, findet er. „Das ist kein Aushängeschild für Kaufbeuren“, ärgert sich ein anderer Besucher.

Die Probleme sind Peter Ruhland alle bekannt. Er ist seit gut drei Jahren für die sechs Kaufbeurer Friedhöfe verantwortlich. Auch bei ihm hätten sich schon etliche Bürger gemeldet, erzählt er. Wegen Corona fallen dem Chef schon im zweiten Jahr sämtliche Hilfskräfte wie Ein-Euro-Jobber oder Asylbewerber weg. Seine sechs Mitarbeiter müssten gerade überall gleichzeitig sein, um die anstehenden Arbeiten auf allen Friedhöfen zu bewältigen. Dazu gehören nicht nur die Gartenarbeiten. Auch die Beisetzungen machen sie selbst. „Wir werden überrollt, aber wir sind dran, wir bemühen uns“, verspricht Ruhland.

Bilderstrecke

Gras überwuchert die Gräber auf dem Waldfriedhof

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Mehr Personal hieße höhere Grabgebüren

Einfach mehr Personal einzustellen, sei leider nicht möglich. Die höheren Personalkosten ließen die Grabgebühren in die Höhe schnellen, gibt er zu bedenken. Da immer mehr letzte Ruhestätten von den Hinterbliebenen aufgegeben würden, fehlten auf der einen Seite die Einnahmen, auf der anderen Seite würden die zu pflegenden Flächen immer größer, erklärt Ruhland. „Familiengräber, die über Jahrzehnte gehalten werden, das wird immer weniger“, berichtet er. „Die ganzen Platten zwischen den Gräbern würde ich am liebsten alle sofort weg haben, aber ich brauche die Manpower dafür“, sagt Ruhland. Das gleiche gelte für die Ruhebänke. "Auch da sind wir dran."

Neues Konzept für den Kaufbeurer Waldfriedhof

Der Friedhofsleiter möchte an anderer Stelle aber auch einiges ändern und hat dazu schon ein Konzept erarbeitet. „Die Bereiche der Baumbestattungen dürfen ruhig wilder sein“, findet er. Die Margeritenwiese unter den Familienurnenbäumen im hinteren Teil werde nur noch ein Mal im Jahr gemäht. „Das ist ein Paradies für Schmetterlinge und Insekten, das kommt bei den Besuchern gut an“, freut er sich.

Die Buchenhecken möchte Ruhland reduzieren. Sie seien überaltert, einige davon hat er schon entfernen lassen. Das mache den Friedhof offener. „Aber man kann es nie allen recht machen“, dessen ist er sich bewusst.