Mauerstetten

Die unendliche Kindergarten-Geschichte

Standort Mauerstettener Gemeinderäte schalten Ministerium ein, um Förderfähigkeit zu klären
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Von kdt/kgs
31.01.2020 | Stand: 18:19 Uhr

Im Ringen um den Standort des neuen Mauerstettener Kindergartens läutete Johannes Nieberle in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor vielen Zuhörern eine neue Runde ein – und eine längere Diskussion. Eigentlich sollte in der Sitzung darüber beraten werden, ob der Gemeinderatsbeschluss vom 12. Dezember 2019 aufgehoben wird. Damals hatte das Gremium mit knapper Mehrheit entschieden, den neuen Kindergarten im Ortsteil Frankenried zu bauen. Nieberle beantragte jedoch, diesen Punkt von der Tagesordnung zu streichen.

Die Regierung von Schwaben hatte Mitte Januar signalisiert, dass die Entscheidung für den Standort Frankenried am Bedarf vorbeigehe und der Bau damit wohl nicht förderungsfähig sei. Eine Elternbefragung im vergangenen Frühjahr habe ergeben, dass Betreuungplätze vor allem im Hauptort gefragt sind. Einen Neubau ohne Förderung (geschätzt 750 000 bis eine Million Euro) hielten Bürgermeister Armin Holderried und eine Mehrheit des Rates für ausgeschlossen.

Nieberle und weitere Gemeinderäte, die für den Neubau in Frankenried gestimmt hatten, wollten sich damit nicht abfinden. Sie wandten sich an den Landtagsabgeordneten Franz Pschierer (CSU), der Kontakt zum zuständigen Sozialministerium vermittelte. Dort solle die Gruppe in Kürze einen Termin für ein Gespräch bekommen, in dem es darum gehen wird, ob es nicht doch möglich sei, den Kindergartenbau in Frankenried staatlich zu fördern. Nieberle bat deshalb, das Ergebnis des Gesprächs abzuwarten, bevor der Gemeinderat über eine Aufhebung entscheidet. Die Antwort des Ministeriums habe er erst kurz vor der Sitzung erhalten. Holderried und einige Gemeinderäte, die bis dato nichts von der Aktion wussten, zeigten wenig Verständnis für den Alleingang und fühlten sich übergangen.

Gleichwohl wird der Gemeinderat vor einer Entscheidung das Gespräch im Sozialministerium abwarten. Der Bedarf sei dringlich – soweit war man sich einig. Laut neuester Zahlen des Landratsamtes Ostallgäu zur Bevölkerungsentwicklung in Mauerstetten ergibt sich ein geringerer Bedarf an Betreuungsplätzen, als noch im November. Weil 2019 in Mauerstetten ein geburtenschwaches Jahr war, wurden die Zahlen nach unten korrigiert. Aktuell wäre zunächst nur Raum für eine Gruppe zu schaffen, eine weitere Gruppe erst in fünf bis sieben Jahren. „Dass sich die Zahlen ständig ändern, macht es uns Gemeinderäten nicht gerade leicht, eine Entscheidung zu treffen“, sagte Johannes Nieberle derAZ.

Zudem könne man die Elternbefragung vom Frühjahr 2019 „so oder so interpretieren“, je nachdem, ob man einen Kindergartenbau in Mauerstetten oder Frankenried favorisiere. Es sei nicht sinnvoll, allein die Elternbefragung als Grundlage für die Planung der Kindergartenplätze zu nehmen, ergänzte sein Ratskollege Peter Niederthanner. So müsse man auch die Entwicklung der Gemeinde mitberücksichtigen, etwa, wo künftig neue Baugebiete ausgewiesen werden. Niederthaner betrachtete es als Akt der Fairness, den neuen Kindergarten in Frankenried zu bauen: „Das war früher eine eigenständige Gemeinde mit eigener Infrastruktur, von der heute wenig übrig ist.“ Eltern dort müssten ihre Kinder immer fahren – zur Schule, Kita, zum Sport, zur Musikprobe.

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Holderried und seine beiden Bürgermeisterkollegen hatten Vorschläge zur Deckung des Betreuungsbedarfs erarbeitet. Geprüft werden solle unter anderem, ob ein Anbau für eine Gruppe am Kindergarten „Regenbogen“ möglich ist und zusätzlich in Frankenried für eine weitere Gruppe gebaut werden kann. Auch ein Neubau für zwei Gruppen in Mauerstetten, ein Neubau für jeweils eine Gruppe in Mauerstetten und Frankenried könnten infrage kommen. Zu diesen Varianten wolle er bis zur nächsten Sitzung Fakten sammeln – und vor allem prüfen, wie es jeweils mit der Förderung aussieht. Ohne Zuschuss soll jedenfalls nicht gebaut werden, so der Gemeinderat einstimmig.

Holderried teilte mit, dass zehn Vereine der Gemeinde insgesamt 11 400 Euro zur Jugendförderung erhalten. Außerdem erinnerte der Bürgermeister erinnerte zudem an die Podiumsdiskussion derAllgäuer Zeitung mit ihm und seinen Herausforderern Martina Burg und Werner Höbel. Sie findet am Montag, 10. Februar, um 19.30 Uhr im Sonnenhof statt.

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