Tierwelt im Ostallgäu

Die Weibchen haben alles im Griff - neue Erkenntnisse über Eichörnchen

Putzige Nager: ein Eichhörnchen in Nahaufnahme.

Putzige Nager: ein Eichhörnchen in Nahaufnahme.

Bild: Angela Merk

Putzige Nager: ein Eichhörnchen in Nahaufnahme.

Bild: Angela Merk

Der Bund Naturschutz meldet Resultate des Projektes „Eichhörnchen in Bayern“ für das Ostallgäu. Das sind die Erkenntnisse.

09.03.2022 | Stand: 07:50 Uhr

Seit zwei Jahren sammelt der Bund Naturschutz (BN) mithilfe der Bürgerinnen und Bürger Daten über Eichhörnchen. Über 27.600 der Tiere wurden in Bayern seitdem gemeldet, davon 485 in Kaufbeuren und im Ostallgäu. Dabei gab es überraschende Ergebnisse.

Bürger zählen Baumbewohner

Im Frühjahr 2020 startete der BN das groß angelegte Bürgerinnen-und Bürger-Forscherprojekt „Eichhörnchen in Bayern“. Interessierte können seither über eine App oder die BN-Homepage melden, wann und wo sie Eichhörnchen entdeckt haben und Merkmale angeben. Bis zum Herbst 2021 kamen so über 21.600 Meldungen mit insgesamt 27.600 Tieren zusammen. Allein in Kaufbeuren und im Ostallgäu wurden seit dem Projektstart über 400 Tiere gemeldet. „Das ist ein großartiges Ergebnis und zeigt, dass sich viele Menschen für Eichhörnchen begeistern“, erklärt Josef Kreuzer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren.

Die Nager lieben alten Baumbestand

Die meisten Tiere wurden in Städten und Siedlungen gemeldet. Der Grund dafür ist einfach erklärt. „Die Nager lieben unsere städtischen und kommunalen Grünanlagen mit altem Baumbestand und lassen sich dort besonders gut beobachtet. Das zeigt auch, wie wichtig naturnahe Räume in der Stadt und in den Kommunen sind. Sie bieten unzähligen Tieren Lebensraum und Nahrung. Mehr Baumbestände und Grün-Achsen statt grauer Parkplätze oder Schotter-Gärten würden nicht nur Eichhörnchen, sondern mit ihrer kühlenden Wirkung auf das Lokalklima und hoher Aufenthaltsqualität auch den Menschen guttun“, erklärt der Vorsitzende.

Das Fell zeigt die Herkunft

Die Eichhörnchen können in einer Vielzahl von unterschiedlichen Fellfarben vorkommen. Neben dem klassischen roten Fell sind ebenso verschiedenste Braun- und Grautöne möglich, auch ganz schwarze Tiere werden immer wieder gesichtet. Nur der Bauch ist bei unseren heimischen Eichhörnchen immer weiß. „Das Fell ist wichtig für die Tarnung“, erklärt Josef Kreuzer. „Von oben gesehen können Feinde die Eichhörnchen nur schlecht von der Rinde unterscheiden und von unten gesehen verschmilzt der weiße Bauch mit dem hellen Himmel.“ Über die Ursachen der variantenreichen Fellfärbungen haben Wissenschaftler in der Vergangenheit bereits viel diskutiert. Die vorherrschende Meinung, dass man im Laubwald eher rötliche und im Nadelwald sowie in höheren Lagen mehr braun-schwarze Tiere antrifft, wird durch das bayerische BN-Projekt bestätigt. „Die bisher eingegangenen Daten sind sehr gut und verraten uns eine Menge über das Verhalten und die unterschiedlichen Fellfarben der Eichhörnchen. Richtig gute Aussagen über die geografische Verteilung der Nager können wir aber erst treffen, wenn wir mehr Daten – auch aus größeren Waldgebieten – erhalten“, sagt der Naturschützer.

Kämpfe in der Paarungszeit

Die Bäume haben noch nicht ausgetrieben, die Kronen sind kahl. Zwar sind Eichhörnchen lieber allein unterwegs, doch derzeit hat man gute Chancen, mehrere Tiere gleichzeitig zu entdecken. Je nach Lebensraum und Ernährungszustand nehmen gerade viele der Nager an der Paarungszeit teil. „Bessere Bedingungen für die Eichhörnchen-Beobachtung gibt es nicht“, betont Kreuzer: „Die Tiere verfolgen sich die Bäume rauf und runter und springen von Krone zu Krone, doch das Weibchen bestimmt das Geschehen. Kurze aggressive Kämpfe zwischen mehreren Männchen können dabei stattfinden.“

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Der BN will das Projekt fortführen und sucht deshalb Helfer: Freiwillige melden dem Bund, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben. Entweder über die BN-Webseite oder mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt. Eine Bilanz der ersten Projektjahre 2020 und 2021 gibt es im Internet.